Natur im Garten:

„Hier ist das Herz des Gärtners zu spüren“

Im Garten von Familie Kinza gibt es zu jeder Jahreszeit etwas zu sehen. Auch wenn der erste Nachtfrost bereits die Dalienblüten braun gefärbt hat, gelber Sonnenhut, Schmuckkörbchen und Fuchsien blühen noch in voller Pracht.

Werner Kinza (rechts) beantwortet viele Fragen der interessierten Besucher.
Werner Kinza (rechts) beantwortet viele Fragen der interessierten Besucher.

Ein bisschen aufgeregt waren Regina und Werner Kinza schon, als ein großer Reisebus vor ihrem Grundstück hielt. Schließlich kommt es ja nicht jeden Tag vor, dass sich in ihrem Garten Fachleute umsehen.

Die Besichtigung war Bestandteil des Treffens von „Natur im Garten International“. 25 Gartenexperten aus Deutschland und Österreich hatten sich auf den Weg gemacht, um den Garten der Kinzas in Warlin anzuschauen. Der war erst vor wenigen Monaten mit der Plakette „Natur im Garten“ ausgezeichnet und vom Landschaftspflegeverband Mecklenburger Endmoräne in Neu Schloen ausgewählt worden.

Regina und Werner Kinza lieben die Natur. Gärtnern ist ihr gemeinsames Hobby. Als sie noch in Neubrandenburg lebten, hatten sie einen Wochenendgarten in Burg Stargard. Aber sie suchten etwas, wo sie sich auch nach Feierabend aktiv betätigen konnten.

In Warlin fanden sie das passende Haus. Dort leben sie seit 16 Jahren und haben aus dem 1700 Quadratmeter großen Grundstück ein kleines Paradies gezaubert. „Wir schauen uns gern andere Gärten an und holen uns Anregungen“, sagt Regina Kinza. „Außerdem lese ich gezielt in Zeitschriften und suche nach neuen Ideen.“

Buchsbaum nach und nach selber gezogen

Mittelpunkt des Grundstücks ist der Bauerngarten mit seiner typischen Buchsbaum-Umrandung. Neben Obst und Gemüse beherbergt er auch zahlreiche Stauden. Für den inneren Kreis des Bauerngartens hat sich Regina Kinza den Buchsbaum schenken lassen. Die angrenzenden Beete wurden anfangs mit Studentenblumen eingerahmt. „Später habe ich mir Ableger vom Buchsbaum gemacht und nach und nach alle Beete damit eingefasst“, erzählt Regina Kinza. Mit der Zeit ist sie zu einer wahren Buchsbaumspezialistin geworden. Sie schneidet Spiralen, Kugeln und Kegel und integriert sie wunderschön in die vielen Rabatten.

Das wussten auch die Besucher zu schätzen. Sie waren vom Garten begeistert und ließen sich auch vom beginnenden Regen nicht stören, sich in jeder Ecke umzuschauen. Heike Rindt von der Gartenakademie Gut Zichtau in Sachsen Anhalt lobte die große Vielfalt der Pflanzen, die schönen Stauden, die Buchsbaummarkierung, die alten Baumaterialien und die unterschiedlichen Sitzplätze. Das mache für sie den Charme des Landlebens aus.

Auch Sabina Achtig war von der Vielfalt, die in verschiedenen Themen gut umgesetzt werden, beeindruckt. „Besonders gefällt mir, dass Nutz- und Ziergarten ineinanderfließen“, sagt die Expertin von Natur im Garten Niederösterreichs. „Außerdem wurde die Mischhecke am Zaun sehr gut angelegt. Hier können Nützlinge nisten, die die Blattläuse wegfressen.“ Die Bewirtschaftung mit der Bodenbedeckung sei ebenfalls gut gelungen. „Ich spüre in jeder Nische das Herz des Gärtners“, sagt sie und blickt sich unterm Regenschirm noch einmal zum Insektenhotel um.

Das begutachtet auch gerade Susanne Heil. Die Geschäftsführerin der Gärten Niederösterreichs ist für 38 Schaugärten verantwortlich und hat schon so manchen Privatgarten gesehen. An diesem gefalle ihr besonders die Verbindung von Natur und Kunst. „Man merkt, dass hier Menschen am Werk sind, die die Natur lieben“, betont sie.

Wie aber kommt man zu der Plakette „Natur im Garten“? „Wir haben darüber in der Zeitung gelesen. Und als wir die Kriterien sahen, sagten wir: ,Ja, genau so machen wir es‘“, erzählt Regina Kinza. „Wir verwenden keine chemischen Dünger, nutzen Kompost und Regenwasser, wir schreddern den Holzschnitt und mulchen damit unsere Wege“, zählt sie nur einige Punkte auf.

„Das Mulchen hat übrigens den Vorteil, dass man auch bei Regenwetter mit trockenen Füßen durch den Garten gehen kann. Und weniger Unkraut wächst auch“, hebt Werner Kinza hervor. „Aber die volle Punktzahl haben wir nicht erreicht“, räumen die fleißigen Hobbygärtner ein. „Ich kann nämlich Unkraut nicht stehen sehn“, gibt Regina Kinza offen zu.

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