Seniorengerecht wohnen:

Technik soll das Leben im Alter erleichtern

Staubsauger-, Wischrobotor und ein gewisser Paul: Für Senioren gibt es inzwischen viele Helfer, die ein möglichst langes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Wenn da nicht die Vorbehalte gegenüber der Technik wären.

Nicht nur ein Kuscheltier: André Huysmann präsentiert die „Demenzrobbe“ Fine. Sie ist elektronisch gesteuert und soll als therapieunterstützendes System Betroffenen helfen, sich im Alltag zurecht zu finden.
Stefan Sauer Nicht nur ein Kuscheltier: André Huysmann präsentiert die „Demenzrobbe“ Fine. Sie ist elektronisch gesteuert und soll als therapieunterstützendes System Betroffenen helfen, sich im Alltag zurecht zu finden.

Paul ist der Mann für alle Fälle, 24 Stunden im Einsatz und das ganz ohne Murren: Er ordert den Einkauf, er bestellt das Essen, er sorgt für Sicherheit in den eignen vier Wänden und er schafft – quasi auf Fingerdruck – Kontakt zu den Kindern, die 600 Kilometer entfernt in Süddeutschland leben. Senioren können Paul – der Name steht für „Persönlicher Assistent für unterstütztes Leben“– von sofort an zu einem ersten unverbindlichen Rendezvous in Greifswald treffen.

In der Hansestadt gibt es seit Dienstag eine kommunale Beratungsstelle für intelligente Alltagshilfen für Senioren. Sie ist eine von bundesweit 22 Beratungsstellen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Schlagwort „Besser Leben und Wohnen im Alter durch Technik“ gefördert wird. Hintergrund dieses Programms ist der demografische Wandel mit einem stetig steigenden Anteil von Älteren und Hochbetagten.

Der Landkreis Vorpommern-Greifswald ist der drittgrößte Flächenlandkreis in Deutschland, sagt André Huysmann, Leiter der Greifswalder Beratungsstelle. In den ländlichen Regionen des Kreises wird 2030 jeder zweite Einwohner älter als 65 Jahre sein. Viele Kinder der inzwischen altgewordenen Generation zog es nach der politischen Wende berufsbedingt in andere Bundesländer. Sie können ihren Eltern bei der Besorgung des Alltags nur bedingt Unterstützung geben.

Musterwohnung soll Möglichkeiten aufzeigen

Zentrum der Greifswalder Beratungsstelle bildet eine Musterwohnung mit rund 25 verschiedenen Produkten und Technologien, die ein besseres und sichereres Wohnen im Alter ermöglichen sollen: Vom Staubsaugerroboter, über Steuerungssysteme für Licht- und Bewegungssensoren, per App kontrollierbare Sturzmatten bis zu einfachen Tür- oder Flaschenöffner-Hilfen sowie der „Demenzrobbe“ Fine. Das elektronisch gesteuerte Kuscheltier soll als therapieunterstützendes System Betroffenen helfen, sich im Alltag zurecht zu finden.

Mit der Musterwohnung will die Beratungsstelle einen anbieterunabhängigen Überblick über das inzwischen breite Angebot an Hilfssystemen schaffen, sagt Huysmann. In den vergangenen fünf Jahren habe die Technik eine rasante Entwicklung genommen.

So könnten Angehörige oder Pflegedienste über Apps oder die Steuerungssysteme den Aktivitätszyklus des Betroffenen gemeldet bekommen und bei Auffälligkeiten sofort reagieren. Viele Gerätehersteller hätten sich mit großen Tastaturen, Schriftfeldern oder einfacher Bedienung auf die Bedürfnisse älterer Nutzer eingestellt.

Nachfrage ist groß, nur die Senioren zweifeln

„Die Technik ist kein Ersatz für soziale Kontakte“, macht Huysmann klar. Aber sie könne das Wohnumfeld sicherer machen und das Leben erleichtern. Die Beratungsstelle will die Vorbehalte von Senioren gegenüber der Technik abbauen. Die Rentner können alle Geräte auf Herz und Nieren testen. Wohnungsgesellschaften, Pflegedienste oder Angehörige können sich über die Vielfalt der Angebote informieren.

Die Nachfrage ist groß: Zum Eröffnungstag hatten sich in Greifswald rund 20 Pflegedienste angemeldet. Anfang Oktober stellt die Beratungsstelle die Hilfs- und Assistenzsystem in sechs Städten des Landes vor.

Besonders von Senioren gefragt seien die passiven Unterstützungssysteme wie Kontaktmatten mit Sturzsensoren, die nur im Ernstfall auslösen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Kinder aus Sorge um ihre Eltern die totale Überwachung wollen. Das möchten aber die Senioren nicht“, sagt Huysmann.

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