Interview mit Daniela Reis und Fritzi Ernst:

Schnipo Schranke auf Liebes-Mission

Geliebt werden, wer will das nicht?! Daniela und Fritzi von Schnipo Schranke haben das zum offiziellen Bandziel erklärt. Beim Immergut Festival 2016 scheinen sie dem schon ganz schön nah gekommen zu sein. Das allerdings machte die beiden vor ihrem umjubelten Gig dann doch etwas nervös, wie sie in unserem Interview durchblicken ließen. Sweet.

Anne Breitsprecher Wir sind immer noch ganz verzückt von Fritzi (links) und Daniela alias Schnipo Schranke.

Parallel zum Immergut Festival fand gerade ein Radrennen statt. 300 Kilometer, einmal hier durch die Seenplatte und auch an Neustrelitz vorbei. Ein Freund hat mitgemacht und ist zwölf Stunden Radgefahren und er hatte einen Ohrwurm, und zwar „Pisse“. Das läuft hier auf dem Festivalgelände überall seit wir hier angekommen sind.

Fritzi: Das erhöht den Druck überhaupt nicht. (beide lachen) Oh Gott!

Es sind alle ziemlich heiß auf euch.

Daniela: Oh Gott.

Wir haben uns gefragt 300 Kilometer Radtour, wäre das auch was für euch?

Beide: NEIN.

Fritzi: Also, ich fahr voll gerne Fahrrad in der Stadt, aber eher  um von A nach B zu kommen und weil ich nicht gern U-Bahn fahr.

Daniela: Allein Sport um des Sports Willen, das geht nicht in meinen Kopf rein.

Ente (Bandmitglied + Danielas Ehemann): Wo es so auf Ausdauer geht, wo man sich hinterher so fühlt, als hätte man einen Todesmarsch hinter sich, das find ich auch gruselig.

Fritzi: Nee, wir sind nicht so sportlich.

Wäre jetzt also nicht so eure Idealvorstellung von einer Fahrt ins Grüne?

Daniela: Nee, überhaupt nicht. Meine Idealvorstellung ist, dass man am besten noch mit dem Wohnmobil irgendwo hinfährt, wo Sonne ist und ein See. Und dann einfach kiffen und chillen.

Habt ihr einen Lieblingsort, an den es euch zieht, wenn ihr ins Grüne wollt?

Fritzi: Wir waren gerade im Studio in Reichenow, das ist in Brandenburg.

Daniela: Da war so ein Badesee. Das hat uns total gutgetan. Das war perfekt.

Hier gibt es ja auch viele Seen in der Nähe. Ihr ward aber noch nicht baden heute.

Daniela: Nee, wir sind ja noch gar nicht so lange hier.

Ente: Die Müritz ist das hier, oder?

Ihr seid hier in der Mecklenburgischen Seenplatte. Land der tausend Seen heißt das.

Fritzi: Auf der Fahrt hierher hab ich auch ein paar gesehen.

Ist es das erste Mal, dass ihr in Neustrelitz seid?

Daniela: Ja. Ich glaub schon.

Fritzi: Wir wissen das ja immer nicht so. (lacht)

Wenn ihr vom Studio sprecht, wie weit seid ihr denn mit Album Nummer 2?

Daniela: Das Grundgerüst steht, kann man sagen.

Fritzi: Piano und Schlagzeug sind schon aufgenommen. Es fehlt halt noch Stimme und so’n Kram.

Hat sich eure Arbeitsweise in irgendeiner Form verändert, seit ihr zum Thema und bekannt geworden seid? Ihr habt gesagt, Langeweile sei ein Antrieb für euch gewesen bei Vielem. Die habt ihr ja vielleicht in der Form gar nicht mehr.

Daniela: Es kommt immer darauf an… Jetzt gerade wäre ich so voll nicht im Textmodus. Ich wüsste gerade überhaupt nicht, was ich singen will. Das ist natürlich nicht mehr so, dass man zu Hause darauf wartet. Aber es kommt halt genauso wie früher, nur dass man vielleicht gerade unterwegs ist. Ich hab zum Beispiel die Texte für das jetzige Album auf der sechswöchigen Tour geschrieben.

Was inspiriert euch denn?

Daniela: Unser eigenes Scheitern größtenteils. Ich glaube, dass sich jedes Lied, das gut ist, ums Scheitern  dreht – gerade in der Popwelt.

Aber jetzt seid ihr ja eigentlich recht erfolgreich.

Fritzi: Ja, aber gerade so im Privaten bleibt man halt, wer man ist und es war ja auch ganz am Anfang, als wir die Band gegründet haben und zu Hause rumgehangen haben und nichts gemacht haben so. Das ist natürlich jetzt anders, weil wir ab und an Konzerte haben. Aber wenn man halt nach Hause kommt, dann ist es wieder genauso scheiße.

Daniela: Diese Post-Tour-Depression ist auch echt kein Klischee oder so. Jeden Abend bist du der Wichtigste und Größte.

Fritzi: Du hast halt jeden Abend Endorphine.

Und die Zeit ist so kurz, in der du dann gefeiert wirst.

Daniela: Und es ist dir auch unangenehm in dem Moment, in dem du gefeiert wirst. Es ist ja gar nicht so, dass du denkst: „Oh, jetzt genieß ich das total“.  Sondern eher so, geh mal weg, ich will nach Hause. Und wenn man dann zu Hause ist, dann denkt man, ich weiß, dass ich jetzt erfolgreich bin, aber ich spür das gerade nicht. Ich fühl mich trotzdem einsam und weiß nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll.

Wie bereitet ihr euch denn auf Auftritte vor? Habt ihr ein Ritual?

Fritzi: Nee, gar nicht. Wir versuchen uns nicht so sehr einen Kopf drum zu machen und einfach die Aufregung unten zu halten, weil es dann eh meistens anders wird, als gedacht.

Auf dem Immergut-Zeltplatz lauft ihr rauf und runter. Empfindet ihr dadurch tatsächlich Druck?

Fritzi: Mit Erwartungen ist das so eine Sache. Wie willst du denn damit umgehen?

Daniela: Entweder, du drehst durch und gehst gar nicht auf die Bühne oder du machst es halt wie immer. Was sollen wir denn machen? (lachen)

Was ist denn wie immer? Wie würdet ihr eure Live-Qualitäten beschreiben? Kann man die an irgendwelchen Kriterien festmachen?

Daniela: Ich möchte es echt nicht wissen. Wenn ich irgendwo Aufnahmen von uns sehe, dann denke ich entweder: „Ach, du Scheiße!“ oder „Oh geil, sieht das professionell aus“.

Fritzi: Wenn irgendwer was auf Youtube gestellt hat und das tight ist, dann freut man sich und teilt das auf Facebook, aber mehr kann ich dazu dann auch nicht sagen, glaub ich.

Daniela: Ich weiß halt nur, dadurch, dass wir selber überhaupt nicht drin sind in der Szene, weil wir auch gar nicht viel auf Konzerte gehen und auch früher nicht gegangen sind, kann ich mir halt vorstellen, dass das den Charme des Unbeholfenen hat, weil wir nicht so Ansagen machen, wie „HEY, Rock am Ring! Was geht ab?!“

Fritzi: Dann lieber gar nichts sagen. Das machen wir dann auch einfach, wenn uns grad nichts einfällt, dann hält man halt einfach die Fresse. Verlegenheitssachen sind immer schlimm.

In einem anderen Interview habt ihr gesagt, eure Mission ist, dass euch alle lieben sollen.

Daniela: Ja.

Fritzi: Auf jeden Fall.

Wie weit seid ihr damit gekommen?

Daniela: Das ist ein Unterschied, ob du auf Tour bist oder zu Hause.

Fritzi: Zu Hause bekommt man da nix von mit.

Daniela: Auf St. Pauli wird man schon mal erkannt, aber das ist ja keine Liebe, sondern Sensationsgeilheit, die einem entgegenschlägt.

Wollen die dann Selfies mit euch machen?

Daniela: Nee, das zum Glück nicht. Auf St. Pauli würde man das auch nicht machen. Weil da laufen auch so viele rum. Wenn das Touris sind vielleicht, aber ich geh Samstagnacht auch nicht raus. Weil es zu voll ist. Nicht wegen mir, sondern weil es eh ätzend ist. Weil man dort Touristengruppen trifft und Junggesellenabschiede.

Euer Umzug von Frankfurt an die Alster vor wenigen Jahren scheint ja fast eine Befreiung gewesen zu sein. Aber fühlt ihr euch in Hamburg noch genauso wohl?

Fritzi: Mega.

Daniela: Total.

Fritzi: Ich feiere es immer noch, wenn ich dran denke. Ich find’s gut.

Also, zurück aufs Land ist erst einmal keine Option?

Fritzi: Nee. Aber ich hab auch nie auf dem Land gewohnt.

Daniela: Ich möchte so gern ein Haus am See haben. Das geht nicht anders als auf dem Land. Aber vielleicht kann man ja irgendwann mal beides haben. Stadtwohnung und ein Haus am See.

Fritzi: Im Sommer aufm Land und im Winter auf Tour.

Daniela: Aber jetzt gerade macht es keinen Sinn. Ich glaube, dass jetzt gerade nicht die Zeit ist, nicht auf St. Pauli zu sein. Irgendwann kommt bestimmt die Zeit, wo ich sicher froh bin, wenn ich mal ein paar Jahre wieder aufm Land bin.

Ihr habt im Interview, das im Immergut-Begleitheft erschienen ist, gesagt, dass Festivals und auch die ganzen Leute hier, eigentlich so überhaupt nicht eurer Ding sind und länger als 30 Minuten könnt ihr euch Musik dann auch nicht so intensiv geben. Habt ihr euch das Line-up trotzdem angeguckt? Gibt es wen, der euch interessiert, wo ihr sagt, die 30 Minuten kriegt der?

Daniela: Na ja, ich würde Drangsal gerne mal angucken, weil Stephan Rath von Buback ja irgendwie Papa da ist. Aber der spielt leider auch direkt nach uns auf einer anderen Bühne. Vielleicht können wir da die letzten Minuten mitnehmen.

Fritzi: Aber sonst ist alles Scheiße (Alle lachen herzhaft) – und Drangsal vielleicht auch.

 

P.S. Die Fragen stellten Christine Fratzke und Anne Breitsprecher.

Veranstaltungshinweis!

Am Sonntags, 3. Juli, spielen Schnipo Schranke auf dem Fusion Festival in Lärz. Los geht es 22:30! Und ja, die Fusion ist ausverkauft, aber es gibt für den Sonntag noch Tageskarten.

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