Möwen:

Majestäten oder doch Mülleimer mit Flügeln?

Früher die Sehnsuchtsvögel der Seefahrer, heute aber oftzu Unrecht in Verruf gekommen: Möwen. Viele Arten sind wahre Anpassungskünstler.

Lachmöwe mit Brötchen, Zinnowitzer Seebrücke
Norbert Warmbier Lachmöwe mit Brötchen, Zinnowitzer Seebrücke

Noch vor 150 Jahren waren die Möwen echte Meeresvögel und ließen sich im Binnenland so gut wie gar nicht blicken. Seefahrer liebten die Tiere, denn wenn sie nach langer Reise die ersten Möwen erblickten, dann wussten sie, dass die Küste nicht mehr fern ist.

In unserer Region leben immer noch sehr viele Möwen, oft findet man sie aber nicht mehr an der Küste, sondern weit im Hinterland. Zu Tausenden tummeln sie sich auf Müllkippen und Schlammabsatzbecken von Kläranlagen, und so haben die Sehnsuchts-Vögel längst ihr gutes Image verloren. Möwen leben heute oftmals drastisch ausgedrückt wie die Ratten und verschlingen alles nur irgendwie Fressbare. Erobert haben sie auch die Plattensiedlungen in Greifswald, Wolgast, Ueckermünde und Anklam.

Hässliche Rauferei bei Anklam

Möwen sind heute als gefiederte Müllschlucker in Ungnade gefallen, gerade erst sah man einen Trupp Silbermöwen bei einer hässlichen Rauferei östlich von Anklam. Die Tiere balgten sich um die besten Happen einer überfahrenen Katze.

Das schadet den Tieren nicht, wohl aber eine andere Fressgewohnheit. Im Magen eines Exemplares konnten Wissenschaftler neulich 20 Gramm Plastikabfälle entdecken. Und von 100 untersuchten Vögeln hatte tatsächlich jede einzelne Möwe Plaste im Magen. Dies allerdings sollte uns Menschen sehr bedenklich stimmen.

Sehen alle aus, als ob sie Emma hießen

Denn es ist doch ein Jammer, wenn diese majestätischen Flieger früher oder später als Plastebomber vom Himmel fallen. Durch ihre langen, spitzen Flügel können Möwen ausgezeichnet fliegen und segeln, selbst zu anderen Kontinenten. Ähnlich wie bei den Enten sind ihre Zehen mit Schwimmhäuten verbunden. Dadurch sind sie auch gute Schwimmer, können aber nicht tauchen.

Die Möwen, die nach Christian Morgenstern „alle aussehen, als ob sie Emma hießen“, konnten in der pommerschen Region durch Ornithologen in zwölf verschiedenen Arten nachgewiesen werden.

Einige davon sind echte Meeresvögel geblieben und so trifft man sie nur selten einmal in Vorpommern- Greifswald als Durchzügler und Irrgäste an. Auf der Insel Riems wurde sogar schon eine arktische Polarmöwe entdeckt. Die gänsegroße Eismöwe ist Europas stattlichste Art und wurde bei Wampen im Greifswalder Bodden beobachtet. Aus der Arktis verirrten sich auch Schwalbenmöwen nahe Greifswald.

Schwarzkopf- und Zwergmöwen dagegen zählen heute zu den heimischen Arten, wobei sie neuerdings auch als Brutvögel auftreten. Echte Stadtmöwen sind Silber-, Weißkopf-, Mantel-, Sturm- und Lachmöwen geworden. Einige davon bauen heute auf den Flachdächern ihre Bodennester, in denen sich in der Regel drei Eier befinden.

Zwergmöwe will auch Vorpommern erobern

Die nur drosselgroße Zwergmöwe ist die kleinste Möwe der Welt und versucht jetzt auch, sich in Vorpommern als Brutvogel anzusiedeln. In Deutschland war der Vogel mit dem flatterhaften Flug einst sehr selten, doch in den Renaturierungsflächen um Anklam bis hin zur Insel Usedom wurden an einem Tag auf dem Frühjahrszug über 2000 Exemplare gezählt. Auch kam es hier schon zu Brutversuchen.

Wer an einer geführten Wanderung auf Möwen, Hirsche, Adler und Biber teilnehmen möchte, der melde sich bitte unter Tel. 03971-833932 oder Mobil 0151-18993870.

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