Warten auf die Polizei:

Besetztes Haus steht vor Räumung

Seit vier Uhr in der Frühe versammelten sich am Dienstag Greifswalder, um erneut gegen den Abriss und die angekündigte Räumung der Hausbesetzung in der Brinkstraße 16-17 zu protestieren.

Etwa 90 Greifswalder protestierten gestern in den frühen Morgenstunden gegen die angekündigte Räumung der Hausbesetzung in der Brinkstraße 16/17. Seit Monaten kämpfen Initiativen gegen den Abriss dieses Hauses.
Ulrike Rosenstädt Etwa 90 Greifswalder protestierten gestern in den frühen Morgenstunden gegen die angekündigte Räumung der Hausbesetzung in der Brinkstraße 16/17. Seit Monaten kämpfen Initiativen gegen den Abriss dieses Hauses.

Seit sechs Wochen ist das Haus in der Brinkstraße 16-17 besetzt. Eine Gruppe junger Leute hatte sich nach einer friedlichen Demonstration durch die Greifswalder Innenstadt spontan in der oberen Etage des Anwesens verschanzt. Seitdem nennt sich die Gruppe Brinke-WG, die, gut und farbenfroh vermummt, der Öffentlichkeit immer mal wieder Rede und Antwort stand.

Nun meldete sie sich mit der Information zur Wort, dass das Haus am heutigen Dienstag in der Zeit zwischen vier und acht Uhr geräumt werden soll. Das ermutigte nicht allein die Initiative "Rettet die Brinke 16-17", die schon seit vielen Monaten für den Erhalt des Hauses kämpft, sich auf dem Gehweg zu versammeln. Bis 8 Uhr waren es über 90 Greifswalder, die der feuchten Kälte trotzten und gegen Abriss und Räumung protestierten. Allerdings war bis zu diesem Zeitpunkt weder von der Polizei noch dem Gerichtsvollzieher etwas zu sehen.

Räumungstermin noch ungewiß

Halt machten allerdings Autofahrer und Passanten, die mit Worten "haltet durch" oder "weiter so" die Protestler ermutigten. "Wir sind selber überrascht, dass so viele Leute gekommen sind. Schließlich ist es früh und mitten in der Woche, jeder hat etwas zu tun, muss Studium und Job nachgehen", sagte Heiko Pult, einer der BI-Sprecher. Die Initiative hatte zu einem Gehweg-Frühstück eingeladen, um die Eskalation des Streites abzuwenden. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei einer Räumung Personen in Gefahr geraten, das wollen wir mit dieser friedlichen Aktion verhindern", sagt Heiko Pult.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern hat er immer wieder das Gespräch mit dem Eigentümer des Hauses, einem Demminer Bauunternehmer, gesucht. Bisher ist es zu keinem Runden-Tisch-Gespräch gekommen, auch das Angebot eines Tauschgrundstücks lehnte der Unternehmer ab. Bisher ist unklar, wann die Räumung der oberen Etage des Hauses erfolgt. Im unteren Hausteil befindet sich derzeit noch der Bioladen "Sonnenmichel". "Auch dem Laden-Betreiber wird sicher recht bald ein Räumungstermin zugestellt", ist Heiko Pult fest überzeugt.