Gesundheitsserie:

Teil 2: Das Metabolische Syndrom

Für sich genommen sind Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und schlechte Blutfettwerte nicht lebensbedrohlich. Kommen aber mehrere dieser Krankheitsbilder zusammen – Mediziner sprechen dann vom metabolischen Syndrom – bildet sie ein möglicherweise tödliches Quartett. Geschätzt könnte jeder Vierte in Deutschland im Laufe seines Lebens davon betroffen sein. Karin Koslik hat Fakten zum Metabolischen Syndrom, das unter anderem als Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall gilt, zusammengetragen.

Das metabolische Syndrom

Übergewicht  begünstigt Bluthochdruck, Diabetes und  schlechte  Blutfettwerte. Wie häufig ist es?
„Eine Analyse in Hausarztpraxen in der Bundesrepublik hat im Ländervergleich ergeben, dass in Mecklenburg-Vorpommern jeder  vierte Patient im Alter  zwischen  18 und  80 Jahren  Adipositas der Stufe  I, also einen  Bodymaßindex über  30  hat“, so Privatdozent Dr. Stefan Zimny, Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie und Rheumatologie an den Helios Kliniken Schwerin. „Jeder Dritte hatte Übergewicht, also einen BMI zwischen  25 und  29.“  Eine Mehrzahl der  Übergewichtigen  und Adipösen hätten zugleich Bluthochdruck und ein hohes Risiko für Diabetes mellitus. Mehr als  zwei Drittel der Patienten mit einem metabolischen Syndrom leiden bereits unter einem Diabetes. Auch der Anteil der Übergewichtigen mit Fettstoffwechselstörungen sei  sehr  hoch, so der Schweriner Mediziner.  Allerdings seien Übergewicht  und die  damit zusammenhängenden Erkrankungen  nicht allein  ein Problem der Mecklenburger und Vorpommern:  „In Brandenburg und Niedersachsen ist  die Situation ebenso dramatisch, in  Sachsen-Anhalt sogar noch  schlimmer“, weiß Dr. Zimny. 

Gibt es darüber hinaus Werte,  die für Patienten ein Achtungszeichen sein sollten?
Den Blutdruck  messen  mittlerweile  viele Patienten zu Hause – hier  sind  Werte  ab 140/90 mmHg nicht mehr in Ordnung. Bei der Bewertung des  Körpergewichts   wird  vielfach auf den Bodymaßindex (Gewicht geteilt durch die Größe im Quadrat) verwiesen. Aus  medizinischer Sicht   ist der Taillenumfang viel aussagekräftiger, betont der Experte, denn gefährlich ist das Bauchfett. Kritisch wird  es für Frauen mit einem Taillenumfang   über  80 Zentimeter,  richtig  gefährlich bei mehr als  88   Zentimetern. Bei Männern beginnt der kritische Bereich bei 94 Zentimetern,  gefährlich wird es   bei mehr als   102  Zentimetern.

Die  Fettstoffwechsel-Werte muss der  Arzt bestimmen. Sie werden, wenn   Übergewicht  oder Bluthochdruck  vorliegen, fast  immer gestört sein, so  Dr. Zimny. Das heißt, die  Triglyceride sind erhöht, das HDL-Cholesterin ist vermindert.
Bewegen sich alle oder auch nur zwei der   genannten Werte im kritischen Bereich, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene  auch einen Diabetes bekommen, deutlich erhöht.

Wie häufig ist Diabetes?
Es gibt in Deutschland gegenwärtig etwa acht Millionen Diabetiker, jeder Zehnte ist also  bereits  erkrankt. Der Körper der Betroffenen kann Kohlenhydrate wie Zucker nur ungenügend verwerten – die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Mehr als  90  Prozent der Erkrankten sind  Diabetiker vom Typ 2. Die Veranlagung, an diesem Diabetes-Typ  zu erkranken, ist erblich. Wenn nahe Verwandte Typ-2-Diabetes haben, nimmt  die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens ebenfalls zu erkranken, deutlich zu. Gefördert wird das Entstehen eines Typ-2-Diabetes durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Beides leistet einer Insulinresistenz Vorschub, die eine der wichtigsten Ursachen dieses Diabetes-Typs ist.

