Die Produzenten der „Matrix“-Trilogie zeigen sich experimentierfreudig und verfilmen den Comic-Roman „V wie Vendetta“ als anspruchsvolles Kino mit vielen aktuell-politischen Bezügen.
Möchte man in die Welt des Filmes „V wie Vendetta“ eintauchen, muss man zunächst akzeptieren, dass das Großbritannien der Zukunft ein faschistoider und diktatorischer Staat ist. Allabendlich herrscht Ausgangssperre. Eine junge Frau namens Evey (umwerfend: Natalie Portman) stiefelt trotzdem durch die Nacht und wird prompt von zwei üblen „Ordnungshütern“ aufgegriffen. Ihr Schicksal scheint besiegelt, aber dann erscheint das maskierte Phantom „V“ auf der Bildfläche (Hugo Weaving, Agent Smith aus „Matrix“) und rettet das Mädchen. In der folgenden Zeit wird Evey „V“ besser kennen lernen, als ihr lieb ist. Der im Untergrund lebende, ebenso geistreiche wie verschmorte Rächer hat sich die Befreiung der Bürger von der Unterdrückung durch das Regime zur Aufgabe gemacht. Sein Ziel ist es, die Massen zum Aufstand zu mobilisieren. Am 5. November, jenem Tag, an dem im Jahre 1605 ein Mann mit Namen Guy Fawkes das britische Parlamentsgebäude zu sprengen gedachte, aber entdeckt und hingerichtet wurde, sollen die Menschen marschieren und die Unterdrücker explodieren…
Die kluge Comic-Adaption „V wie Vendetta“ wird es an der Kinokasse wahrscheinlich nicht leicht haben. Regisseur James McTeigue lässt seinen Helden nämlich jede Menge Raum für Monologe und Gespräche, die Shakespeare zur Ehre gereichen würden. Im Gegenzug spart er im Actionbereich. Der allgegenwärtige aktuell-politische Bezug mag jenen entgehen, die im Fernsehen lieber „Verliebt in Berlin“ sehen als die „Tagesschau“ und die eine gute SMS jeder Tageszeitung vorziehen. Reifere Zuschauer hingegen könnten mit dem Comic-Stil des Filmes Probleme haben. Schon Ang Lees großartige Filmversion von „Hulk“ stieß aus ähnlichen Gründen auf Unverständnis und blieb weit hinter den finanziellen Erwartungen zurück. Man sollte also vor den mutigen Produzenten den Hut ziehen, auch wenn es im Ernstfall keine Armen trifft. Schließlich haben Joel Silver und die Wachowski-Brüder mit der „Matrix“-Trilogie den einen oder anderen Dollar beiseite legen können. Vielleicht belohnen die Zuschauer das in ihren Intellekt gesetzte Vertrauen und erweisen der zuweilen gewöhnungsbedürftigen Mischung aus „Phantom der Oper“ und „1984“, aus „Der Graf von Monte Christo“ und „A Clockwork Orange“ die Ehre ihres Besuchs. Verdient hätte es dieser engagierte Film allemal.
Anspruch: 2
Action: 3
Spannung: 3
Humor: 1
Erotik: 0