Konzertbericht:

Dillons Tourauftakt in Lissabon - oder der Zweifel am Publikum

Unser ehrenamtlicher Texter Daniel Eckardt ist zum ehrenamtlichen Auslandskorrespondenten aufgestiegen und hat es sich auf seiner nächsten Bildungsstation in Lissabon gemütlich gemacht. Sein erster Konzertbesuch im hübschen Portugal führte ihn zu Dillon. Eine Liebe, die einst auf der Fusion begann...

Dillon in Lissabon
Isabel Correia Dillon beim Tourauftakt in Lissabon.

Fein sind die Erinnerungen an den ersten erlebten Gig von Dillon vor etwas mehr als vier Jahren in der Retrospektive. Damals eröffnete Dominique Dillon de Byington - wie die Künstlerin mit bürgerlichem Namen heißt - die Hangarbühne des Fusion-Festivals an jenem recht frühen und heißen Donnerstagabend Ende Juni. Was in den Jahren danach folgte, war eine kleine persönliche Odyssee, die es uns nicht ermöglichte uns wiederzufinden.

Wortfetzen und dumpfe Bässe

So vergingen die Jahre und mit „The Unknown“ und dem Live-Album „This Silence Kills The Unknown“ erschienen zwei neue Platten im Portfolio der gebürtigen Brasilianerin. Diese erschuf durch ihr Debüt „This Silence Kills“ eine bis dato kaum bis gar nicht bekannte Musikmelange — wenngleich häufig auch Vergleiche zu Lykke Li oder Björk gezogen wurden. So beschrieb Thomas Winkler von Die ZEIT Dillons Musik einst treffend mit den Worten „zwischen Kunstlied und Elektro-Chanson“ verortet. Ihr Rezept: Wortfetzen und sich wiederholende Wortgruppen gesanglich so mit dumpfen Bässen, etwas Synthieklängen und Pianoakkorden zu arrangieren, dass eine zerbrechlich erscheinende elektronische Songstruktur entsteht. Und dies stets unter Federführung einer Stimme, die einerseits Lichtjahre entfernt wirkt und einem zugleich dennoch so nahe geht.

Prompte massenmediale Beachtung war die Folge. Doch auch im Laufe ihrer musikalischen Entwicklung blieb die Wahlberlinerin diesem Rezept treu, wenngleich ihre jüngeren Werke von einer zunehmend düster wirkenden Note geprägt sind, die zeitweilig ganz die gewohnte Leichtigkeit ihrer Stücke auszulöschen vermag. “Underground Pop“ eben, wie die Kollegen von laut.de richtigerweise konstatierten.

Drei Songs bis zum ersten feinen Track

Doch genug der Ausführungen und zurück zum Wiedersehen nach gut vier Jahren am zurückliegenden Freitagabend im Place2be für Indepedent-Musik Lissabons — MusicBox. Bereits nach dem Intro stand die Frage im Raum: War dies soeben ein Gewitter mit musikalischer Umrahmung? Stroboblitze und Soundfetzen legten eine Bejahung jener Frage nahe. Es sollten drei Songs vom zweiten Album vergehen, bis mit „You Are My Winter“ nicht nur der erste feine Track der Debütscheibe, sondern auch eine Lautstärke auf gutem Niveau erreicht waren. Vorher war es schlichtweg zu leise.

Leider kamen die catchy und sparklingartigen Synthie-Sounds eines jeden Refrains nur ungenügend durch die Soundgardine. Schade! Als kurz darauf ein in Landessprache geäußertes „Danke“ Dillons - die zumindest in ihrer frühen Kindheit mit Portugiesisch aufwuchs - anschließend mehr Beifall als die vorigen Songs erhielt, kamen erste Zweifel am beiwohnenden Publikum des Abend auf. Untermauert wurde dies wenig später durch den Fakt, dass die Crowd nur durch einmalige Text- und Melodiesicherheit zum Song „Thirteen Thirty-Five“ brillierte. Immerhin schien der Master-Lautstärkeregler nun seine Idealposition gefunden zu haben. Kombiniert mit Dillons Performance fühlte sich das Konzert langsam richtig an. Es folgte „Your Flesh Against Mine“, das mit perfekt abgestimmten Bässen und Dillons gelungener Pfeif-Einlage für das Highlight des Abends sorgte. Anschließend wurde man bei „Tip-Tapping“ Zeuge davon, dass das Publikum die Bitte „ich singe vor und dann seid ihr dran“ nicht zu verstehen vermochte.

Wer hat da am Regler gedreht?

Nach dem abschließenden Duett jenes Songs - das sich gen Ende für gewöhnlich zu einem zweistimmigen Kanon entwickelt - fand das Konzert dann seine musikalische Wende, wie sie sich zugleich zwischen Dillons Debüt und ihrem zweiten Album vollzieht. Die frohe Natur wich und fortan war der Gig von zunehmend dunkleren Sounds und getriebenen Bässen bestimmt. Diese sorgten jedoch bei „The Unknown“ dafür, das der Gig nun so vor Epos strotze, oder lag dies eher an dem erneut eintretenden Blitzlichtgewitter? Noch bevor die Zugabe ertönte, drehte jemand fälschlicherweise am Regler der Pausenmusik. Ein kurzer Blick in das verdutzte Gesicht des Soundmanagers, eine Ansage und schon ging es auf der Bühne weiter Richtung Finale. Dort endete der Tourauftakt - welcher aus kapazitären Gründen der einzige Tourgig ohne Chor sein sollte - mit jenem Song, den das Publikum doch sehr liebte. Verdient hätte es ihn nicht.

This Silence Kills The Unknown-Tour
27.09.2016 DE, BERLIN
01.10.2016 DE, MÜNCHEN
04.10.2016 AT, SALZBURG
05.10.2016 AT, LINZ
06.10.2016 AT, WIEN
08.10.2016 IT, BOLOGNA
26.10.2016 DE, HAMBURG
27.10.2016 DE, STUTTGART
28.10.2016 DE, DÜSSELDORF
29.10.2016 NL, EINDHOVEN
www.dillon-music.com
 

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