Familientragödie verfilmt:

Wahres Justizdrama auf der großen Leinwand

Warum musste Kalinka sterben? Für ihren Vater André Bamberski ist die Antwort klar: Ihr Stiefvater hat sie getötet. Jahrzehntelang kämpft der Franzose für Gerechtigkeit und greift letztlich zur Selbstjustiz.

Sebastian Koch als Dieter Krombach (links) und Daniel Auteuil als André Bamberski sind die Kontrahenten im Film. „Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“ läuft ab dem 20.Oktober in die deutschen Kinos.
Koch Media Sebastian Koch als Dieter Krombach (links) und Daniel Auteuil als André Bamberski sind die Kontrahenten im Film. „Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“ läuft ab dem 20.Oktober in die deutschen Kinos.

Am 10. Juli 1982 gerät für André Bamberski die Welt aus den Fugen – seine Tochter liegt tot im Bett. Die Umstände sind mysteriös. Ihr Vater ist jedoch überzeugt: Der Stiefvater hat die 14-Jährige in seinem Haus in Lindau am Bodensee missbraucht und getötet.

Jahrzehntelang kämpft der Franzose Bamberski darum, den Arzt Dieter Krombach ins Gefängnis zu bringen und greift sogar zur Selbstjustiz. Ein erschütterndes deutsch-französisches Justizdrama, das der Regisseur Vincent Garenq nun ins Kino bringt mit Daniel Auteuil und Sebastian Koch in den Hauptrollen. „Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“ gewährt Einblicke in die Psyche eines Vaters, der für den Kampf um Gerechtigkeit sein gesamtes Leben opfert und am Ende vor der Frage steht, was er dadurch gewonnen hat.

Was steckt nicht alles in dieser Geschichte, die auf einer erschütternden Familientragödie beruht. Liebe, Hass, Einsamkeit, Misstrauen, Verzweiflung und die Angst, versagt zu haben. Garenq nähert sich dem juristisch verzwickten Fall mit dokumentarischer Genauigkeit.

Ganz so objektiv ist der Film dann aber doch nicht. Leider ist schon von Anfang an klar, wer hier der Böse ist: Eindeutig Krombach, der die Bamberskis aus der gemeinsamen Zeit in Marokko kennt, wo beide Familien befreundet waren. Der Verdacht, Bamberski könnte verrückt sein und sich alles nur einbilden, kommt gar nicht auf, auch wenn dies die Spannung im Film erhöht hätte – weil sich die Zuschauer im Zwiespalt befänden, wem der Männer sie glauben sollten.

Autobiografie Bamberskis ist Grundlage für den Film

Ist Krombach wirklich unschuldig, wie er beteuert und alles nur eine verrückte Fantasie des Vaters? Oder hat Bamberski recht und muss am Ende zu außergewöhnlichen Mitteln greifen, um Gerechtigkeit herzustellen? Diese Frage stellt sich in dem Film nicht; bereits die Musik setzt von Anfang an einen düsteren Ton und macht klar: Ein Verhängnis droht, wenn Krombach und Bamberskis Frau einander als Liebespaar näher kommen.

Kein Wunder, basiert der Film doch auf dem autobiografischen Roman von Bamberski selbst. Auch wenn viele Szenen eindrucksvoll gespielt sind und emotional berühren, wirkt der Film insgesamt doch behäbig und wird dem hochbrisanten Stoff des Justizkrimis nicht ganz gerecht.

Krombach beteuert unablässig seine Unschuld – und der Franzose Bamberski kämpft ebenso erbittert, ihn doch noch dingfest zu machen. Weil die deutschen Behörden keinen Anlass für ein Gerichtsverfahren sehen, greift Bamberski zur Selbstjustiz: Er lässt den Arzt aus seinem bayerischen Wohnort entführen und nach Frankreich verschleppen.

Dort wird Krombach tatsächlich der Prozess gemacht. Das Urteil, das 2014 höchstrichterlich bestätigt wird: 15 Jahre Haft, weil er dem Mädchen Gewalt angetan und es unabsichtlich getötet hat. Ein Sieg der Rache? Fraglich, denn Bamberski wird wegen Entführung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt und steht vor den Scherben seines Lebens.

Daniel Auteuil spielt die Hauptfigur überzeugend

Klar und ohne Pathos inszeniert Garenq seine Figuren: Dieter Krombach, der Stiefvater und gut aussehende Arzt, dem Sebastian Koch etwas Schmieriges, wölfisch Lauerndes verleiht. Kalinkas Mutter Dany (Marie-Josée Croze) – hin- und hergerissen zwischen unsäglicher Trauer um ihre Tochter, Entsetzen über die Obsession ihres Ex-Mannes und Zweifeln an der Unschuld ihres jetzigen Gatten Krombach. Kaum auszuhalten ist die Szene, in der sie den Kummer um ihre tote Tochter nur so heraus schreit.

Und schließlich Auteuil („Unter Freunden“) als Bamberski, der über dem ganzen Drama seinen Verstand zu verlieren droht und wie besessen nach jedem Strohhalm greift, der sich ihm bietet. Immer mehr sackt er im Laufe des Films in sich zusammen. Eine bloße Hülle, die durchs Leben läuft. Innerlich leer und nur am Leben erhalten von dem Wunsch, endlich Genugtuung zu bekommen.

Der deutsche Kinostart von „Im Namen meiner Tochter – Der Fall Kalinka“ ist der 20. Oktober.

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