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Mecklenburg-Vorpommern

Artikel vom 29.07.2010


Tauwetter im Winterland
Bilanz. Fehlende Gäste, fragwürdige Förderung, Insolvenz: Die Skihalle stand von Beginn an auf unsicherem Fundament.

Von Torsten Roth

Schwerin. Es sollte das Schneeparadies in der norddeutschen Tiefebene werden, mit 30 000 Quadratmetern Pistenflächen und der nach eigenen Angaben weltweit ersten überdachten Halfpipe-Piste für Snowboarder im Wettkampfformat – Schneespaß an 365 Tagen im Jahr. Von wegen: In dem Winterwunderland setzte schon wenige Monate nach der Eröffnung 2006 Tauwetter ein.

Die Gäste blieben weg, tageweise wurde der Standort geschlossen. Montags hatten die Pistenbetreiber gerade 200 Gäste gezählt. Damit könne man nicht kostendeckend wirtschaften, meinte der damalige Geschäftsführer Hans-Gerd Hanel. Verwunderlich: Zuvor hatte der Betreiber stets damit um Fördermittel geworben, dass gerade im Sommer mit zahlreichen Gästen in der kühlen Skihalle zu rechnen sei.

Zudem war für die umstrittene Freizeitanlage, deren Bau sich mehrmals wegen Finanzierungsproblemen verschoben hatte, ursprünglich ein neues, kostensparendes Kühlverfahren für den ganzjährigen Skispaß entwickelt worden. Fehlkalkulation: Später begründen die Betreiber ausgerechnet mit der enormen Kostenbelastung im Energiebereich die tageweisen Schließungen. Genützt hat es nichts: Nur eineinhalb Jahre nach dem Start musste die Halle wegen Auslastungsproblemen Insolvenz anmelden.

Der Snow Funpark war 2006 eröffnet worden, doch blieben die Besucherzahlen von Beginn an deutlich unter den prognostizierten 900 000 Gästen. Gezählt wurden seinerzeit 638 000, davon ging nur jeder zweite auf die Piste. Und da soll, so spotten Branchenkenner, schon jeder Gast mitgezählt worden sein, der auch nur in die Nähe der Halle kam.

Dabei waren die Auslastungsprobleme absehbar gewesen. So machten sich die nur 100 Kilometer auseinander liegenden Skihallen in Wittenburg und im niedersächsischen Bispingen gegenseitig die Besucher streitig. Den Zusammenbruch konnten schließlich auch massive Finanzhilfen des Landes nicht verhindern.

Die 75 Millionen Euro-Investition war mit 15 Millionen Euro vom Land finanziert worden. „Politisch motivierte Förderung“, hatte die FDP nach dem Zusammenbruch der Halle ausgemacht und eine Debatte über den Einsatz von Fördermitteln unter anderem im CD-Werk Dassow und im Zukunftspark Nieklitz ausgelöst.

Vor allem in der Kritik: der damalige Bau- und vorherige Wirtschaftsminister Otto Ebnet (SPD). So sollen zu Gunsten einer maximalen Zuschusshöhe Kriterien herangezogen worden sein, die durch die eigenen Förderrichtlinien des Landes nicht gedeckt waren.

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