Dubiose Angebote:

Wenn der Kinderwunsch plötzlich illegal ist

Viele Paare sind deutlich über 30, wenn sie Nachwuchs planen. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist die Verzweiflung groß. Eine Messe in Berlin soll helfen – mit Angeboten, die in Deutschland illegal sind.

Paaren mit unerfülltem Kinderwunschzentrum kann beispielsweise durch eine Mikroinjektion von Spermien in eine Eizelle geholfen werden.
Waltraud Grubitzsch Paaren mit unerfülltem Kinderwunschzentrum kann beispielsweise durch eine Mikroinjektion von Spermien in eine Eizelle geholfen werden.

Wohlgenährte rosa Wonneproppen zieren Webseite und Plakate der Messe. Ein Baby! Das ist der Herzenswunsch vieler Paare, bei denen es auf natürlichem Wege mit dem Nachwuchs nicht klappen will. Betroffene sollen sich an einem Wochenende schlau machen können über die Möglichkeiten der Medizin und dann alles richtig machen auf dem Weg zum eigenen Nachwuchs – das versprechen die ersten Kinderwunschtage in Berlin. Es ist nach Veranstalter-Angaben die erste Publikumsmesse zu dem Thema. Doch schon im Vorfeld gibt es Kritik daran.

Denn auf der Messe am 18. und 19. Februar präsentieren sich zahlreiche ausländische Kliniken, die auch hierzulande illegale Verfahren im Portfolio haben. Eizellenspenden und Leihmutterschaft etwa. „Das ist eine Werbeveranstaltung, von der gerade für Patienten keine sachlichen Informationen zu erwarten sind“, sagt der Berliner Landesvorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte, Matthias Bloechle. Die Messe sei unnötig.

Kinderwunsch ist größer als Abschreckung

Dabei gibt es schon länger Anzeichen, dass sich Paare von Verboten kaum abhalten lassen, wenn sie unbedingt ein Kind wollen. Viel diskutiert wurde vor zwei Jahren etwa der Fall einer 65-jährigen Berlinerin, die dank Samen- und Eizellenspenden in der Ukraine Vierlinge zur Welt brachte und sich von Fernsehkameras begleiten ließ. Auch der Deutsche Ethikrat will sich im März bei einer Veranstaltung mit dem „reproduktiven Reisen“ und Konsequenzen in Deutschland beschäftigen.

„Wir haben viele Leute aus dem Ausland, auch aus Deutschland“, sagt Craig Reisser von den US-Fruchtbarkeitszentren Oregon Reproductive Medicine aus Portland, die sich in Berlin präsentieren wollen. Wie viele Deutsche direkt oder vermittelt von einer deutschen Klinik zu Kinderwunschbehandlungen verreisen, wird aber nirgends erfasst. 1000 bis 3000 Paare seien es wohl, schätzt Ulrich Hilland, Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ).

Ärzte können wegen Beihilfe belangt werden

In Deutschland stoßen die Kinderwunschtage in eine Lücke: die zwischen medizinischen Möglichkeiten und Gesetzgebung. Dorthin aber bauen die Kinderwunschtage Paaren nun die Brücke, ausdrücklich auch Homosexuellen.

Nur liquide müssen sie sein. Eine Eizellenspende im mittleren Preissegment etwa koste in den USA zwischen 40.000 und 45.000 Dollar (37.000 und 42.000 Euro), inklusive Behandlung sowie Vergütung für die Spenderin, rechnet Reisser vor. Die Veranstalter wissen um die rechtliche Problematik. Wie deren Berater, Rechtsanwalt Holger Eberlein, sagte, könnten Ärzte wegen Beihilfe belangt werden, wenn sie über verbotene Verfahren mehr als nur informieren würden. Die Messe bemüht sich daher um einen wissenschaftlichen Charakter und hat einen umfassenden Seminarplan.

„Ich sehe das mit gemischten Gefühlen“, sagte Reproduktionsmediziner Hilland. „Infos sollte man weitergeben dürfen“ – aber er sieht einen hohen Grad an Kommerzialisierung, besonders bei den US-Einrichtungen. „Da ist die Frage, wie weit will man es mit den Hoffnungen von Paaren treiben?“ Der BRZ habe sich angesichts dessen gegen einen Stand bei den Kinderwunschtagen entschieden.

Markt hat in Deutschland Wachstumspotenzial

Veranstalter ist ein Unternehmen aus Großbritannien, das dort seit einigen Jahren mit „Shows“ am Markt ist – Gesundheitsmessen für Produkte und Leistungen zu Themen wie Allergien oder eben Fruchtbarkeit.

Der Markt hierzulande hat jedenfalls Wachstumspotenzial: Bislang nutzen die meisten Kinderlosen gar nicht erst Kinderwunschbehandlungen – und wenn doch, dann spät als Ultima Ratio, wie es in einer Studie des Bundesfamilienministeriums heißt.

Daten aus dem sogenannten IVF-Register zeigen: Wenn Patientinnen eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen, sind sie inzwischen im Schnitt 35,2 Jahre alt – etwa 2,5 Jahre älter als Patientinnen 1997. Die besonders fruchtbare Zeit ist bei Frauen mit Mitte 30 allerdings schon um Jahre überschritten.