Leserbrief:

Auf Wiedersehen Euphorie! Bis nächstes Jahr Immergut!

Montagmorgen nach dem Immergut Festival. Plötzlich ist da dieses Loch. Wir wollten wissen, wem es noch so geht. Wollten hören, wie groß die Sehnsucht nach dem Fest ist, welche Songs, Momente und Begegnungen ihr nicht vergessen könnt. Jemand hat uns geschrieben.

Anne Breitsprecher Es knisterte bei Tocotronic. Doch die Band spielte nicht lang genug.

Du, Immergutblog … musst Du so früh am Montag in dieser Wunde rumstochern? Es gibt keine vernünftigen Worte für das, was da war und hoffentlich noch viele Jahre sein wird. Überhaupt  … Vernunft … was soll das sein? Ist es vernünftig das Gefühl zu haben, alle sympathisch lächelnde Menschen vor den Bühnen umarmen zu müssen, sich geborgen zu fühlen und einfach fallen zu lassen? Als Teil einer … nun … nicht unbedingt Jugendbewegung, aber sowas in der Art.

Oder ist es vernünftig, einfach gesittet mit dem Fuß zu wippen, sich an den Gesichtern zwar erfreuend, aber gebührend Abstand zur Euphorie bewahrend und mit Rücksicht auf die kommende Arbeitswoche mit angezogener Handbremse das ganze Spektakel nur vom Rande aus zu betrachten?

 
Pure Vernunft darf niemals siegen

Nach dem 3. Song von Tocotronic verschwinde ich im Getümmel … um mich rum dieses verschmitzte Grinsen, wildes Gehüpfe, Staub, nur scheinbar zufällige Berührungen. Die Haare von dem Mädchen vor mir streifen mein Gesicht beim Nach-vorn-gedrückt-werden. Sie duften. Ein langer Blick … funkelnde Augen.  Wieder Hüpfen, suchende Hände, Blicke, Sehnsucht … Halt suchend. Umarmen wollen … aber sich nicht trauen, weil … Vernunft … ich taumel ein wenig herum fliege von links nach rechts … lande nach einem herzlichen Bodycheck auf dem Boden … helfende Hände … noch mehr Staub und wieder dieses Gesicht, die Augen, die Haare …. wir stehen klatschend nebeneinander. Keiner traut sich was …. Aber es knistert … Phantasie … ich schließe die Augen.

Neuer Song … auch schön … Zucker … nun von der anderen Seite ein stetiges Anrempeln und mit Blickkontakt. Eine Umarmung ohne Ankündigung und Blicke … von einem freundlichen Herrn, dem offensichtlich auch nach mehr war als nur angetanzt zu werden. Lasse ihn aber höflich-herzlich abblitzen und schaue nach links … Shit … wo sind diese Haare? Panik … Herzklopfen, da ein Stück weiter vorn … der Kopf dreht sich zu mir … und … Yippieh! ich stürme hinterher und beobachte sie aus dem Augenwinkel, wie sie aus dem Augenwinkel mich beobachtet.

Dann oh Schreck  … Zugabe! Schon? … Hoffnung? … Vernunft?  …
 
Cut

Ich kürze es ab … es blieb bei Vernunft. Der letzte Ton verstummte, der Jubel ließ nach … Ich sah nach unten und schlürfte davon, drehte mich noch einmal um … sah eine Bekannte mit ihrer Begleitung reden. Mir war nicht nach reden. Mir war nach Musik, allein sein, nur mit der Nacht, dem Bier, den Mücken. Nach gefühlten zwei Stunden noch ein Abstecher ins Zelt (ausgelassene Menschen tanzen zu belangloser Musik … so mein Gefühl) und zum Birkenhain (Elektronisches Geblubber in schönem Licht). Nichts konnte mich noch mal so mitreißen … schade. Erst am nächsten Tag Drangsal, Is Tropical und Fat White Family wieder... und das Mädchen … ich hab es nicht mehr entdeckt.

Vielleicht sehe ich sie mal wieder … so wie meine Euphorie.

Ich tröste mich damit, dass Tocotronic ja noch ein paar Festivals dieses Jahr spielen. Nur ein Immergut Festival gibt es dieses Jahr leider nicht mehr. Ja, ich liebe Dich – IMMERGUT!

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Liebe Grüße

M.

 
 

Immergut Festival 2016 - Der Freitag

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