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Immer jünger, immer betrunkener

Zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen fragte Torsten Heil den Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugend- medizin auf der Kinder- Intensivstation des ...

Zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen fragte Torsten Heil den Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugend- medizin auf der Kinder- Intensivstation des Dietrich- Bonhoeffer-Klinikums, Dr. Sven Armbrust.

Welche Erfahrung mit
alkoholisierten Kindern und Jugendlichen haben Sie in ihrer Klinik?
In der Kinderklinik des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums werden leider regelmäßig Jugendliche, aber auch Kinder, mit Alkoholintoxikationen (Alkoholvergiftung) behandelt. Hierbei präsentieren sich die Patienten in der ganzen Bandbreite bis hin zu tief komatösen Patienten. Die Orte des Trinkens sind unterschiedlich: von der privaten Feier über das Dorffest bis hin zu Diskotheken. Oft sind Begleitprobleme dabei: Prellungen oder Gehirnerschütterungen durch Sturz, aber auch häufig Unterkühlung.

Wie hat sich die Situation entwickelt?
Die Patienten sind vergleichsweise jünger und der Grad der Alkoholisierung ist stärker geworden. Leider gibt es auch immer wieder „Wiederholungstäter“.

Warum ist Alkohol für Kinder besonders gefährlich?
Alkohol ist ein Zellgift, das alle Organsysteme schädigen kann. Der kindliche Organismus reagiert viel empfindlicher auf die Vergiftung und schon geringe Mengen Alkohol können zu Bewußtseinsverlust oder Atemlähmung führen. Am drastischsten kann man die Wirkung beim frühkindlichen Kontakt mit Alkohol sehen: dem fetalen Alkoholsyndrom. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft getrunken haben, sind zumeist körperlich und geistig lebenslang geschädigt.

Welche langfristigen Auswirkungen hat kindlicher oder jugendlicher Alkoholkonsum?
Alkohol schädigt alle Organe, macht körperlich und auch seelisch abhängig und führt über die Sucht zum Verlust von Freunden, Interessen, etc. oft in die soziale Verwahrlosung.

Wenn die Kinder wieder aus der Klinik abgeholt werden, was haben sie für einen Eindruck von den Eltern, bekommen Sie die zu Gesicht?
Alkoholvergiftungen kommen in allen sozialen Schichten vor, aber Eltern sind Vorbilder. Wer als Elternteil verantwortungsvoll und maßvoll mit Alkohol umgeht, schafft eine wichtige Grundlage dafür, dass das Kind das später auch tun wird.