Natur pur im Garten:

Ohne chemische Keule gärtnern

Wer auf Chemie im Garten verzichten will, muss wissen, was Pflanzen gesund hält. Wichtig sind der richtige Standort, der richtige Boden und der richtige Nachbar. Daher müssen sich Biogärtner viel erlesen und gut mit ihrem Grundstück undseinen Gegebenheiten auseinandersetzen. Ein paar Tipps fürs natürliche Grün.

Biologisches Gärtnern bedeutet, nicht nur an die Pflanzen zu denken, sondern auch an die tierischen Bewohner.
Andrea Warnecke Biologisches Gärtnern bedeutet, nicht nur an die Pflanzen zu denken, sondern auch an die tierischen Bewohner.

Es gibt sicher viele, die es angesichts ihrer Pflanzen nicht glauben wollen. Aber: Den grünen Daumen hat man nicht einfach, man bekommt ihn durch Lernen, ist sich Herbert Lohner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Berlin sicher. „Der sogenannte Grüne Daumen entsteht nicht nur durch Ausprobieren, sondern vor allem durch Wissen, das man sich erschließt.“ Selbst der Profi setzt beim Gärtnern immer auch auf das Lesen von Büchern. Hilfreich ist das für alle Hobbygärtner, die biologisch anbauen wollen.

Denn: „Biologisch Gärtnern heißt Kenntnisse schaffen und Zusammenhänge verstehen“, erklärt Marianne Genenger-Hein vom Landesverband Rheinland der Gartenfreunde. Nur so kann man mit der Natur und nicht gegen sie arbeiten, und nur ein gesunder Garten kommt ohne Chemie auch gut aus.

1. Analyse:

„Man muss schauen, was der Garten zu bieten hat, und wo man ansetzen kann, um Veränderungen vorzunehmen“, erläutert Genenger-Hein. Wie liegt das Grundstück? Wie sonnig beziehungsweise schattig sind die einzelnen Bereiche des Gartens?

An zweiter Stelle steht die Analyse des Bodens. Dabei geht es um die natürliche Feuchtigkeit und Trockenheit. Aber auch die Zusammensetzung ist von Bedeutung, was sich relativ einfach mit einer Fingerprobe erschließt. Man knetet etwas feuchte Erde – zerfällt sie dabei und krümelt, ist der Boden eher sandig. Kann die Probe geformt werden, ist der Lehmanteil eher hoch. Aber es ist auch sinnvoll, sich eine genaue Zusammensetzung der Nährstoffe zu beschaffen. Lokale Bodenuntersuchungsstellen machen das.

All diese Informationen zeigen dem Gärtner, welche Pflanzen wo gut gedeihen können. Es kann durchaus sein, dass sich ganz unterschiedliche Bedingungen in einzelnen Gartenbereichen zeigen. „Je heterogener ein Garten ist, desto vielfältiger ist er und desto mehr ökologische Nischen bietet er“, erläutert Lohner.

2. Auswahl:

„Gemüse braucht zum Beispiel Sonne“, erklärt Genenger-Hein. So werden sonnige Beete für den Anbau von Tomaten, Paprika, Lauch und Möhren reserviert. Aber: „Wenn der Boden verdichtet ist, dann macht es keinen Sinn gleich Möhren anzubauen.“ Die Expertin rät dann vielmehr zu Pflanzen mit Pioniercharakter, wie Kartoffeln, Topinambur und Borretsch. Sie brechen verkrustete Strukturen auf und verbessern so den Boden.

„Was im Garten nicht wächst, ist schlecht ausgewählt“, stellt Lohner klar. So hat jede Pflanze spezielle Ansprüche an den Standort, das Klima und den Boden. „Man sollte immer von der Pflanze ausgehen und schauen, was sie braucht.“ Der Biologe empfiehlt den Besuch in lokalen Gartenbaubetrieben. „Hier findet man eigene oder historische Züchtungen.“ Diese haben sich in der Region bewährt. Kann man bestimmte Bedingungen nicht bieten, heißt es, die Pflanzenauswahl zu verwerfen und Alternativen zu suchen.

3. Nachbessern:

Ist man mit den gegebenen Bedingungen unzufrieden, lässt sich zum Beispiel der Boden verbessern. „Allerdings sollte man den Boden nicht malträtieren“, betont Genenger-Hein. Sie empfiehlt behutsames Lockern mit der Grabgabel. Der Zinken gelangt tief in den Boden. Aber man wendet nicht die komplette Scholle – das würde die Schichtung und Struktur des Bodens durcheinanderbringen.

Der sorgsame Umgang mit dem Boden zählt zu den zentralen Elementen des biologischen Gärtnerns. Man muss ihn schützen und erhalten. Daher sagt Lohner: „Man sollte im Garten keine braune Erde sehen.“ Unbepflanzte Stellen werden bedeckt mit Mulch oder mit bodendeckenden Pflanzen wie Kürbis oder Zucchini.

4. An andere denken:

Biologisches Gärtnern bedeutet, nicht nur an die Pflanzen zu denken, sondern auch an die tierischen Bewohner. So rät Lohner beispielsweise dazu, ungefüllt blühende Sorten auszuwählen. Denn diese sind eine lukrative Nahrungsquelle für Insekten.

„Laub kann man unter den Sträuchern getrost liegen lassen, und Stauden sollte man beispielsweise erst im Frühling zurückschneiden“, rät Genenger-Hein. Hier, wie auch in Spalten und unter Brettern, finden Insekten Rückzugsräume. Chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu.

5. Mischen:

Beim Anbau von Gemüse ist es wichtig, dass man die Prinzipien der Mischkultur und der Fruchtfolge berücksichtigt. „Man plant Pflanzkombinationen, die gut zusammenpassen – wie Dill und Gurke oder Zwiebel und Möhre“, erklärt Genenger-Hein. Dill und Gurke stärken sich gegenseitig und halten sich gesund. Zwiebel und Möhre brauchen unterschiedlich viel Wasser, sie konkurrieren also nicht.

Wichtig ist, die Flächen im Wechsel mit unterschiedlichen Kulturen zu bepflanzen und Eigenschaften wie stark- oder schwachzehrend zu berücksichtigen. Außerdem lässt man den Boden auch mal ruhen, damit er sich regeneriert. All ihre Erfahrungen und Kulturmaßnahmen sollten Hobbygärtner festhalten, gemeinsam mit dem Wetterverlauf in diesem Gartenjahr – um daraus persönliche
Erfahrungen zu sammeln.

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