Gesundheitsserie:

Teil 11: Rückenschmerzen

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz. Das denken oder sagen viele, die sich mit Rückenschmerzen herumplagen müssen. Das klingt ein bisschen wie höhere Macht oder Schicksal. Dabei ist in den meisten Fällen die Lebensweise schuld.

Rückenschmerzen kennt fast jeder Erwachsene in Deutschland. Bei jedem Fünften sind sie sogar chronisch. Eine körperliche Ursache wie einen Bandscheibenvorfall oder Arthrose gibt es meist nicht.

„In rund 90 Prozent der Fälle sind Muskelverspannungen infolge von Fehlhaltungen, Bewegungsmangel oder körperlich schweren Arbeiten schuld“, sagt Dr. Gerd-Reiner Korsikowski, Leitender Oberarzt an der Asklepios Klinik Parchim. „Und immer häufiger spielen auch Stress und Depressionen eine Rolle.“ Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen kann man selbst etwas gegen die Rückenschmerzen tun oder ihnen vorbeugen.
 

Die Ursachen

Als Ursache für Rückenschmerzen kommen Bandscheibenvorfälle, Verschleiß, Osteoporose, Gicht oder Rheuma, Wirbelbrüche, Tumore und psychosomatische Erkrankungen in Frage. Auch mögliche innere Erkrankungen an Herz, Magen, Darm, Galle, Nieren, Gebärmutter oder Eierstöcken müssen in der Diagnostik berücksichtigt werden. Doch der Löwenanteil der Rückenschmerzen resultiert aus Muskelverspannungen. „Die Menschen bewegen sich immer weniger“, bringt Dr. Korsikowski die Hauptursache auf den Punkt. „Sie fahren mit dem Auto, benutzen Fahrstühle, sitzen den ganzen Tag am Computer.“
 Warum Bewegung so wichtig ist, erklärt er am Beispiel der Bandscheiben. „Bei Kindern werden sie noch über Blutgefäße mit den nötigen Nährstoffen versorgt. Doch diese verschließen sich später, sodass die Bandscheibe die Nährstoffe wie Zucker und Eiweiße aus dem benachbarten Wirbelkörper ziehen muss“, so der Chirurg. „Durch Be- und Entlastung entsteht ein Pumpeffekt, der das Eindringen der Nährstoffe und des Sauerstoffs unterstützt. Sitze ich, entfällt dieser Pumpeffekt.“ Deshalb sei die Bewegung sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung von Rückenschmerzen der entscheidende Faktor. Auch falsches Sitzen und Liegen provozierten Rückenprobleme, weil dadurch die Bandscheiben asymmetrisch belastet werden.

 

Die Behandlung

Der erste Weg sollte einen rückenschmerzgeplagten Patienten zum Hausarzt führen. Bei unspezifischen Beschwerden ohne organische Ursache müsse zunächst versucht werden, durch Medikamente und Einreibungen die Muskulatur wieder zu lockern, erklärt Dr. Korsikowski. Massage und Wärme können dabei helfen. „Wichtig ist, die Schmerzen zu lindern und den Patienten zur Bewegung zu motivieren, sei es durch Physiotherapie oder entsprechende Aufklärung“, so Korsikowski. Ruhigstellen sei falsch. Manuelle Therapie, autogenes Training, Akupunktur oder Rückenschule seien weitere Behandlungsansätze.

Halten die Beschwerden an, sollte spätestens nach sechs  Wochen eine genauere Diagnostik mit Hilfe von Röntgen, Computertomografie, Blutuntersuchung oder Magnetresonanztherapie erfolgen. Liegen nervale Ausfälle vor, sei das allerdings schon früher erforderlich.

