Immergute Zeltnachbarn:

Festival in Familie

Während andere am Immergut-Wochenende nur darüber gesungen haben, machten Paul und Hannah aus Berlin tatsächlich Urlaub mit den Eltern, nur nicht in Italien, wie es in der Festival-Hymne von Erobique heißt, sondern in Neustrelitz, und nicht '86, sondern im Hier und Jetzt.

Anne Breitsprecher Hannah (v.l.), Paul, Susi und Holger fahren seit sechs Jahren in Familie auf das Immergut Festival.

Sonntagmorgen auf dem Immergut Festival 2016. Die Sonne brutzelt die geschundenen Körper so langsam aus dem Zelt. Der Nachbar brutzelt Eier mit Speck. Irre. Holger ist gut vorbereitet. Neben riesigen Wasserkanistern, mit denen er schon einmal den halben Zeltplatz versorgt habe, wie er sagt, hat er unter anderem ein gemütlich aussehendes, luftgefülltes Sofa dabei. Auch eine Außendusche ist am Start sowie ein schöner Esstisch für mindestens sechs Menschen unter einer schützenden Markise und einen voll ausgestatteten Wohnwagen nennt er sein Eigen. Nicht zu vergessen die Kochstelle, an der er gerade die Bohnen in Tomatensoße in einen Topf gibt.

Es ist offensichtlich: Holger hat Erfahrung. Die Iglu-Zelt-Einweggrill-Phase liegt hinter ihm. „Wir sind früher große Roskilde-Fans gewesen“, erzählt der Berliner, während er den Speck auf die Spiegeleier verteilt. Wir, das sind er und seine Frau Susi. Aber mit Kindern, sei das Mega-Event in Dänemark irgendwann nicht mehr machbar gewesen, erklärt Holger weiter. Seine Kinder: die 13-jährige Hannah und der 16-jährige Paul kommen gerade aus dem Wohnwagen. Die beiden Teenager sind in einem Alter, in dem sie sich wehren könnten. Anders als andere Kids auf dem Festivalgelände, die so minderjährig sind, dass es kriminell wäre, sie zu Hause zu lassen oder so klein, dass sie noch gar nicht geboren wurden. Aber Hannah und Paul kommen mit zum Immergut und das schon seit sechs Jahren. „Damals haben An Horse gespielt“, erinnert sich Holger. „Die Band hat den Kindern bei ihrem Auftritt noch Kopfhörer zum Schutz gegeben. Wisst ihr noch?“, fragt Susi in Richtung Hannah und Paul. Beide nicken etwas schüchtern. Zu der Zeit seien sie fast die einzigen Kinder auf dem Festival gewesen, sagt Hannah.

Und? Ist es auch mal peinlich mit so offensichtlich coolen Eltern unterwegs zu sein? „Wenn sie anfangen abzugehen, dann schon“, gesteht die 13-Jährige. Aber das sei nur früher manchmal unangenehm gewesen. Die Frage, ob sie mittlerweile selbst abgehen, wird verschämt weggelächelt. Pseudohippe Tantenfrage. Was die Berliner Familie vom Immergut überzeugt? „Das Line-up ist super, alles ist nicht zu groß und so persönlich, kompakt und nett“, fasst Holger zusammen. Nicht alle Festivals sind außerdem so familienfreundlich.

In diesem Jahr hat ihn und Susi besonders der Auftritt von White Wine überzeugt. Den haben sie schon einmal beim Jenseits von Millionen gesehen - „so intensiv“. Für Hannah waren ganz klar Peter, Björn und John die Favoriten und Paul fand Drangsal am coolsten. „Ich steh eher so auf Rock. Mir wird hier ein bisschen zu viel Elektro gespielt“, sagt der 16-Jährige. Mittlerweile ist das Familienfrühstück fertig und gleich kommen die Freunde von Rügen, die sie hier auf dem Immergut Festival kennengelernt haben und seither jedes Jahr in Neustrelitz treffen. Über allem der irre Duft von frischen Eiern und knusprigem Speck.

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