Besorgniserregend aus  medizinischer Sicht ist, dass  die  Typ-2-Diabetiker  immer  jünger werden. Es gibt sogar schon Kinder, die an dieser Form des Diabetes leiden. Und auch ihre Zahl nimmt permanent zu. Eine US-amerikanische Studie ergab, dass schon zwei Stunden Fernsehkonsum pro Tag das Risiko Jugendlicher, an Diabetes zu erkranken, vervierfachen.

Was kann der Einzelne tun, um sich zu schützen?
„Die Ernährung  ändern,  sich mehr bewegen und dadurch Übergewicht abbauen“,  zählt Dr. Zimny auf. „Denn wenn das Gewicht sinkt, sinkt auch der Bluthochdruck, der Blutzuckerspiegel  und  die Blutfettwerte normalisieren sich.“ Zehn Kilogramm weniger Gewicht  seien  gleichbedeutend mit einem um  zehn Messpunkte niedrigerem Blutdruck –  aus  150/100 würden also 140/90.  Doch diese  zehn Kilogramm sollte man nicht zu schnell  verlieren – Crash-Diäten  führen zu  keinem  dauerhaften  Gewichtsverlust, warnt  der Arzt.   „Wenn monatlich 0,5  bis  ein Kilogramm abgebaut werden, ist das optimal.“   Sein Tipp: Statt  mit  der Waage  kann man den Gewichtsverlust auch am Gürtel  messen.  „Kann man den Gürtel um ein Loch enger schnallen,  wiegt man etwa 2,5 kg weniger. Denn der Abstand der Löcher im Gürtel beträgt  genormt ein Inch.“ Auf das  hier gebräuchliche Maßsystem  übertragen heißt das: Ein  um zwei  Zentimeter verringerter  Taillenumfang  ist gleichbedeutend  mit einem Gewichtsverlust von zwei Kilogramm.

Aber wie nimmt man kontinuierlich und dauerhaft ab?
„Am Anfang sollte ein Tagebuch stehen, im dem man  sowohl an einem  normalen Arbeitstag als auch an einem  klassischen Wochenende  alles auflistet, was man  isst und trinkt“, so Dr. Zimny. Werden diese Aufzeichnungen ausgewertet,  könnte sich  z. B. schnell herausstellen, dass es  gar nicht die Schokolade, sondern vielmehr die Limonade  oder Cola ist, die sich auf der Taille niederschlägt. Fallstricke in der Ernährung seien auch Fertig- und angeblich  fettarme Produkte, die sehr  viel  Zucker enthalten, sowie Alkohol mit seinem  hohen  Kaloriengehalt.

Ziel der Ernährungsumstellung muss sein,  täglich 600 kcal  vom bisherigen Energiegehalt einzusparen. Am  effektivsten ist  das mit   gesunder Mittelmeerkost möglich – sie beinhaltet  überwiegend  pflanzliche Nahrungsmittel  wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Salat; Olivenöl statt Butter, Sahne und anderen tierischen Fetten; eher Fisch als Fleisch. „Ohne gleichzeitig körperlich aktiv zu werden, wird  man aber  kaum Gewicht  verlieren“ , warnt Dr. Zimny.  Dabei  ginge es, zumal  bei   starkem Übergewicht,  gar nicht darum, Sport zu treiben. Jede Form der Bewegung, auch Gartenarbeit, wandern  oder Holz  hacken,  hilft. Allerdings  braucht man einen langen Atem: 7000 kcal  müssen verbrannt werden, um ein Kilogramm abzunehmen. 

 

 

 

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