Gesundheitsserie:

Teil 4: Der Schlaganfall

Schlaganfälle müssen binnen weniger Stunden behandelt werden, sonst können schwere Schädigungen zurückbleiben. Stroke units genannte Spezialstationen bieten das beste Behandlungskonzept.

Schlaganfall

Wie ein Blitz aus  heiterem Himmel habe jemanden „der Schlag“ getroffen, wird oft behauptet – tatsächlich aber  kündigt sich ein Schlaganfall  oft schon Wochen  oder Monate zuvor an, weiß  Sabine Fuhrmann, Neurochirurgin am MediClin Krankenhaus Plau am See. Doch Schwindel,  Taubheitsgefühl, Gesichtsfeldeinschränkungen oder auch Missempfindungen  werden, wenn sie nach kurzer Zeit  wieder verschwinden,  von den  meisten Menschen ignoriert.

Tatsächlich aber  können sich  dahinter die ersten Anzeichen  eines Schlaganfalls oder  einer  Transitorisch Ischämische Attacke (TIA) verbergen.  Beide  sind  durch  dieselben Symptome gekennzeichnet und  könnten  von Laien  daher nicht unterschieden werden, erklärt die  Plauer Neurochirurgin.
 

Häufigkeit

Knapp 270 000 Schlaganfälle ereignen sich nach Angaben der  Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe jährlich in Deutschland, etwa  70 000 davon sind Wiederholungs-Schlaganfälle. Jeder fünfte Schlaganfall-Patient stirbt innerhalb von vier Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres.  Nach Krebs- und Herzerkrankungen  sind  Schlaganfälle damit hierzulande die  dritthäufigste Todesursache.  Weltweit sind sie  sogar die  zweithäufigste Todesursache.

Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten behält dauerhafte Behinderungen  zurück.  Das Durchschnittsalter bei Männern liegt bei 70 Jahren, bei Frauen sind es 75 Jahre.

Doch auch Jüngere kann es treffen: Etwa zehn Prozent der Schlaganfälle treten bei unter 40-Jährigen auf. Selbst Neugeborene und Kinder erkranken – etwa 300 im Jahr, so schätzt die  Stiftung.  Im Extremfall erleiden Kinder   bereits im Mutterleib einen  Schlaganfall.

Symptome
Bei den  folgenden Symptomen  sollten  Sie nicht zögern,  schnellstmöglich über die  Notrufnummer  112 den Rettungsdienst  zu alarmieren:

Sehstörungen, insbesondere Einschränkungen des Gesichtsfeldes,   Probleme mit dem  räumlichen Sehen so wie das Auftreten von Doppelbildern
Sprach-  oder Sprachver-ständnisstörungen,  also beispielsweise stockendes, abgehacktes Sprechen, aber auch das Verdrehen   von Buchstaben  oder Silben;  die Beeinträchtigungen können so weit gehen, dass Betroffene gar nicht mehr sprechen können; treten Sprachverständnisstörungen auf, begreift der Betroffene nicht mehr, was gesagt wird.
plötzlich eintretende Lähmungserscheinungen auf einer Körperseite mit dem  typischen Merkmal eines herunterhängenden Mundwinkels, auch  Taubheitsgefühl oder ein gestörtes Berührungsempfinden, Schwindel mit Gangunsicherheit, starker Kopfschmerz, mitunter einhergehend mit Übelkeit und Erbrechen.
Medizinerin  Sabine Fuhrmann betont: „Lieber einmal zuviel den  Arzt  alarmieren als  einmal zu wenig!“

