Spechte zerstören Fassaden:

Die Nisthöhle im Styropor

Mit lautem Klopfen bauen Spechte eigentlich ihre Nester in morsche Bäume. Manchmal sind sie aber verwirrt – und wenn kein Baum da ist, picken sie ihre Löcher auch in Hausfassaden. Die können dann schimmeln.

Der Buntspecht (Picoides major) baut seine Höhlen normalerweise in Bäumen. Aus Mangel an Grün werden in Städten auch wärme­gedämmte Fassaden durchlöchert. Foto: Patrick Pleul
Patrick Pleul Der Buntspecht (Picoides major) baut seine Höhlen normalerweise in Bäumen. Aus Mangel an Grün werden in Städten auch wärme­gedämmte Fassaden durchlöchert. Foto: Patrick Pleul

Wenn ein Buntspecht auf Brautsuche ist, hämmert er ein Loch in einen morschen Baum. In diesem Nest sollen einmal seine Nachkommen groß werden. Aber gelegentlich nimmt der Vogel dafür auch Hauswände – und durchlöchert den Putz und das darunterliegende Dämmmaterial wie Polystyrol, Hanf und Mineralwolle. „Denn in Städten mangelt es an natürlichem Lebensraum, an Mischwald mit morschen Baumpartien und Totholz für Höhlen“, erklärt Markus Erlwein, Pressesprecher des Landesbundes für Vogelschutz in Hilpoltstein (Bayern).

„Was Spechte an wärmegedämmte Fassaden lockt, weiß niemand genau“, sagt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Bausachverständige und Vogelschützer vermuten, dass junge Spechte auf Reviersuche den griffigen Putz mit der Rinde eines Baums verwechseln und ihn deshalb anpicken. Der hohle Klang, ähnlich dem eines morschen Baumstammes, verstärke dann offenbar beim Vogel den Drang, unter der vermeintlichen Borke nach Beute zu suchen und Höhlen zu bauen. Besonders häufig passiert dies im Herbst und zur Brutzeit im Frühjahr. Beseitigt werden die Löcher am besten noch im Herbst.

Weniger als 100 Fälle im Jahr

„Spechtlöcher in Fassaden sind kein massiv verbreitetes Problem, sondern eher ärgerliche Einzelfälle“, beschwichtigt Wolfgang Setzler, Geschäftsführer des Fachverbands Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) in Baden-Baden (Baden-Württemberg). Dieser geht von etwa 50 bis 100 Fällen pro Jahr in Deutschland aus. Auch laut VPB komme das bei Einfamilienhäusern eher vereinzelt vor.

Feuchtigkeit bringt Bauschäden mit sich

Aber die Schäden können gravierende Auswirkungen haben: Durch die Löcher dringt Feuchtigkeit in das Mauerwerk ein. Dann kann es Wasserschäden geben oder Schimmel bildet sich. Im schlimmsten Fall verliert die Wand ihre wärmedämmende Wirkung und die ganze Fassade muss ersetzt werden, erläutert Reinhold-Postina. „Die Wärmedämmung in der Fassade kann – besonders in der kalten, regnerischen Zeit – restlos durchfeuchtet werden.“ Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin rät daher: „Wenn ein Loch in der Dämmung ist, sollte dies so schnell wie möglich behoben werden.“

Den Specht könne man aber auch vertreiben, bevor er sich ausgerechnet die Fassade statt einem Baum aussucht: „Hilfreich kann sein, Flattervorhänge aus Plastikbändern, Ketten aus CDs oder Windspiele aufzuhängen“, erklärt Setzler. „Bewegliche Lichtreflexe und Geräusche stören den Specht.“