Experten-Interview:

Wenn Herzen aus dem Takt geraten

Harmloser Herzstolperer oder lebensgefährlicher Aussetzer? Kardiologe Dr. Volker Bohlscheid, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Neubrandenburger Klinikum, beantwortet un zum Thema Herz-Probleme die wichtigsten Fragen.

Herz-Stolperer oder -Aussetzer hat jeder Mensch mal.
Herz-Stolperer oder -Aussetzer hat jeder Mensch mal.

Sind Rhythmusstörungen des Herzens angeborene Krankheiten oder entwickeln sie sich irgendwann?

Es gibt nur wenige angeborene Rhythmusstörungen. Die meisten sind Zeichen einer Herzerkrankung. Stolperer oder Aussetzer hat jeder Mensch mal, für Herzgesunde ist das unbedenklich, Betroffene merken das manchmal gar nicht.

Wenn es ein Mensch aber dennoch deutlich spürt und es mit der Angst zu tun kriegt, was soll er machen?

Zu seinem Hausarzt gehen. Der wird ihn untersuchen, das Herz abhorchen und ein EKG schreiben. Für den Arzt steht dann die Frage: Ist die Störung harmlos oder muss sie behandelt werden? Im zweiten Fall schickt er den Patienten zu einem Herzspezialisten (Kardiologen). Dann geht es darum, ob diese Störungen so bedenklich sind, dass sie lebensgefährlich werden können. Zum Beispiel: Kammerflimmern führt in der Regel zum Tod, wenn es nicht unverzüglich durch Elektroschock behandelt wird.

Gibt es auch Herzrhythmusstörungen, die sozusagen dazwischen liegen, weder harmlose Stolperer sind noch solche, die gleich lebensgefährlich werden können?

Ja, wesentlich häufiger sind Störungen, die sehr lästig sind, die oft die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Sie können sich durch starke Symptome wie Luftnot, Druck in der Brust, Schwindel bis hin zur Bewusstlosigkeit und Leistungsschwäche bemerkbar machen.

Gehört dazu das Vorhofflimmern?

Das ist richtig, dann steht der Herzvorhof still. Das ist nicht direkt lebensbedrohlich. Aber das Herz schlägt dadurch zu schnell oder zu langsam, dazu unregelmäßig.  Darum muss das Vorhofflimmern entweder behoben werden, oder man stellt das Herz medikamentös oder/und mit einem Herzschrittmacher auf normale Frequenzen ein. Sehr bedenklich aber ist das mit dem Vorhofflimmern verbundene Schlaganfall-Risiko.

Warum?

Wenn der Vorhof still steht, steht auch das Blut still, es können sich Gerinnsel bilden. Diese können dann als Embolien weg geschwemmt werden, ein Blutgefäß im Gehirn verstopfen und so einen Schlaganfall verursachen. Je nach Risiko können bis über 20 Prozent der Vorhofflimmer-Patienten pro Jahr einen Schlaganfall erleiden.

Auf welche Weise kann der Arzt dieser Gefahr begegnen?

Das Blut muss verdünnt werden, damit es nicht im Herzvorhof gerinnt. Dazu wird meist das Medikament Phenprocoumon, zum Beispiel Falithrom, verordnet. Das wirkt übrigens auf die gleiche Weise wie Rattengift – wenngleich natürlich viel abgeschwächter und genau berechnet dosiert. Seit einigen Jahren werden zunehmend neue Medikamente eingesetzt, die einige Vorteile bieten, aber auch teurer sind.

Dünneres Blut hat sicher auch negative Nebenwirkungen?

Blutungen, wenn man sich beispielsweise in den Finger schneidet, sind heftiger als bei nicht verdünntem Blut. Viel problematischer aber ist: Wenn zum Beispiel ein Blutgefäß im Gehirn platzt, kommt es zu einer erheblich schlimmeren Hirnblutung.

Viele Krankheiten kann der Mensch durch ungesunde Lebensweise verstärken oder hervorrufen, ist das bei Herzrhythmusstörungen auch so?

Herzkrankheiten, die zu solchen Störungen führen können, können durch Bewegungsmangel, Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bluthochdruck durchaus verstärkt oder gar verursacht werden. Ungesunde Lebensweise kann seltener auch direkt zu Herzrhythmusstörungen führen – zum Beispiel übermäßiger Alkohol-, Nikotin- oder Drogengenuss und Schlafmangel.

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