Kunden können sich wehren:

Schlampige Handwerker müssen Mängel beseitigen

Die Tapete blättert von der Wand. Der Maurer kommt nicht. Bei der Rechnung des Sanitärnotdienstes trifft den Kunden fast der Schlag. Was tun bei Ärger mit dem Handwerker?

Viele Arbeiten lassen sich nicht allein erledigen, dann kommen Handwerker. Nicht immer bleibt das ohne Probleme.
Jürgen Effner Viele Arbeiten lassen sich nicht allein erledigen, dann kommen Handwerker. Nicht immer bleibt das ohne Probleme.

Die Einbauküche ist schief zusammengebaut, das neue Haus wird und wird nicht fertig – solche Probleme sind Klassiker, wenn es um Ärger mit Handwerkern geht. Kunden sollten daher wachsam sein, um späteren Streit zu vermeiden. Das beginnt mit klaren Absprachen bei der Auftragserteilung. Außerdem müssen sie Mängel rechtzeitig reklamieren. Wer seine Rechte wahrnehmen will, sollte einige Regeln beachten.

Mängel müssen aufgeschrieben werden

Eine lautet: Mängel vor der Abnahme des Werks schriftlich festhalten. Nach der Abnahme kehre sich die Beweislast um, erläutert Dunja Richter von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart: „Ich muss den Mangel beweisen, und das wird schwierig.“ Darüber hinaus können Verbraucher bei schweren Mängeln die Abnahme des Werks komplett verweigern. Ohne Abnahme kein Geld für den Betrieb – auch dies ist im BGB geregelt.

Eine weitere Regel lautet: klare Absprachen treffen. Vor allem über Termine. Sie sollten schriftlich fixiert und Bestandteil des Vertrags sein - bei Vereinbarungen per Handschlag drohen Missverständnisse. Im Vertrag stehen genaue Daten. Von unklaren Formulierungen wie „alsbald beginnen“ oder „alsbald zu Ende führen“ rät Holger Freitag ab. Sonst wartet der Kunde womöglich ewig.

Doppelter Preis ist Wucher

Vor allem Abrechnungen für Notdienste bewegen sich in einer großen Grauzone zwischen erlaubt und überzogen. Bis zu 200-prozentige Zuschläge können regulär drin sein, so Winkler: Früh-, Spät-, Nacht-, Feiertags- und Wochenendzuschlag oder eine Pauschale für 24-Stunden-Bereitschaftsdienst sind Beispiele für zulässige Aufschläge. Ebenso dürfen Rüst- und Anfahrzeiten berechnet werden. „Die Höhe der Zuschläge ist nach Region und Gewerk unterschiedlich“, erläutert Winkler. Das „ortsübliche Honorar“ erfahren Verbraucher bei den jeweiligen Innungen. „Ortsüblich“ gilt automatisch für mündlich oder per Handschlag besiegelte Aufträge. Wucher beginnt im Allgemeinen bei Beträgen, die mindestens 100 Prozent über dem Ortsüblichen liegen. Verbraucherschützerin Dunja Richter empfiehlt, generell weder den vom Notdienst vorgelegten Rapport zu unterschreiben noch die Rechnung bar zu bezahlen. Ein Teilbetrag reiche vollkommen, der Rest werde überwiesen.

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