Immergut Festival 2016:

„Urlaub, Urlaub in Italien...

… mit den Eltern '86“... Carsten „Erobique“ Meyer hat es geschafft, das Immergut Festival 2016 mit einer Songzeile zusammenzufassen. Für die Erklärung brauchen wir dann aber doch ein paar mehr Sätze.

NIna Sartorius Freude in Reihe eins bei Vita Bergen...

Samstag gegen 2.06 Uhr in Neustrelitz. Der erste Tag liegt hinter den Besuchern des Immergut Festivals 2016. Auf der mit Wimpeln geschmückten Bühne am Birkenhain pöbelt Carsten Meyer alias Erobique Richtung Hauptbühne, die Tocotronic nach neun Jahren Immergut-Abstinenz einfach nicht verlassen wollen. Songfetzen ihres Titels „Freiburg“ hallen herüber... Ich weiß nicht, warum ich euch so hasse, singt Dirk von Lowtzow... „Warum hasst du uns denn so, Dirk?“, fragt Meyer durch das Mikrophon zurück. „Weil ich gewonnen hab beim Backgammon gegen dich, Jahr für Jahr?“ ... Ich bin alleine... „Er ist wirklich ganz alleine“, erzählt Schnauzbartträger Erobique seinem gierig wartenden Publikum. Die Leute feiern Meyer für seine Ansagen. „Kein Wunder, dass auf deinen Parties die Leute nicht tanzen, wenn du sowas singst. Du musst Liebe und Freundschaft streuen“, legt er an Lowtzow gewandt nach und erntet dafür tosenden Applaus.

 

Erobique übernimmt das Streuen ohne zu zögern. Er hat die Happiness-Gefühlsmühle dabei und lässt Liebe und Freundschaft auf seine breit grinsenden Zuschauer rieseln. Jetzt ist Meyers Stunde. Seine heiteren Elektro-Klänge gepaart mit kindlichen Tönen aus der Melodica und schräg vorgetragenen nüchtern-komischen Texten, lassen innerhalb kürzester Zeit Menschen zum Sprung von der Bühne in die Menge ansetzen. Wie auf verrückten Eisenbahnschienen werden lächelnde Leute sanft auf Händen getragen. Der fröhlichste Schienenersatzverkehr EVER. Da ahnt es noch niemand, aber es ist vor allem eine Textzeile, die den Passagieren des Train Erobique nach dieser Nacht nicht aus dem Kopf gehen wird: „Urlaub, Urlaub in Italien – mit den Eltern - '86“. Ein improvisiert wirkender Song über die Erinnerungen an Erobiques Ferien mit Vater und Mutter Meyer in Rimini im zarten Alter von 13 Jahren, die heimliche Hymne des Immergut Festivals 2016.

 

Es scheint in diesem Augenblick, als wären alle dabei gewesen, als der kleine Carsten damals unter der italienischen Sonne das erste Mal verliebt war. Erobique trifft mit seiner Weise mitten in die Herzen. Kein Wunder! Passt ja auch. Für einige Kleinkinder ist das Immergut Festival 2016 der erste Urlaub mit den Eltern, für andere der erste Urlaub ohne. Und wieder andere kommen Jahr für Jahr, um Unbeschwertheit, Freiheit und Jugend nicht völlig zu den Akten zu legen. Die Sonne brennt an diesem Wochenende so heiß, als läge Neustrelitz an der Adria. Es wird geknutscht, gefeiert und getanzt, als wäre es das erste Mal und als würden die Eltern gerade nicht hinsehen.

 

An die 5000 Menschen vereint durch die Erfahrung, den Weg zum See und durch die Seerosen gefunden zu haben, um sich eine Abkühlung nach dem heißen Erwachen im Zelt zu verschaffen. Eins durch das gemeinsame Springen zum genialen Krach von Fat White Family. Vereint durch die Diskussion, ob Tocotronic nun genial oder unnötig waren. Zusammen durch das gemeinsame Lachen bei der Lesung von Stefanie Sargnagel, die mit elegant-elitärem Wiener Schmäh über ihre Erlebnisse als Mitarbeiterin eines Callcenters berichtet. Das Mitgrölen zu Jochen Distelmeyers Chart-Show fiel auch nicht schwer, präsentierte der Blumenfeld-Frontmann auf Solopfaden mit einem Mix aus Rhianna, Britney & Co. doch eine Auswahl der bekanntesten Radio-Smasher der Neuzeit. Selbst wenn man beim Auftritt von Get Well Soon und seinen Liedern über Liebe kurz nachdenklich und melancholisch wurde oder Durchstarter Drangsal gut, aber gar nicht sooo provokant fand. Und selbst wenn man White Wine verpasst hat und sich hinterher anhören musste, dass die genial waren und man Schnipo Schranke bei ihrem Auftritt nur anstrahlen konnte vor lauter Freude über ihren Überhit „Pisse“ – niemand musste beim Immergut Festival 2016 mit diesen Gefühlen und Eindrücken allein sein. Erst recht nicht bei „Isolation Berlin“. Es fand sich immer eine vertraute Seele, die die Indie-Rocker von Vita Bergen ähnlich scharf fand, zu Suuns gerne im Zelt getanzt hätte oder jemand, der dem schnell redenden Peter Licht bei seiner Lesung auch nicht zuhören wollte und lieber ein Eis geholt hat. Was Liima vorher geraucht haben, bevor sie den Platz vor der Hauptbühne in einen abgefahrenen Rave verwandelten, wird wohl nicht in der Gruppe zu klären sein, aber dass beim Best-of der Indie-Hymnen von Maximo Park alle gern mitgesungen haben, war ganz offensichtlich.

 

Immergut – Immergut in Neustrelitz – mit den Freunden – 2016. Ganz schön perfekt.

 

 

Immergut Festival 2016 - Der Samstag

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