Gesundheitsserie:

Teil 6: Die Lungenkrankheit COPD

Atemnot und chronischer Husten sind häufig Symptome für COPD, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Sie trifft vor allem Raucher und steht bei den Todesursachen ganz weit vorn.

Der Begriff klingt harmlos, aber er ist es nicht: Raucherhusten. Er ist vielmehr einer der Hauptsymptome für die COPD, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, die als Sammelbegriff für die chronisch obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem verwendet wird. Sie steht weltweit auf Platz vier der häufigsten Todesursachen. Auch die Lungenklinik Amsee in Waren hat täglich mit dieser Erkrankung zu tun. Die meisten Betroffenen – rund 85 Prozent – sind Raucher. „Viele Raucher bekommen irgendwann eine chronische Bronchitis, die sich mit der Zeit zu einer chronisch-obstruktiven Bronchitis oder einem Lungenemphysem ausweiten kann – oft auch zu beidem“, sagt Internistin Gesine Drewniok.

Je mehr Zigaretten geraucht werden, desto schneller verläuft der Prozess. „Raucht eine Person über ein Jahr eine Schachtel pro Tag, spricht man von einem Packungsjahr. Ab etwa 20 Packungsjahren treten erste Beschwerden auf“, erklärt Drewniok. Noch sind zwar mehr Männer von COPD betroffen, aber während bei ihnen die Zahlen gleichbleibend sind, haben die Frauen in den vergangenen Jahren stetig aufgeholt.
Neben einem chronischen Husten, vor allem morgens nach dem Aufwachen, und vermehrtem Schleimauswurf gehört auch Atemnot zu den typischen Symptomen.

Gerade die Atemnot werde häufig auf das Alter geschoben, sagt Gesine Drewniok. Ein fataler Irrtum. Das Tückische an der Krankheit ist, dass man sie lange nicht als solche wahrnimmt. „Die Lunge selbst kennt keine Schmerzen und kann sich nur über wenige Symptome wie beispielsweise den Husten zur Wehr setzen“, weiß die Expertin. Umso wichtiger sei ein frühzeitiger Gang zum Hausarzt, um die Ursachen zu klären.

Auch Bauarbeiter und Landwirte sind oft betroffen

Durch die Obstruktion, einer Verengung der Bronchien, wird das Atmen wie durch einen Strohhalm empfunden, erklärt Drewniok. Bei einem Lungenemphysem kommt es zu einer Zerstörung der Lungenbläschen. Das führt zu einem verminderten Sauerstoffgehalt im Blut, was beispielsweise bläulich-rote Verfärbungen der Lippen oder Fingerspitzen signalisieren. Dies wiederum resultiert in chronischer Atemnot, anfangs nur bei Belastung, im späteren Verlauf auch in Ruhephasen. COPD belastet den gesamten Körper. So kann es auch zu Lungenhochdruck oder einer Schwächung der rechten Herzhälfte kommen.

Neben den Rauchern sind besonders Menschen mit häufigen Infektionen betroffen, sowie Leute, die im Alltag einer starken Staubbelastung ausgesetzt sind, zum Beispiel Bauarbeiter oder Landwirte. Auch Passivrauchen kann eine Rolle spielen, doch die Zusammenhänge sind laut Drewniok noch nicht endgültig nachgewiesen.

Eigentlich ist die Lunge gegen Alltagsbelastungen gut gewappnet. Der Mensch atmet täglich Staubpartikel oder Pollen ein und die kann eine gesunde Lunge wieder problemlos loswerden. Doch bei einer vermehrten Belastung, zum Beispiel durch inhalierten Zigarettenrauch, kann es zu einer chronischen Entzündung der Bronchialschleimhaut kommen, was wiederum zu einer vermehrten Schleimproduktion führt und die Bronchien verengt. Die Luft kann somit die Lunge nur noch eingeschränkt durchströmen und es kommt zum Raucherhusten.

Sauerstofftherapie über eine Nasensonde

Eine Behandlung von COPD ist schwierig, da zerstörtes Gewebe nicht mehr repariert werden kann. „Wir können nur noch die Symptome lindern und versuchen, Infekte zu verhindern“, so Drewniok. „Das einzige, was ein Fortschreiten der Krankheit wirklich aufhalten kann, ist, mit dem Rauchen aufzuhören.“ Die Ärztin weiß, dass diese Sucht nur schwer aufzugeben ist, trotz des schlechten gesundheitlichen Zustandes. „Es ist eine körperliche Abhängigkeit und aufgrund der Entzugserscheinungen fühlt man sich auch anfangs noch schlechter.“ Doch der Weg ist für den Erkrankten alternativlos.

Um dem Patienten das Atmen zu erleichtert, bekommt dieser ein Inhalationsspay, ähnlich wie beim Asthma, oder er wird an ein Inhalationsgerät angeschlossen. Dadurch sollen die Bronchien gereinigt und erweitert werden. Bei Infekten kann eine Schleimhautschwellung auch mittels Kortison behandelt werden. Zudem kann regelmäßige Atemphysiotherapie das Abhusten des festsitzenden Schleims erleichtern.

Eine weitere Möglichkeit ist die Sauerstofflangzeittherapie: Über eine Nasensonde inhaliert der Patient 16 bis 18 Stunden pro Tag Sauerstoff. Auf diese Weise stabilisiert sich die Sauerstoffkonzentration im Blut und die Atemnot wird verringert. Über Nacht wird einigen Erkrankten auch eine Beatmung mittels Maske verabreicht, damit sich der Körper erholen kann. Denn das Gerät übernimmt die Atemarbeit. Eines ist in allen Fällen wichtig: Die Patienten müssen im Umgang mit den Geräten richtig geschult sein, um sie effektiv nutzen zu können.

Nur in seltenen Fällen auch operative Eingriffe

Im seltenen Fällen ist auch ein operativer Eingriff denkbar, bei dem zum Beispiel die ballonartig erweiterten zerstörten Lungenbläschen entfernt werden, so dass sich die dadurch komprimierte Lunge wieder etwas ausdehnen kann. Eine letzte Möglichkeit der Therapie ist die Lungentransplantation. Das Problem seien jedoch die Abstoßungsreaktionen, die laut Drewniok bei der Lunge wesentlich höher sind als bei Herz oder Niere. Eine Transplantation kommt aber lediglich bis zu einem Alter von 60 Jahren in Frage.

Beim Blick in ein Patientenzimmer wird deutlich, wie sehr die Krankheit die Menschen zeichnet. Eine 68-jährige erzählt keuchend, dass sie über 50 Jahre geraucht hat. „Irgendwann habe ich einfach keine Luft mehr bekommen. Auch über das Husten habe ich mir lange keine Gedanken gemacht – es tat ja nichts weh“, erzählt sie. Mittlerweile kommt sie keine Treppe ohne Pause hoch und ihr Körper benötigt eine dauerhafte Sauerstoffzufuhr über einen Schlauch direkt in die Nase. Um ihre Belastbarkeit zu verbessern, schläft sie zudem mit einem Beatmungsgerät.

In der Klinik soll sie sich an den Umgang mit den Geräten gewöhnen, damit sie auch zu Hause damit zurechtkommt. „Hätte ich gewusst, wie das alles mal endet, hätte ich nie mit dem Rauchen angefangen“, gibt sie zu. Den schwersten Schritt hat sie bereits hinter sich: Sie hat mit dem Rauchen aufgehört. „Das ging Knall auf Fall. Es hat mir plötzlich nicht mehr geschmeckt. Mittlerweile kann ich auch den Qualm anderer Raucher nicht mehr ertragen.“
 

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung