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Artikel vom 03.09.2010


Erst einmal abwarten
und nicht gehen
Liebe. Landleben und Jugend sind manchmal zwei Paar Schuhe.

Von Silvio Witt

Tobias Schmidt fühlt sich in MV wohl. Hier lebt und arbeitet er und hier würde er auch gern den Mann fürs Leben finden. Foto: Silvio Witt
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Schwinkendorf. Das wirklich Größte an Schwinkendorf – irgendwo auf dem flachen Land zwischen Malchin und Waren – ist die Kirche. Sie überragt alles und wirkt auf ihre Art viel zu mächtig für das beschauliche Dorf. Gleich daneben wohnt Tobias Schmidt. Der junge Mann lebt im Hause seiner Großeltern. Disco, Konzerte, Clubs und Partys – das alles scheint von diesem Ort meilenweit entfernt zu sein. Trotzdem liebt Tobias seine Heimat und will hier nicht unbedingt weg.

Doch mehr als nur die eingeschränkten beruflichen Perspektiven könnten ihn aus der Region locken. Vor allem die Liebe wäre ein Grund, Dorf gegen Großstadt einzutauschen. Denn Tobias ist schwul und daran trägt man auf dem Lande in vielerlei Hinsicht schwer. „Bevor ich mich geoutet habe, war da immer ein komisches Gefühl im Bauch, wie die Leute wohl regieren würden“, erinnert sich der 20−Jährige. Man habe ihm dies wohl schon lange angemerkt und so kamen „hier und da schon mal ein paar dumme Sprüche.“

Mit 15 gab er sich einen Ruck und erzählte seiner Mutter davon, wie er fühlt. Ein kurzes „Bist Du Dir sicher?“ war die Reaktion. Dann passierte erst einmal gar nichts, erinnert er sich. Heute ist sein Schwulsein zu Hause kein Thema mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit. „Selbst für meine Großeltern“, freut sich Tobias.

Doch auch im familiären Umfeld kennt er Ressentiments. Diesen begegnet er heute mit Selbstbewusstsein. Eine Stärke, die wohl noch aus den Tagen des Coming Outs in der Schule oder auch bei Bekannten im Ort herrührt. Mit der Liebe ist es als Schwuler auf dem Land da schon schwieriger.

„Die ersten Dates habe ich über Chat−Communities im Internet kennen gelernt. Ich glaube, aus Neustrelitz stammte meine erste Verabredung“, erinnert sich der gelernte Kaufmann für Tourismus und Freizeit. Doch der Richtige sei hier noch nicht dabei gewesen. Oftmals bleibe es unverbindlich und einmalig. Doch danach suche er nicht.

Und irgendwie scheint Tobias zielorientierter und „normaler“ als seine Altersgenossen. Seine Woche besteht aus sechs Tagen Arbeit in einem Warener Hotel, Freunde am Stammtisch treffen und hier und da mal eine Feier. „Bei einem solchen Pensum ist es schwer, den Richtigen zu finden“, weiß er. Verstellen möchte er sich aber eben nicht. In Berlin wäre es zwar leichter, jemanden zu finden, jedoch sei er eben ein Landmensch.
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