Neu im Kino:

Durch Zeit und Raum: Planet Deutschland – 300 Millionen Jahre

Vielleicht zum ersten Mal wagt eine Doku, Deutschland in allen Facetten einzufangen. Der Crashkurs in Sachen Geografie und Geschichte bleibt trotzdem überraschend übersichtlich. Und manch ein Zuschauer, der sich aufgrund der zunehmenden Ebbe im Portemonnaie von seinen Traumreiseplänen verabschieden musste, findet womöglich ein halbwegs adäquates Ersatz-Urlausziel unweit seiner eigenen Haustür.

Der Neandertaler in einer Szene des Kinofilms "Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre"
Polyband Medien Der Neandertaler in einer Szene des Kinofilms "Planet Deutschland - 300 Millionen Jahre".

Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute doch so nahe liegt? Diese Devise scheint in den letzten Jahren für viele einheimische Dokumentarfilmschaffende zu gelten, die nicht länger strapaziöse Reisen in ferne Länder auf sich nehmen, um dort ihr Material zu belichten. Deutschland ist in den Mittelpunkt des cineastischen Interesses gerückt. Die Nordsee, die Ostsee, der Rhein und sogar Bayern wurden im Zuge dieses Trends zumeist aus der Vogelperspektive erkundet. Nun widmet sich ein sehenswerter Film gleich dem deutschen Gesamtkunstwerk und erforscht Land und Leute nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch im Laufe der Jahrmillionen.

Max Moor, seines Zeichens Moderator der hochkulturellen TV-Institution „ttt – titel, thesen, temperamente“, führt das Publikum mit seiner sonoren Stimme und seinem unnachahmlichen Tonfall durch Zeit und Raum. Regisseur Stefan Schneider („Konrad Adenauer – Stunden der Entscheidung“) fährt alles auf, was das Medium Dokumentarfilm zu bieten hat: Helikopterflüge, Zeitlupen und Zeitraffer, gespielte Szenen und aufwändig computeranimierte Sequenzen wechseln einander ab und machen komplexe Zusammenhänge sichtbar. Immer wieder springt die Geschichte in der Zeit umher, macht die Fossilien der Grube Messel und die Neandertaler lebendig, um sich kurz danach in den turbulenten Kölner Innenstadttrubel zu stürzen. Dem Wattenmeer, dem Elbsandsteingebirge und dem Spreewald wird ebenso ein Besuch abgestattet wie den Landschaften der Urzeit, die für unsere Kohlevorräte sorgten. Es wird auch deutlich, dass diese Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Die Natur ist in ständigem Wandel begriffen und sie regeneriert sich. Wenn unsere forstwirtschaftlichen Monokulturen einen dankbaren Nährboden für Schädlinge abgeben, wird nur dem Urwald der Zukunft Geburtshilfe geleistet. Nur wir, die Menschen, scheinen entbehrlich.    André Wesche

Wertung
Anspruch: 3
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 0

Bundesstart: 02. Oktober 2014
Genre: Dokumentation

Mehr Infos unter: www.planetdeutschland-derfilm.de

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