Ursachen
Ursache eines Schlaganfalls sind in den meisten Fällen durch Blutgerinnsel  oder Plaques verstopfte   Blutgefäße im Gehirn – Mediziner  sprechen dann  von  unblutigen Schlaganfällen.   Etwa  jeder fünfte Schlaganfall ist ein  blutiger, das  heißt, ein Gefäß im Kopf platzt   oder reißt, so dass Blut in die Schädelhöhle austritt.
Der Effekt ist  in beiden Fällen der gleiche: Es kommt zu einer Minderversorgung der Gehirnzellen mit Blut  oder Sauerstoff – und dadurch zu den  oben  beschriebenen Symptomen. Bei einer  TIA bilden sie sich bereits nach  kurzer Zeit, spätestens  jedoch nach  24 Stunden, zurück, so Sabine Fuhrmann.
So lange sollte  aber niemand warten! Denn: „Je länger Hirnareale nicht  oder nicht ausreichend  durchblutet  werden, desto  mehr Hirnzellen sterben unwiederbringlich ab“, warnt die  Medizinerin. Und: „Je länger man wartet, desto mehr wird auch das  umgebende Gewebe  geschädigt.“
Zwar  könnten andere  Hirnareale zumindest  teilweise die Funktion der  geschädigten mit  übernehmen – darauf verlassen sollte sich aber  niemand.

Diagnostik
Zwei bis  drei, spätestens aber sechs Stunden  nach Auftreten der ersten Symptome  muss mit der Behandlung begonnen werden, betont Sabine Fuhrmann.  In Plau am See, der  Klinik in Mecklenburg-Vorpommern  mit der  ältesten zertifizierten Schlaganfall-Spezialstation (Stroke unit), legt  man deshalb  Weg auf kurze Wege. Computertomografie (CT), Kernspintomografie und direkte Gefäßdarstellungen durch Angiographie sind in nebeneinanderliegenden Untersuchungsräumen möglich. „Findet man dabei etwas, das die Gefäßblockade ausgelöst hat, kann versucht werden dieses Hindernis zu beseitigen – entweder medikamentös durch systemische Lyse-Therapie oder interventionell über einen arteriellen Katheter – die lokale medikamentöse Lyse oder mechanische Rekanalisation“, erläutert die Medizinerin.
Neurochirurgische Fachkenntnis ist besonders bei „blutigen Schlaganfällen“ gefragt, dann muss eventuell der Schädel geöffnet werden, um die Blutung stoppen und ausgetretenes Blut entfernen zu können.
Im intensivmedizinischen Spezialbereich der Plauer Stroke Unit werden die Patienten anschließend einige Tage rund um die Uhr überwacht und weiter betreut, bevor sie dann in die ebenfalls im Haus befindliche Frührehabilitationsabteilung verlegt werden können.
Hier geht es darum, die Patienten wieder zu einem selbstständigen Leben zu befähigen – die Einen müssen wieder lernen zu gehen, andere bekommen Sprechtraining oder Unterstützung bei anderen alltäglichen Verrichtungen wie der Körperpflege oder der Nahrungsaufnahme.

Risikofaktoren
Übergewichtige, Raucher, Menschen  mit  Bluthochdruck, Vorhofflimmern (einer speziellen Form der Herzrhythmusstörung), Arteriosklerose, hohem LDL-Cholesterinspiegel und/oder Diabetes  sind besonders  gefährdet, einen Schlaganfall zu bekommen.  Auch Stress und  Alkoholmissbrauch (und die   damit einhergehende Leberschädigung, die die  Blutgerinnung  verändert) gelten  als  nicht  zu unterschätzende  Risikofaktoren. Durch die – gegebenenfalls auch medikamentöse – Behandlung dieser Grunderkrankungen, vor allem  aber durch  eine  gesunde Lebensweise lassen sich  viele Schlaganfälle verhindern.
Ist in der Familie bereits ein Schlaganfall aufgetreten, sollten Familienmitglieder unbedingt eine durchgehende Vorbeugung betreiben. Dies gilt vor allem dann, wenn sie   bereits unter Bluthochdruck, Störungen der Blutgerinnung, einem Herzfehler, Diabetes  und/oder Fettstoffwechselstörungen leiden.

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