Lesertipp:

Ein Vorratskeller Marke Eigenbau

Viele Gartenbesitzer kennen das Problem. Kartoffeln, Äpfel und Möhren sind geerntet, die Dahlien aus dem Boden: aber wohin damit im Winter? Hobbygärtner Werner Franke hatte eine ganz ungewöhnliche Idee und sie funktioniert.  

Eine Öffnung der alten Klärgrube dient als Einstieg für den Keller. Die Öffnung wurde erweitert ...
Werner Franke Eine Öffnung der alten Klärgrube dient als Einstieg für den Keller. Die Öffnung wurde erweitert ...

Dem kleinen mit Laub bedeckten Grashügel sieht man es nicht an, dass sich darunter ein Vorratskeller verbirgt. Und wer den Keller betritt, kann kaum glauben, dass dieser Raum mit den weißgekalkten Wänden, in dem es gerade nach frischen Äpfeln duftet, einst eine Klärgrube war.

„Zugegeben, ein bisschen verrückt ist es schon“, sagt Werner Franke und lacht. Ehefrau Luise rümpft allerdings noch heute die Nase, wenn sie daran denkt. Aber dem Hobbygärtner war es leid, dass seine Kartoffeln im warmen Hauskeller schon früh anfingen zu keimen. „Eigentlich wollte ich ja einen Erdkeller, nach dem Vorbild alter Eiskeller an Gutshäusern bauen“, erzählt der 68-Jährige. Ein ganzes Jahr zerbrach sich der einstige Forschungsingenieur den Kopf. Er habe sich belesen, alte Bücher zurate gezogen – aber unterm Strich wäre der Bau zu aufwendig und sehr kostenintensiv geworden. So kam er auf die Idee mit dem Umbau der stillgelegten Drei-Kammer-Klärgrube. Nach der Wende entsprach diese nicht mehr den Anforderungen. Damals musste eine neue her, die alte blieb ungenutzt – mehr als 20 Jahre.

Beim Abstieg über die steile Leiter erklärt Werner Franke sein Vorgehen: „Zunächst habe ich nach einer Lösung für den Zugang gesucht und mich für eine erweiterte Einstiegsluke entschieden.“ So fielen keine Erdarbeiten an, es mussten keine Stützmauern gebaut werden und es gibt auch kein Problem mit Regenwasser, zählt er die Vorteile auf.

Dann wurde die Grube erst einmal gründlich gesäubert, störende Wände herausgerissen und die ursprüngliche Höhe – der Fachmann sagt lichte Höhe – von 2,80 Meter durch Füllsand und Estrichbeton um 60 Zentimeter verringert. Von den Wänden spachtelte Werner Franke die losen Teerbestandteile ab, um sie anschließend mit einem Zwei-Komponenten-Kleber, der auf Teeruntergrund haftet und überputzt werden kann, zu überziehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der rüstige Rentner alle Arbeiten allein gemacht. Doch für den nächsten Schritt benötigte er Hilfe.

Treppe war besondere Herausforderung

Nun ging es nämlich ans Verputzen und Mauern. „1750 Kilo Estrichbeton und 750 Kilo Zement und Mauermörtel haben wir zu dritt verbaut. Jeder Sack musste in die Tiefe transportiert werden. Dazu bauten wir einen Seilaufzug. Eine Treppe gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht“, erinnert sich Werner Franke an die Arbeiten im Sommer 2014. Danach wurde der Zugangsbereich mithilfe von Einschalungssteinen, Bewehrungsstahl und Estrichbeton erweitert. Um die sogenannte Einhausung vor Feuchtigkeit zu schützen, nutzten die Hobbyhandwerker eine Zwei-Komponenten-Masse. Anschließend wurde die Einhausung mit Isolierplatten gedämmt und die aus Spundbrettern selbst gezimmerte Eingangstür mit einer Neigung von 35 Grad angepasst.

Eine besondere Herausforderung war die Treppe. „Aufgrund der beengten Platzverhältnisse habe ich eine Raumspartreppe mit 50 Grad Neigung gewählt. Mit einer Hand am Handlauf ist sie noch gut begehbar“, meint der Tüftler. Auf einen Transport von Behältern mit beiden Händen sollte aber lieber verzichtet werden.Für frische Luft sorgen Be- und Entlüftungsrohre, die in die Kellerdecke und in den Eingangsbereich eingebaut wurden und für ausreichend Licht Lampen an der Decke.

Entstanden ist ein Vorratskeller mit zwei Räumen, einer vier und einer ein Quadratmeter groß. Der kleinere wird mittels einer Schiebetür verschlossen. Das sei für ihn wichtig, weil er Kartoffeln und Äpfel nicht in einem Raum lagern will, betont Werner Franke. „Trennt man die Früchte nicht, dann schrumpeln die Äpfel schneller“, so seine Erfahrung. Die aufgestellten Regale bieten aber nicht nur Platz für die Früchte des Gartens. Auch Apfelsaft ist hier zu finden. Der Grund dafür sind 20 Apfelbäume im Garten der Familie.

Werner Franke möchte Erfahrungen austauschen

„Nach einem Jahr Nutzung hat sich der Keller prinzipiell bewährt“, schätzt Werner Franke ein. Im Sommer stieg die Temperatur nicht über 15 Grad Celsius, im Winter sank sie nicht unter vier Grad, erzählt er. Das habe er durch eine langfristige Verlaufsmessung mithilfe eines speziellen Gerätes dokumentiert. Allerdings war im Sommer die Luftfeuchtigkeit höher als gewünscht, schränkt er ein. Deshalb und um seine Erfahrungen weiterzugeben, würde er gern mit anderen in Kontakt treten.

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