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Woran man unseriöse Partnervermittlungen erkennt

Sind Kontaktsuchende erst auf teilweise skrupellos agierende Partnervermittlungen hereingefallen, ist guter Rat teuer. Über die immer gleichen Maschen und die Rechte der Kunden sprach Robert Kiesel mit Matthias Wins von der Verbraucherzentrale MV.

Wer sein Herz verschenken möchte, sollte bei Partnervermittlungen genau hinsehen.
Jens Kalaene Wer sein Herz verschenken möchte, sollte bei Partnervermittlungen genau hinsehen.

Wie häufig haben Sie mit unseriösen Partnervermittlungen zu tun?

Es gibt einzelne Unternehmen, die füllen ganze Ordner. Viele von ihnen sind sogenannte Briefkastenfirmen, die regional verankerte und vor Ort ansprechbare Agentur ist die ganz große Ausnahme. Allgemein ausgedrückt ist uns unter den schwarzen Schafen kaum ein weißes bekannt. Bei einzelnen Firmen raten wir sogar regelmäßig zur Strafanzeige.

Woran können Verbraucher unlautere Angebote erkennen?

Ein sicheres Indiz sind hohe Vorauszahlungen, die unabhängig von der Leistung geleistet werden sollen. Der Grundsatz „Zahlung gegen Leistung“ wird von Partnervermittlungen häufig außer Kraft gesetzt. Spätestens bei der Vorlage von Blankoschecks sollten die Verbraucher ganz dringend die Finger von der Sache lassen.

Worauf sollte man noch achten?

Ich rate dazu, sich die Telefonnummern unter den vermeintlichen Kontaktanzeigen sehr genau anzusehen. Taucht dort hinter jeder zweiten Annonce die gleiche Nummer auf, ist das kein gutes Zeichen. Ebenso wenig wie Beispielfotos. Entweder kann ich den potenziellen Partner wirklich sehen oder es gibt eben kein Foto. Beispielfotos machen keinen Sinn. Von solchen Angeboten sollte man Abstand nehmen.

Was ist mit den Vertragsinhalten?

Entscheidend ist, dass die Leistungen der Agentur genau beschrieben werden. Teilweise verpflichten sich die Anbieter lediglich zur Lieferung von Adressen und verlangen trotzdem eine knackige Vorauszahlung. Zahlen die Kunden dann, ist das gewissermaßen der Supergau.

Oft tauchen im Zusammenhang mit Kontaktanzeigen Freizeitclubs statt Partnervermittlungen auf. Worin liegt der Unterschied?

Häufig einzig im Namen. De facto geht es auch bei Freizeitclubs, die mit Partneranzeigen werben, um die Partnersuche, nicht um eine Freizeitpartnersuche. Freizeitclubs versuchen juristische Lücken auszunutzen, das ging auch jahrelang gut. Mittlerweile gibt es aber eine eindeutige Rechtssprechung.

Die besagt?

Die besagt, dass Freizeitclubs und Partnervermittlungen gleichzubehandeln sind.

Welche Auswirkungen hat das?

Die Verträge zwischen den Anbietern, die als Partnervermittlungen werben, und ihren Kunden Freizeitclubverträge vorlegen, sind unwirksam, genau wie der häufig gleich mit unterzeichnete Widerrufsverzicht. Partnersuchende können dementsprechend zu jedem Zeitpunkt aus dem Vertrag aussteigen. Es handelt sich juristisch gesehen um unvollkommene Verbindlichkeiten.

Partnervermittlungen wie Freizeitclubs haben also keinen Anspruch auf die Zahlungen ihrer Kunden?

Zumindest können die Forderungen aus solchen Verträgen nicht eingeklagt werden. Wenn der Verbraucher keine Lust mehr hat zu zahlen, zum Beispiel weil er unbrauchbare Adressen erhält, dann lässt er es eben bleiben. Umgangen wird diese Rechtssprechung jedoch durch Zusatzvereinbarungen.

Welche können das sein?

Häufig nutzen Firmen sogenannte Wechsel oder Ratenzahlungsvereinbarungen. Die können als Schuldtitel für sich gültig sein. Wer sie unterschreibt, hat definitiv einen Rechtsberatungsbedarf.

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