Gartenliebe:

Liebe unterm Sparten-Kirschbaum

Ein Kleingarten bietet viel Platz für Romantik und Gemeinsamkeit. Giesela und Rudolf Eller verbindet er seit mehr als 40 Jahren. Die Schriftstellerin Brenda Stumpf sucht in der Parzelle hingegen humorvoll ihr Liebesglück.

Giesela und Rudolf Eller
nk Giesela und Rudolf Eller.

Manchmal, wenn die Sonne zu sehr brennt, legen Giesela und Rudolf Eller ihre Hacken und Harken beiseite und setzen sich unter den Kirschbaum. Ein kleine Bank im Schatten steht dort bereit – so klein, dass sich beide ganz nah sind. Dann legt Rudolf einen Arm um seine Giesela, drückt sie noch ein bisschen mehr an sich und lässt den Blick über die Beete schweifen. Die beiden haben Gurken und Tomaten angebaut. Die Kartoffeln sind schon raus, die Zucchinis riesig. Giesela Eller hat gerade Dill für den Herbst gesät, Rudolf Eller wartet auf seine späten Himbeeren und rundherum zeigen die üppigen Taglilien noch vereinzelt imposante Blüten.

Seit mehr als 40 Jahren gärtnern die beiden gemeinsam, seit mehr als 50 Jahren sind sie ein Paar. Eins ohne das andere? Das wäre kaum denkbar. Im Garten findet ihr Zusammensein einen Platz. „Unter unserem Kirschbaum ist es doch romantisch“, sagt Rudolf Eller. „Hier verbringen wir den Tag miteinander – wie so ein paar alte Latschen“, fügt er lachend hinzu.

Beide wissen genau, wie ihr Garten aussehen soll. Der Blick auf die Beete in ihrem Monckeshofer Kleingarten ist wie eine Versicherung der Gemeinsamkeiten, getreu dem Motto: „Sage mir, welchen Garten du liebst und ich sage dir, ob wir zusammenpassen.“ Und genau diese Idee hat sich jetzt auch eine Schriftstellerin vorgenommen, die sonst Krimis schreibt. Brenda Stumpf hat sich zuerst einen Schrebergarten gepachtet und dann auf die Suche nach dem richtigen Mann gemacht. „Alleingärtnernde Frau mit Parzelle sucht Mann mit grünem Daumen“, hat sie bei Partnersuchportalen im Internet angegeben. In der sicheren Gewissheit: Wenn es im Garten klappt, hat auch die Liebe eine Chance. Und tatsächlich scheint die „Traumgartenphantasie“ eine Menge darüber auszusagen, ob es zwischen beiden funken kann.

„Stell dir nur vor, unser buntes Chaos trifft auf Gemüsezwiebel-Exerzierplatz! Das geht niemals gut! Das muss unbedingt vorher geklärt werden“, sagt die beste Freundin der Autorin folgerichtig. Kandidat eins – Andreas oder wer keinen grünen Daumen hat, muss doch kein schlechter Mensch sein – scheitert dann auch prompt an dieser Hürde. Er wünscht sich einen japanischen Meditationsgarten. Geharkte Kiesbeete, Bonsais, ein Teich mit Kois, Bambus, vielleicht ein kleiner Teepavillon. „Ganz schön teuer, denke ich, von langweilig ganz zu schweigen“, meint darauf die Ich-Erzählerin im Buch „Das erotische Potential meines Kleingartenvereins“. „Und was sagt das über seinen Charakter und sein Privatleben aus? Gebügelte Socken? Kein Krümel auf der Arbeitsfläche in der Küche?“

Ein japanischer Meditationsgarten wäre auch für Familie Eller ein einziger Graus. „Außerdem gibt es im Kleingarten ja Regeln, die manche Dinge einfach vorgeben“, sagt Giesela Eller und ist sich mit ihrem Mann ganz einig. Nachdem beide in jungen Jahren zuerst gar keinen Garten wollten, haben sie gemeinsam die Lust am Gärtnern auf einem winzigen Stück entdeckt. Sie pflanzten Erdbeeren, Kohlrabi, Möhren. „Von jedem ein Beet, mehr Platz war ja gar nicht“, erinnert sich Giesela Eller. „Und ein bisschen Petersilie für die Küche.“ Mit den drei Kindern wollte sie dann bald einen größeren Garten und die beiden blieben ihrem Prinzip treu. „Wir wollten uns nicht nur an schönen Blumen erfreuen, sondern auch ein bisschen was ernten“, erzählt Rudolf Eller. So gut wie nie fährt er allein in den Kleingarten in Monckeshof. „Wir sind eigentlich immer zusammen hier und arbeiten dann auch zusammen vor uns hin. Meistens still. Und wenn der eine was Schönes gefunden hat, kann er es dem anderen erzählen.“ Streit hat keinen Platz. Dafür ein gemütliches Mittagsschläfchen in der Laube. „Ohne meine Frau würde ich den Garten nicht bewirtschaften können“, sagt Rudolf Eller. „Aber ich würde es ohne sie auch gar nicht wollen.“

Der Kleingarten scheint ein Platz für Partner zu sein. Wer in Monckeshof alleine gärtnert, dem ist meistens schon der Mann gestorben, so würde es Familie Eller beschreiben. Es gebe natürlich auch Paare, in denen nicht beide die Gartenleidenschaft gepackt hat. „Da sitzt die Frau dann auf der Gartenbank und lackiert sich die Fingernägel“, erzählt Rudolf Eller. Solche Damen seien aber selten zu sehen. „Da muss der Mann alle drei Wochen allein durchracken.“ Manchmal funkt es tatsächlich auch zwischen den Parzellen. „Wir hatten mal einen Kleingärtner, der zur Nachbarin rübergeschielt hat“, erinnert sich Rudolf Eller. „Die war ledig und hat sich auch mal oben ohne gesonnt.“ Die Liason über den Gartenzaun war am Ende allerdings nicht von Dauer. Auch Brenda Stumpf entdeckt in ihrem Roman „Das erotische Potential meines Kleingartenvereins“ und wirft zum Beispiel einen Blick auf den „Blumenmann“. Sie stößt auf Hans, den Amselmann und Geert, der findet, dass auch ein Regenwurm das Recht auf einen natürlichen Tod hat.

Immer geht es bei den Treffen lustig zu und neben den Zerwürfnissen zwischen Mann und Frau nimmt sich die Autorin auch so einige Macken und Kanten des Kleingartenlebens liebevoll vor. Ganz schnell erkennt sie das unglaubliche Fachwissen ihrer Nachbarn aus dem Kleingartenverein. Sie lässt sich mit der „Kalten Sophie“ bekannt machen und Rhizomwurzelsperren erklären. Sie erfährt, dass nicht nur Besuche in Fachgärtnereien dazu geeignet sind, mühsam Erspartes loszuwerden. „Auch Baumärkte können eine ewige Quelle der Verführung sein.“ Sie macht Kartoffelsalat für die Gartenparty und lernt von Fritz, dem Vereinsvorsitzenden, wie kompliziert Gemeinschaftsstunden sein können. „Ich teile die Idioten ein, sage ihnen, welche Gruppe was zu machen hat, und dann fahre ich ständig hin und her, um die zu kontrollieren.“

Buchtipp

Brenda Stumpf: Das erotische Potential meines Kleingärtnervereins. Knaur. 236 Seiten. 8,99 Euro. ISBN 978-3-426-78554-6.

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