Tiertrainer Martin Rütter:

Er flüstert Hunden und Menschen die Wahrheit

Wenn der Hund mal wieder nicht hört und sein Besitzer verzweifelt ist, weiß Martin Rütter weiter.  Im Gespräch mit Marcel Auermann erklärt der 44-Jährige, was das Patentrezept ist.

Martin Rütter kümmert sich um Menschen mit Hunden.
Marc Rehbeck Martin Rütter kümmert sich um Menschen mit Hunden.

Kann es sein, dass sich die Menschen immer die falschen Tiere aussuchen?

Auf Hunde bezogen erlebe ich leider sehr häufig, dass sich die Menschen zwar nicht zwingend den falschen aussuchen, aber die Auswahl des Hundes nur emotional treffen. Das heißt: Die sehen einen Hund und finden den hübsch und der muss es dann sein. Ob der aber vom Charakter zu den neuen Besitzern passt, wissen die wenigsten vorher.

Aktuelles Beispiel: Eine junge Familie mit zwei Kindern hat sich einen Jack-Russel-Terrier gekauft. Die Kinder sind aber schon so sehr aufgeregt und überdreht. Jetzt kauft sich die Familie noch einen überdrehten Hund dazu. Das kann in der Regel nicht funktionieren. Das bedeutet: Im Grunde sollte man sich im Vorfeld unbedingt beraten lassen. Es muss zum Beispiel die Frage „Was sind die Erwartungen an einen Hund?“ vorher abgeklärt werden.

Ist Ihr Patent- und Erfolgsrezept ihr genauer Beobachtungssinn?

Zunächst hat das erst einmal mit Disziplin und Fleiß zu tun. Ich habe in den vergangenen 22 Jahren ich weiß nicht, wie viele Bücher gelesen und Vorträge gehört. Ich verschlinge alle wissenschaftlichen Studien. Die Basis ist also zu allererst einmal Wissen und nach und nach die Erfahrung. Ich hatte jetzt 6500 Hunde im Training. Aber ich glaube, ein ganz wesentlicher Faktor ist die Art des Vermittelns. Denn sehr häufig ist es so, dass das Thema Hund sehr emotional ist, ich aber zu den Besitzern komme und ganz nüchtern sage, dass vieles daran falsch ist, wie Frauchen und Herrchen mit ihrem Tier umgehen. Das bedeutet auch, dass sich Menschen von vertrauten und geliebten Ritualen verabschieden müssen. Ich bin also ein guter Hunde-, aber ein genauso guter Menschenbeobachter. Ich habe ein gutes Gespür, wie viel ich einem Menschen zumuten kann, und wie viel nicht. Humor spielt dann bei der Vermittlung eine ganz wesentliche Rolle.

Dann sind sie also nicht nur ein Tier-, sondern auch ein Menschenflüsterer. Demnach müsste bei Ihnen im Privaten ja alles wie am Schnürchen klappen.

(lacht) Hundetrainer ist in der Tat ein falscher Begriff. Deshalb heißen meine Einrichtungen auch nicht Hundeschulen, sondern Zentrum für Menschen mit Hund. In erster Linie bin ich für die Menschen da.

Und wie sieht es nun bei Ihnen im Privatleben aus? Alles palletti?

Ich glaube schon, dass ich bei der Erziehung meiner Kinder einen großen Vorteil hatte, weil ich mich vorher so viel mit Psychologie und sozialen Strukturen befassen konnte. Aber deshalb ist natürlich in meinem Leben nicht alles perfekt. Das ist aber auch gar nicht der Anspruch. Das ist es auch gar nicht in der Hundeerziehung.

Sind Sie zu Hause strenger zu Ihren Kindern oder zu den Tieren?

Weder noch. Die Frage streng stellt sich in der Erziehung nicht. Man kann es konsequent nennen. Strenge verbindet man immer mit Härte und Druckmachen. Das mache ich in beiden Fällen nicht. Bei den Hunden bin ich etwas stringenter und konsequenter. Bei den Kindern möchte ich, dass sie so selbstständig wie möglich sind. Die sollen all ihre Erfahrungen selber sammeln. Bei Hunden darf man das nicht, weil sie sonst nicht mehr gesellschaftstauglich sind.

Martin Rütter präsentiert am 17. Februar 2015 das Programm „NachSITZen“ im Neubrandenburger Jahnsportforum. Karten dafür gibt es im Medienhaus des Nordkurier am F.-Engels-Ring 29 in Neubrandenburg oder unter der kostenlosen Hotline 0800 4575033.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung