Baumärkte entdecken die Frau:

Heimwerken wird weiblich

Das weibliche Geschlecht hat Malerrolle und Akkuschrauber längst für sich entdeckt: Auf der Selber-Mach-Welle surfen immer mehr Frauen mit. Das hat auch die Baumarkt- und Heimwerkerbranche erkannt und bietet handlichere Werkzeuge an.

Ein ungewöhnlicher Anblick? Keineswegs! Jeder zweite Kunde im Baumarkt ist eine Frau. Sabrina Schatz gehört zu den besonders versierten Handwerkerinnen und kämpft um den Titel der deutschen „Miss Do-it-yourself“.
Caroline Seidel Ein ungewöhnlicher Anblick? Keineswegs! Jeder zweite Kunde im Baumarkt ist eine Frau. Sabrina Schatz gehört zu den besonders versierten Handwerkerinnen und kämpft um den Titel der deutschen „Miss Do-it-yourself“.

So mancher Akkuschrauber im Baumarkt-Sortiment passt heute in jede Handtasche. Mit kleinen, leichten Geräten wirbt die Branche um eine Zielgruppe, die schon seit einigen Jahren mit Macht an die Heimwerkerbänke drängt: Schätzungen der Baumärkte zufolge sei inzwischen knapp die Hälfte der Kundschaft weiblich, berichtet Mareike Hermann von der Do-it-yourself-Academy. Das Schulungsinstitut arbeitet eng mit Märkten zusammen und bietet seit Jahren Kurse für handwerkliche Fähigkeiten an.

Baumärkte buhlen ihrerseits ebenfalls mit kostenlosen Workshops um die weibliche Klientel: Obi lädt „Macherinnen“ zu gleichnamigen Kursen. Bauhaus ruft in seinen Märkten gelegentlich die „Women‘s Week“ aus. Frauen sollen die wichtigsten handwerklichen Kniffe lernen – und zwar ohne den kritischen Seitenblick der vermeintlich erfahrenen Heimwerkerkönige im Haus.

Die Werkzeuge werden leichter und kleiner

„Frauen sind viel mutiger geworden. Sie wollen nicht auf fremde Hilfe im Haus angewiesen sein“, begründet Mareike Hermann die Entwicklung. Zu den Teilnehmerinnen der Heimwerkerkurse an der Akademie gehörten häufig Studentinnen, die ihre erste eigene Wohnung lieber ohne Papi oder großen Bruder einrichten möchten. Auch Alleinstehende und Witwen machten mit bei dem Angebot „Selbst ist die Frau“, das Basiswissen im Heimwerken vermittelt. „Sie wollen nicht mehr für jedes Loch in der Wand einen Handwerker bestellen“, sagt Hermann. So liege das Geschlechterverhältnis auch in den Kursen, die sich an Männer wie Frauen gleichermaßen richten, bei 40 zu 60.

„Frauen wagen sich längst nicht mehr nur an die kleinen Sachen, sondern wollen auch wissen, wie man Fliesen legt und Mauerwerk verputzt“, so Hermann. Grenzen bei der handwerklichen Tätigkeit sieht sie, selbst gelernte Schreinerin, dabei kaum. Die körperliche Belastbarkeit sei eine andere, aber die Produkte würden auch zunehmend auf die weibliche Klientel eingestellt. „Seit Längerem legen Hersteller viel Wert auf die Ergonomie der Geräte“. Elektrowerkzeuge oder Gartenscheren, Hammer  oder Meißel: Die Geräte werden leichter.

Ein Miniatur-Akkuschrauber der Firma Bosch, nicht mal 1,5 Kilo schwer, verkaufte sich nach Firmen-Angaben inzwischen zwölf Millionen Mal – nicht nur, aber eben auch an Frauen, wie Sprecherin Bettina Dannenmann betont: Der Trend zu klein, leicht, handlich, richte sich aber an Heimwerker beiderlei Geschlechts in einer älter werdenden Gesellschaft.

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