Pubertät macht vergesslich:

Warum es für Teenager Wichtigeres als den Zahnarzttermin gibt

Teenager sind ständig schusselig. Hausaufgaben? Ups, vergessen. Den Sportbeutel? Oh, in der Schule liegen gelassen. Darum müssen vor allem Eltern die Nerven bewahren.

Termin? Was für ein Termin? Jugendliche vergessen gerne mal was. Eltern sollten gelassen bleiben.
Silvia Marks Termin? Was für ein Termin? Jugendliche vergessen gerne mal was. Eltern sollten gelassen bleiben.

Fast zwei Wochen stand sein Fahrrad am Supermarkt. Mattes (13) hatte es dort beim Einkaufen abgestellt – und vergessen. „Ich bin danach zu Fuß nach Hause gegangen. Hab‘ gar nicht mehr daran gedacht, dass ich mit dem Rad da war.“ Ständig passieren dem Jungen aus Bremen solche Dinge.

„Das ist ganz normal für dieses Alter“, sagt Professor Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinderpsychiatrie und -psychosomatik im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In der Pubertät fänden große Umbauprozesse im Gehirn statt. „Die Verbindungen zwischen dem kontrollierenden und dem emotionalen System im Gehirn sind in der Pubertät noch sehr dünn und entwickeln sich erst bis zum 25. Lebensjahr vollständig.“

Auch die Zeit spielt im Teenie-Gehirn verrückt

Hinzu komme ein verändertes Zeitgefühl, sagt Schulte-Markwort. Das Wörtchen „gleich“, das Jugendliche auf die Bitte um Erledigungen benutzen, sei zeitlich dehnbar: „Die meinen wirklich gleich. Auch wenn es in drei Stunden ist.“ Schulte-Markwort rät Eltern, sich nicht aufzuregen, auch wenn es anstrengend ist.

Doch wie geht man mit der Vergesslichkeit um? Müssen Eltern zum Erinnerungs-Boten werden? „Warum nicht?“, fragt Scholz. „Wenn es den Eltern wichtig ist, können sie kurz etwas sagen, anrufen oder eine SMS schreiben.“ Entscheidend ist eine Balance zwischen Unterstützung und Freiheit. Um ständigen Stress in der Familie zu vermeiden, sei ein grundsätzliches Gespräch geeignet. In ihm wird geklärt, wie man zukünftig mit Vergesslichkeiten umgeht und diesen vorbeugt.

Manchmal ist der Stress für die Teenager zu groß

Da Vergesslichkeit auch ein Zeichen von Überlastung sein kann, sei es zudem sinnvoll, den Terminkalender zu betrachten: „Allein die Ansprüche aus der Schule sind heute für viele Kinder eine enorme Belastung. Wenn dann noch viele Freizeitaktivitäten dazu kommen, läuft das Fass irgendwann über.“ Mehr Pausen, mehr Zeit für Müßiggang und Entspannung können den Teenagerkopf entwirren.

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