Zoff als Wohnungseigentümer:

Wenn Nachbarn zur Hölle werden

Oft droht im Mehrfamilienhaus Streit: um die Farbe der Fassade, Satellitenschüsseln oder Bäume im Garten. Schließlich kann nicht jeder machen, was er will. Über vieles muss gemeinsam entschieden werden – zum Teil sogar einvernehmlich.

Eigentumswohnungen sind konfliktträchtig – selbst darüber, wer über die Farbe der Haustür entscheiden darf, gibt es manchmal Streit.
Andrea Warnecke Eigentumswohnungen sind konfliktträchtig – selbst darüber, wer über die Farbe der Haustür entscheiden darf, gibt es manchmal Streit.

Die Hölle, das sind die anderen, hat Jean Paul Sartre einmal geschrieben. Aber vielleicht müsste es heißen: Die Hölle, das sind die Nachbarn. Und womöglich gilt das erst recht für Eigentümergemeinschaften. Denn da müssen sich zum Teil wildfremde Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und Interessen regelmäßig in grundlegenden Fragen einigen. Immer wieder geht das schief, artet in Dauerstreit aus und endet vor Gericht, ein Fall kürzlich sogar vor dem Bundesgerichtshof (BGH): Da ging es um die läppische Frage, ob einzelne Wohnungseigentümer ihre Haustür streichen dürfen, wie sie wollen oder ob die Eigentümergemeinschaft darüber bestimmen darf. Der BGH entschied gegen den individuellen Gestaltungswillen (Az.: V ZR 212/12).

Manchmal schlechter gestellt als ein Mieter

Und genau das macht die Sache so schwierig: Eigentümergemeinschaften müssen Beschlüsse fassen, die nicht immer allen gefallen. Mancher fühlt sich den Miteigentümern dann geradezu ausgeliefert. Die Situation ist auch psychologisch heikel, erklärt der Konfliktberater Werner Schienle aus Stuttgart: „Ich habe das Gefühl, ich habe hier mein ganzes Vermögen reingesteckt und kann doch jetzt nicht alles aufgeben – nur wegen der Nachbarn.“

Das führt zu Frustrationen: „Ich erwerbe eine Immobilie mit dem Gedanken, ein Mehr zu haben als ein Mieter“, sagt der Rechtsanwalt Bertram Joachim Schmitt aus Mannheim. Aber teilweise sei das Gegenteil der Fall. „Und ich bezweifle, dass dem einzelnen Immobilienkäufer das klar ist.“

Einstimmigkeit als Hürde

In manchen Fragen muss die Eigentümergemeinschaft sogar einstimmig entscheiden. „Das gilt zum Beispiel für bauliche Maßnahmen, die das Gemeinschaftseigentum sichtbar verändern“, erläutert der Berliner Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht Thomas Grabig. „Das kann zum Beispiel ein Fahrstuhl sein, der von außen ans Haus angebaut werden soll.“ So eine Entscheidung brauche die Zustimmung aller derjenigen, die davon betroffen seien.

Ein Klassiker in dieser Hinsicht: Die Fassade soll neu gestrichen werden – und zwar in einer anderen Farbe. „Dann müssen alle mitentscheiden“, erklärt Grabig, Rechtsberater bei Wohnen im Eigentum, dem Verbraucherschutzverein der Wohnungseigentümer. Aber auch, ob ein Eigentümer eine Satellitenschüssel anbringen darf, ist zustimmungspflichtig, ergänzt Bertram Joachim Schmitt: „Das ist ein Dauerstreitthema.“