Hat ein Patient sehr starke Beschwerden, die auf die ambulante Therapie nicht ansprechen, kann eine stationäre Behandlung veranlasst werden. „Im Krankenhaus ist eine kontinuierliche Schmerzbehandlung mit anderen Medikamenten und Dosierungen möglich, ergänzt durch die funktionelle Mobilisierung und Verhaltenstherapie“, erklärt der Leitende Oberarzt. „Bei besonders schweren Fällen mit einer spezifischen Erkrankung ist eine multimodale Schmerztherapie eine weitere Option. Sie ist eine Kombination aus Schmerzbehandlung, Physiotherapie und psychologischer Betreuung durch Schmerztherapeuten.“

Eine Operation ist nur der letzte Ausweg – aber nur, wenn es eine organische Ursache gibt und keine andere Therapie hilft. „Aber auch dann gelten strenge Kriterien“, so Korsikowski. „Die Einschätzung obliegt dem Neurochirurgen oder operativ tätigen Orthopäden. Er muss überzeugt sein, dass die Operation etwas bewirken und eine langfristige Besserung bringen wird.“ Eine Beschleunigung der Genesung und eine Reduzierung des physiotherapeutischen Aufwandes gegenüber der konservativen Behandlung seien weitere Entscheidungskriterien.Neurologische Ausfälle oder eine instabile Fraktur sind meist ein zwingender OP-Grund.
 

Vorbeugung

So weit muss es aber nicht kommen. „Rückenschmerzen sind in den meisten Fällen kein Schicksal, sondern verhaltensbedingt“, betont der Chirurg. Und so gibt es viele Möglichkeiten vorzubeugen.

Bewegung: Schon der normale Alltag lässt sich so gestalten, dass man sich deutlich mehr bewegt: Fahrrad statt Auto (wo es von der Entfernung her möglich ist), Treppe statt Fahrstuhl, möglichst viele Wege zu Fuß gehen. Darüber hinaus ist Sport wichtig. „Gut ist alles, was gleichmäßig belastet“, erklärt Oberarzt Dr. Dirk Knebler, „also etwa Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking oder auch Laufen, sofern man Schuhe hat, die dämpfen und ein gutes Abrollverhalten haben.“ Auch regelmäßige Spaziergänge bringen schon etwas. Bei Fußball oder Tennis dagegen werde durch das ständige Starten und Stoppen der Kapsel-Band-Apparat stark belastet. Gut ist auch Muskeltraining. „Die Rückenmuskeln stützen die Wirbelsäule. Sie werden mit zunehmendem Alter immer wichtiger“, so Knebler. Mit einer guten Rückenschule könne man da viel erreichen, weil dabei nicht nur wichtige Muskelgruppen gestärkt, sondern auch eine rückenfreundliche Körperhaltung gelehrt werde.

Haushalt: Schon bei der Einrichtung der Wohnung kann man Rückenschmerzen vorbeugen. So sollten die Arbeitsflächen in der Küche so hoch sein, dass man in aufrechter Haltung arbeiten kann. Ideal ist es, Geschirrspüler und Backofen nicht unten, sondern auf halber Höhe zu installieren.

Gewicht: Wer Übergewicht hat, sollte es reduzieren. Jedes Gramm zu viel belastet den Rücken und alle anderen Knochen und Gelenke. Außerdem fällt Bewegung dann leichter.

Heben: Um schwere Gegenstände zu heben, in die Hocke gehen, Rumpf- und Bauchmuskeln anspannen und den Gegenstand nah am Körper heben.

Arbeit: Viele Berufe sind mit Körperhaltungen verbunden, die dem Rücken schaden. So befinden sich unter den rückenschmerzgeplagten Patienten überdurchschnittlich häufig Sekretärinnen, Kraftfahrer und Handwerker. Nicht in jedem Fall kann man etwas dagegen tun – Büroarbeiter aber schon. Sie sollten stundenlanges und unbewegliches Sitzen am Computer vermeiden. Bewegliche Stühle sind eine Möglichkeit, zwischendurch mal aufzustehen und kleine Bewegungsübungen zu machen, im Stehen zu telefonieren und eine Nachricht mal persönlich statt per Telefon zu überbringen andere.

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