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Kaffee-Kapseln als kleiner Hoffnunsfunke für MV

VonFrank PfaffNestlé investiert in Schwerin 220 Millionen in eine Fabrik für Kaffee-Kapseln. Solche Großprojekte sind nach Meinung von Wirtschafts-experten ...

Morgen legt die Kanzlerin den Grundstein für Werk.  FOTO: Jens Büttner

VonFrank Pfaff

Nestlé investiert in Schwerin 220 Millionen in eine Fabrik für Kaffee-Kapseln. Solche Großprojekte sind nach Meinung von Wirtschafts-
experten nötig, um den Osten voranzubringen.

Schwerin.Monatelang haben Bagger und Planierraupen den Boden bereitet. Inzwischen lassen die Fundamente die Ausmaße der riesigen Produktionshalle erahnen. Im Süden Schwerins entsteht ein Werk für Kaffee-Kapseln. Die Fabrik soll in gut einem Jahr die Absatzmärkte in Deutschland sowie Nord- und Osteuropa mit Kaffee-Pads versorgen, die immer beliebter werden, wegen des Verpackungsmülls aber auch umstritten sind. Zwei Milliarden Stück pro Jahr ist die angestrebte Produktionsmenge.
Derlei Großprojekte gelten als Glücksfall, vor allem für die industriearmen Regionen in Ostdeutschland. „Der Schock der weltweiten Wirtschaftskrise ist überwunden. Es wird wieder investiert, aber in überschaubarem Rahmen und meist in die Erweiterung vorhandener Anlagen. Als Investition auf der grünen Wiese ist das Nestlé-Werk geradezu ein Leuchtturm“, sagt Roland Herrmann von Germany Trade and Invest (GTAI). Die bundeseigene Gesellschaft wirbt weltweit um Investitionen. 2011 bahnte sie laut Aufbau-Ost-Bericht Projekte ausländischer Unternehmen im Umfang von insgesamt 220 Millionen Euro an. Allein daran zeigt sich die Dimension des Nestlé-Projekts in Schwerin.
Das dürfte auch ein Grund sein, weshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vier Monate vor der Bundestagswahl zur Grundsteinlegung kommt. Abgesehen von den Steuermilliarden, die in die Modernisierung der Werften an der Ostsee flossen, gilt das Nestlé-Werk als größte Einzelinvestition in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990.

Osten profitierte wenig
von Großinvestitionen
Doch wie im Nordosten will auch in vielen anderen Teilen Ostdeutschlands die Industrie nicht in Fahrt kommen. Vermeintliche Zukunftsbranchen wie die Solartechnik mutierten zu Sorgenkindern. Und von Großinvestitionen deutscher Konzerne habe der Osten gerade in den letzen Jahren eher wenig profitiert, stellt Professor Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) in Halle fest.
„Sachsen hatte Glück, dass nach VW und Porsche auch BMW von 2001 an für gut eine Milliarde Euro ein Werk in Leipzig baute, das nun noch erweitert werden soll“, sagt er. Schwerin hatte seinerzeit gegen Leipzig den Kürzeren gezogen. Wie Ludwig konstatiert auch Herrmann, dass vor allem an etablierten Standorten – häufig den Konzernstammsitzen im Westen – kräftig investiert wird.
Für Mecklenburg-Vorpommern ist die Nestlé-Investition ein Hoffnungsfunke. Die Werften, vormals industrielles Rückgrat im Küstenland, heute krisengeschüttelt, bauten ihre Belegschaften von einst 29 000 auf mittlerweile kaum mehr 3000 Mitarbeiter ab. Das Land setzt auf einen langfristigen Strukturwandel – und Nestlé ist ein Baustein.
„Das ist eine wichtige Investition für die Landeshauptstadt Schwerin und für ganz Mecklenburg-Vorpommern“, betont Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Die Ernährungswirtschaft habe sich im Nordosten zu einem der stärksten Wirtschaftszweige entwickelt. „Und diese Branche wird durch die Ansiedlung von Nestlé weiter gestärkt“, ist er überzeugt.