Auf dem Balkon:

Heil- und Würzpflanzen einfach selbst züchten

Bei Erkältung, Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen können Heilkräuter helfen. Einige lassen sich im Topf selbst aufziehen. Doch was gibt es zu beachten?

Johanniskraut soll bei Unruhe helfen.
Dr. Heike Will Johanniskraut soll bei Unruhe helfen.

Warum ist der eigene Anbau sinnvoll?

Grüne Hausmittel aus eigener Aufzucht haben ein paar Vorteile: „Die Pflanzen in der Natur sicher zu bestimmen, fällt vielen Kräutersammlern schwer”, sagt Buchautorin Christina Freiberg. Außerdem herrsche über die Qualität der in der freien Natur wachsenden Pflanzen inzwischen eine durchaus berechtigte Skepsis. Feinstaub, hohe Düngerkonzentrationen und Giftstoffe im Boden beeinträchtigen die Flora.

Welche Pflegehinweise sind zu beachten?

Man sollte an die eigene Aufzucht auch hohe Ansprüche stellen, findet Marianne Gengener-Hein, Geschäftsführerin des Landesverbands Rheinland der Gartenfreunde. Sie empfiehlt, hochwertige, aber möglichst torffreie Substrate zu verwenden und bei der Düngung die für Kräuter empfohlene Dosierung nicht zu überschreiten. „Es ist wichtig, dass die Kräuter langsam wachsen, damit sie reich an den wertvollen Inhaltsstoffen sind”, erklärt sie.

Welcher Topf gefällt den Pflanzen am besten?

Die Kräuter brauchen ausreichend Platz für die Wurzeln in den Gefäßen. „Mit Ausnahme von Brahmi und Brunnenkresse, die gerne im Wasser stehen, sollten Töpfe und Kästen über ein Wasserabzugsloch verfügen, damit sich keine Staunässe bildet”, rät Freiberg. Es mache Sinn, eine Schale unter das Pflanzgefäß zu stellen, um überschüssiges Wasser abgießen zu können.

Welcher Standort ist für Kräuter von Vorteil?

Die meisten Heilkräuter wachsen auf Wiesen oder am sonnigen Gehölzrand, sodass ein Standort mit viel Sonne von großem Vorteil ist. „Meist reicht aber eine nach Ost oder West exponierte Lage, die nur bis zum Mittag oder ab dem Nachmittag Sonne bekommt”, sagt die Buchautorin. Einige Heilkräuter wie Süßdolde, Waldmeister und Frauenmantel gedeihen auch im Schatten. Pflanzen sollte man möglichst immer die Bedingungen wie am Naturstandort bieten. Verallgemeinernd lässt sich sagen, Heilkräuter bevorzugen mageren, nicht zu humusreichen Boden. Freiberg nutzt daher spezielle Kräutersubstrate, vor allem um den Pflanzen wenig Stickstoff, aber mehr Mineralien zu bieten.

Was muss sonst noch beachten werden?

Besonders wichtig für die Nutzung ist der richtige Erntezeitpunkt. Denn die Kräuter sollen einen möglichst hohen Anteil der wertvollen Inhaltsstoffe enthalten. Der richtige Zeitpunkt ist von Kraut zu Kraut verschieden: Einige Lippenblütler wie Ysop und Salbei sind zu Beginn der Blüte besonders aromatisch, erklärt Freiberg. „Lavendel, Thymian oder Ringelblume erntet man dagegen auf dem Höhepunkt der Blüte.”

Es kann aber auch vorkommen, dass erst die Samenreife das Optimum an Geschmack mit sich bringt. Das ist beispielsweise bei Doldenblütlern wie Fenchel und Kümmel der Fall. Auch die Tageszeit kann Einfluss auf die Qualität des Ernteguts haben, ergänzt Gengener-Hein. „Für die Ernte von Blättern und Blüten ist die zweite Tageshälfte zu bevorzugen”, rät sie. Wurzeln erntet man am besten am Morgen. Freiberg empfiehlt, grundsätzlich bei trockenem Wetter mit bedecktem Himmel die Zutaten zu pflücken. „Dann verflüchtigen sich die ätherischen Öle nicht zu schnell.”