Neu im Kino:

Fremd im eigenen Land: Mein Herz tanzt

Der Schöpfer der Filme „Die syrische Braut“ und „Lemon Tree“ hat sich immer darauf verstanden, die internationalen Zuschauer ungefiltert und intensiv in das Leben der Menschen einer Krisenregion eintauchen zu lassen. Damit tut der israelische Regisseur Eran Riklis mehr für das gegenseitige Begreifen, als es jede Dokumentation und jede Tagesschaureportage könnte.

Eitan Riklis/NFP/dpa Tawfeek Barhom als Eyad in der Klasse in einer Szene des Kinofilms "Mein Herz tanzt". Das Drama kommt am 21.05.2015 in die deutschen Kinos.

Die lebensfrohe Sippe, die man zu Beginn des neuen Werkes von Eran Riklis kennenlernt, ist einem von Anfang an näher als manches Familienkonstrukt aus dem aktuellen deutschen Kino. Anfang der 1980-er Jahre. Der palästinensische Junge Eyad (Tawfeek Barhom), der mit seiner Familie im israelischen Tira wohnt, ist blitzgescheit. Im Lebensmittelmarkt erspart er dem Inhaber gern die Zuhilfenahme der Rechenmaschine. Die Intelligenz hat Eyad von seinem liebenden Vater Salah geerbt, der sich ein Leben lang politisch engagiert und sich dementsprechenden Ärger eingehandelt hat. Fragt man Eyad, welcher Beschäftigung sein Papa nachgeht, behauptet er nicht ohne Stolz, der sei Terrorist. Der jüdische Junge, der im Rahmen eines amerikanisch initiierten Begegnungsprojekts ins Haus der Familie kommt und eigentlich nur Arafat und Sharon spielen möchte, bringt daraufhin keinen Bissen mehr runter.

Anfeindungen durch Mohammed-Schmählied

Einige Jahre später wird Eyad überraschend von der renommiertesten Universität des Landes angenommen. Dort ist er als Muslim der einzige seiner Art. Die meisten Menschen begegnen ihm freundlich, aber er wird auch mit einem Mohammed-Schmählied angefeindet. In dem schwer kranken Yonatan (Michael Moshonov), der an den Rollstuhl gefesselt ist, findet Eyad eine verwandte Außenseiter-Seele. Die Mutter des Jungen wird ihm zu einer engen Freundin. Als Eyad von Amors Pfeil getroffen wird, fangen die eigentlichen Komplikationen erst an. Naomi (Danielle Kitzis) ist Jüdin und die aufkeimende Beziehung muss geheim gehalten werden. Was natürlich nur eine begrenzte Zeit lang funktioniert.

Humor und Melancholie in einem Film

Der Film „Mein Herz tanzt“ basiert auf dem autobiografisch angehauchten Roman „Tanzende Araber“ von Sayed Kashua. Die Geschichte, die Eyad über mehrere Jahre hinweg begleitet, beginnt mit viel Humor, um sich zunehmend melancholisch einzufärben. Der Zuschauer erlebt hautnah mit, was es bedeutet, in einer geteilten Gesellschaft nach der eigenen Identität zu suchen und mit dem umzugehen, was man findet. Ein wunderschöner, bewegender Film, in dem Musik eine wichtige Rolle spielt. Der Soundtrack zur Versöhnung aber lässt weiterhin auf sich warten.    

Verleih: NFP / Filmwelt    
Bundesstart: 21. Mai 2015      
Genre: Tragikomödie
Mehr Infos unter: www.meinherztanzt-derfilm.de

Wertung

Anspruch: 2
Spannung: 3
Action: 2
Humor: 2
Erotik: 1

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