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Saisonale oder dauergrüne Ruhestatt?

An den Totengedenktagen Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag im November werden wieder Millionen von Kerzen auf den ca. 32.000 Friedhöfen in Deutschland brennen, viele Gräber werden geschmückt sein und unzählige Menschen einen Friedhof besuchen. Alles wird so aussehen, wie es scheinbar schon immer war. Aber das täuscht! Denn die Bestattungskultur in Deutschland befindet sich derzeit in einem umfangreichen Wandlungsprozess.Am 24. November ist Totensonntag. Matthias Lanin sprach mit dem Neubrandenburger Friedhofsgärtner Sebastian Schröder auf dem Neuen Friedhof über Grabbepflanzung und -pflege.

Sebastian Schröder Foto:NLZ  
Sebastian Schröder Foto:NLZ  

Im November werden wieder unzählige Menschen einen der circa 32 000 Friedhöfe in Deutschland besuchen. Denn am 24. November ist Totensonntag und bis dahin sollen die Gräber geschmückt sein. Matthias Lanin sprach mit dem Neubrandenburger Friedhofsgärtner Sebastian Schröder auf dem Neuen Friedhof über Grabbepflanzung und Grabpflege.

Welche Tipps haben Sie für die Bepflanzung von Gräbern?

Es gibt viele Möglichkeiten und viele Blumen, die infrage kommen. Die sind dann entsprechend der Jahreszeit zu pflanzen. Für den Herbst nimmt man zum Beispiel Heide-Pflanzen und Astern. Im Frühjahr eher Stiefmütterchen, Primeln und Horn-Veilchen. Im Sommer dann Studentenblumen, Eisblumen und Knollenbegonien.

Da hat man aber eine Menge zu tun. Gibt es auch andere Möglichkeiten?

Ja. Im Gegensatz zur saisonalen Bepflanzung – und das beobachten wir auch als Trend – wird die Dauerbepflanzung immer beliebter. Um die Grabstelle pflegeleicht zu gestalten, wählt man dabei dauergrüne Pflanzen. Zwergmispeln werden oft verwendet, aber auch eine der ältesten Friedhofspflanzen: der Efeu. Wir sehen auch, dass in letzter Zeit vermehrt mit winterharten Stauden gearbeitet wird.

Wenn ich ein unsicherer Gärtner bin, wen kann ich um Rat fragen?

Man kann immer zu uns kommen. Wir bieten auch die Grabpflege an, sind damit einer der wenigen kommunalen Friedhöfe, die das machen. Denn das ist eigentlich keine hoheitliche Aufgabe. Normalerweise kümmern sich die Gärtnereien darum. Aber wenn Sie zu uns kommen, erklären wir Ihnen auch gern, was zu empfehlen ist und was besser nicht.

Gibt es auf dem Friedhof verbotene Pflanzen?

So direkt nicht. In der Friedhofssatzung sind Bäume untersagt. Wenn wir also sehen, dass jemand auf einem Grab einen Baum gesetzt hat, der in absehbarer Zeit riesig wird, dann schreiten wir ein. Sonst ist alles erlaubt, was unter eine gärtnerische Gestaltung fällt.

Ich kann also auch ein kunstvolles Blumenmosaik anlegen?

Wenn Sie das können. Man sollte diese Dinge aber lieber nicht unterschätzen, da man für so etwas nicht nur die Ansprüche der Pflanzen genau kennen muss, sondern auch die Gegebenheiten vor Ort, wie Boden oder Witterung.

Wer sich viel anliest und fragt, der kann sicherlich auch als Hobbygärtner atemberaubende Sachen anlegen.

Sollte man sich bei der Gestaltung der Grabstelle vom eigenen Geschmack oder vom Geschmack des Verstorbenen leiten lassen?

Eine schwere Frage! Mittlerweile reden die Angehörigen über den Tod und das Ende, aber über die Art und Weise wie Gräber aussehen sollen, reden wenige. Das heißt, man kennt meistens den Geschmack des Verstorbenen doch recht wenig. Grabpflege sollte man immer in seinem eigenen Sinne und mit gutem Gewissen tun.

Muss man seine eigenen Gartengeräte mitbringen?

Ja. Wir stellen nichts. Die meisten lassen ihre Geräte hier, schließen sie aber sorgfältig an, weil das Vertrauen unter den Leuten nicht mehr sehr groß ist. Es werden ja sogar Blumen gestohlen und woanders eingesetzt.

Was ist bei anonymen

Gräbern zu beachten?

Um die kümmern wir uns für zwanzig Jahre. Dort darf man nichts pflanzen.