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Guter Rat ist nicht nur teuer, sondern künftig auch rar

An den Schulen fehlen die Lehrer, auf den Dörfern werden die Ärzte rar und jetzt schlagen auch noch die Rechtsanwälte Alarm: In ländlichen Regionen ...

An den Schulen fehlen die Lehrer, auf den Dörfern werden die Ärzte rar und jetzt schlagen auch noch die Rechtsanwälte Alarm: In ländlichen Regionen könnte in den kommenden Jahren ein ähnlicher Mangel an Anwälten herrschen wie bei der Suche nach einem Mediziner, warnt der Deutsche Anwaltsverein (DAV). Gerade vielen kleinstädtischen Anwälten droht laut DAV das Aus. Zu den Problemgebieten zählen vor allem ostdeutsche Flächenländer. Dort kämpfen die Anwälte einer Studie des Beratungsunternehmen Prognos zufolge mit einer Reihe von Schwierigkeiten: Rechtlichen Rat gibt es inzwischen auch im Internet, bei Anwalt-Hotlines und Rechtsschutzversicherungen. Verschärft wird die Misere zusätzlich vom demografischen Wandel mit abnehmender Bevölkerung.

Ein weiteres Dilemma: Nicht spezialisierte Anwälte verlieren Mandate an Fachkollegen. Eine eigene Spezialisierung kommt wegen der geringen Anzahl von Fällen aber nicht in Frage. „Die klassischen Einzelkanzleien werden Probleme bekommen“, erklärt DAV-Geschäftsführer Franz Peter Altemeier. Er schlägt deshalb vor, Netzwerke zu bilden und Kanzleien zusammenzulegen.

"Kanzleien werden sich an den Gerichtsstandorten konzentrieren"

Anzeichen eines akuten Anwalt-Notstandes in Mecklenburg-Vorpommern gibt es bislang nicht. Derzeit sind knapp 1600 Rechtsanwälte in MV zugelassen. „Die weiße Flagge müssen wir noch nicht hissen“, sagt der Präsident der Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern, Axel Schöwe. Im Vergleich zu anderen Bundesländern seien die Anwalts-Zahlen aber leicht rückläufig. Sorgenfalten auf die Stirn treibt den Anwälten vor allem die geplante Gerichtsreform, in deren Zuge fünf Amtsgerichte geschlossen werden sollen. „Es ist ein Rückzug von Anwälten aus der Fläche zu befürchten. Die Kanzleien werden sich an den Gerichtsstandorten konzentrieren“, erklärt René Salomon, Vorsitzender des Vereins der Rechtsanwälte im Landgerichtsbezirk Neubrandenburg.

Für juristischen Beistand müssen Klienten dann längere Wege in Kauf nehmen – in den Kanzleien an den Gerichtsstandorten werden sich wiederum nach Ansicht von Axel Schöwe die Mandate konzentrieren. „Die Einzelkämpfer in den ländlichen Regionen gehen dann leer aus und werden wirtschaftliche Probleme bekommen.“