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Lebensnetze neu geknüpft

Gewundert haben sich die Nachbarn ganz bestimmt, als für einen Garten im bayerischen Beyersberg erst einmal Ziegelbruch statt Humus abgekippt wurde. Doch Markus Gastl hat seine Idee von der „vernetzten Natur“ konsequent umgesetzt und so paradiesische Zustände für Wildbienen, Schmetterlinge und fast verschwundene Pflanzen der Heimat geschaffen.

Wo andere Gärtner säckeweise Muttererde zu schnurgeraden Beeten modellieren, bringt Markus Gastl Ziegelbruch und Bauschutt aus. In seinem 7000 Quadratmeter großen „Hortus Insectorum“ (Garten der Insekten) hat er ein Ziel: Heimischen Pflanzen und Tieren, die zu verschwinden drohen oder bereits weitgehend aus „grünen“ Nutzgarten-Höllen vertrieben wurden, wieder Raum zu geben. Er wollte die natürlichen Lebensnetze zwischen Pflanzen und Tieren neu knüpfen.

Mit seinem Drei-Zonen-Konzept für den Garten wurde er von den einen als Spinner abgetan, andere verliehen im Preise.

Das Schöne ist, es braucht gar nicht riesige Flächen, um der natürlichen Vernetzung von Pflanzen, Tieren und auch Mensch Raum zu geben. Nicht einmal mehr Plackerei. In seinem Buch „Drei-Zonen-Garten – Vielfalt – Schönheit – Nutzen“ beschreibt Gastl, wie sich ein natürliches Gleichgewicht in fast jedem Garten austarieren lässt. Es funktioniert, „wenn Sie althergebrachte Theorien, die nicht funktionieren, über Bord werfen und den Mut haben, neue Wege zu beschreiten…“, ruft er den Klein- und Großgärtnern im Lande zu.

Der Geograf radelte nach seinem Studium fast 42 000 Kilometer von Feuerland nach Alaska. Auf dieser Pilgereise zur Natur hat er beschlossen, etwas für die einheimische Flora und Fauna zu tun. Statt mittels eines Überflusses an Nährstoffen, etwa mit chemischen Zusätzen, Wachsen und blühen zu befördern, wie der Gärtner es gewöhnlich versucht, schuf er seine drei Zonen und vor allem Platz, für Pflanzen, die es eigentlich „mager“ mögen, die sich im Laufe der Evolution an Standorte angepasst haben, die mager sind und vielen anderen Sorten nicht behagen. Doch genau diese Sorten vertreibt der Mensch mit seinem scheinbar zwanghaften Streben nach immer mehr, immer größer, immer schneller, meint Gärtner Gastl.

Was entsteht? Ein Einheitsbrei. Vielfalt wird untergepflügt, plattgedüngt und totgespritzt.

Bei allem „Zurück zur Natur“ bleibt aber der Drei-Zonen-Garten ein Ort des Menschen für den Menschen. Wir werden nicht aus dem ökologischen Paradies vertrieben. Aber wir werden an einen besseren Platz gestellt, bekommen eine Aufgabe, die der Natur gerecht wird. Wer probiert, nach dem Prinzip von Markus Gastl zu gärtnern bekommt vor allem Vielfalt geschenkt. Ganz umsonst. „Gartenarbeit erdet, ist gesund und vermittelt Lebensfreude“, sagt er und lädt uns alle zu einem spannenden Experiment namens Natur ein.

Markus Gastl: Drei-Zonen-Garten: Vielfalt · Schönheit · Nutzen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, 2013. 160 Seiten. 19,80 Euro. ISBN: 3899371542.

Im Internet: http://www.hortus-insectorum.de/