Die Filme des Michael „Bully“ Herbig sind wohl auch deshalb so erfolgreich, weil aus ihnen pure Lebensfreude spricht. Wer an diesen Streifen mitgewirkt hat, hatte offensichtlich eine Menge Spaß. Nicht immer überträgt sich dieser auch aufs Publikum, aber meistens schon. Nicht jede der Pointen sitzt, aber jeder findet irgendwo seine Stelle zum Schmunzeln. Nun ist „Hui Buh“ kein Bully-Film, sondern nur ein Film mit Bully. Aber auch auf ihn treffen diese Kriterien zu.
Da hat sich Ritter Balduin (Michael „Bully“ Herbig, leibhaftig) aber mit ein paar wirklich üblen Burschen an den Tisch gesetzt, um dem Glücksspiel zu huldigen. Als der imposante Ritter Adolar bemerkt, dass Balduin seinem Glück nachhilft, scheint das letzte Stündchen des kleinen Betrügers geschlagen zu haben. Hat es auch, denn wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt, nun ja, ein ebensolcher und pulverisiert den mittlerweile verfluchten Balduin. Übrig bleibt dessen Geist, ein bullyähnliches, nunmehr computeranimiertes Knuddelgespenst: Hui Buh!
Schloss Burgeck, ein halbes Jahrtausend danach. Hui Buh ist zwar in Besitz einer Spuklizenz, führt allerdings ein recht eintöniges Dasein. Nur der alte Kastellan (Hans Clarin) wohnt in friedlicher Koexistenz unter einem Dach mit dem Gespenst. Doch urplötzlich wird es wieder lebhaft im alten Gemäuer. König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) hat die Location für seine Verlobung mit Leonora Gräfin zu Etepetete (Heike Makatsch) auserkoren. Diverse Bedienstete und Handwerker rücken an, um das Schloss für den großen Anlass so richtig herauszuputzen. Die hochwohlgeborene Gesellschaft büßt durch Hui Buhs Zutun allerdings erheblich an Glanz ein. König Julius rächt sich, indem er die Spuklizenz verbrennt. Damit ist Hui Buh geliefert. Weil die Bürokratie auch vor der Geisterwelt nicht halt macht, muss Hui Buh innerhalb von achtundvierzig Stunden die Gespensterprüfung wiederholen, sonst hat er ausgespukt. In der Zwischenzeit lernt auch Julius das Fürchten, allerdings vor seiner Angebeteten....
Es ist vollbracht. Bereits im April letzten Jahres fiel die letzte Klappe für das wohl ehrgeizigste Projekt des deutschen Familienfilmes. Seither brüteten zahlreiche internationale Experten des bewegten Bildes aus dem Computer über den 680 Effekt-Shots, die das animierte Gespenst Hui Buh zum perfekten Schauspielkollegen des illustren menschlichen Ensembles machen sollen. Die Darsteller waren sich der Konkurrenz aus dem Rechner bewusst und spielen herzerfrischend gegen sie an, finden den richtigen Ton irgendwo zwischen Überspitzung und drolliger Menschlichkeit. „Stromberg“ Christoph Maria Herbst zeigt überraschende neue Facetten und Heike Makatsch tobt sich als hübsch verpacktes Ekelpaket nach Herzenslust aus. Es ist jedoch die hinreißende Halb-Chilenin Ellenie Salvo González als Zofe Konstanzia, die die Herzen der meisten Zuschauer stehlen wird. Von ihr in Zukunft bitte mehr.
Natürlich ist der Erfolg kalkuliert, mit der Verfilmung bekannter Kinderbücher ist man bisher in Deutschland noch nie ins Minus geschliddert. Aber „Hui Buh“ ist keine lieblos zusammenschusterte Kinderstunde zum schnellen Abfassen des Taschengeldes, sondern ein fantasievoller und ambitionierter Film für die ganze Familie. Das Schloss und die zahlreichen anderen beeindruckenden Motive entstanden in der märchenerprobten Tschechei, deren Handwerker viel Herzblut investiert haben, um aus Holz, Kleister und Farbe Gold zu machen. Herr über Handwerk, Computer und Schauspielkunst war Regisseur und Autor Sebastian Niemann, der sich in seinen Fernsehproduktionen und dem Kinofilm „7 Days To Live“ mit Vorliebe mystischen und grusligen Stoffen widmete.
„Hui Buh“ sollte der letzte Film des Hans Clarin werden. Fragil und mit brüchiger Stimme spielt er den Schlossverwalter. Er hatte keinen Augenblick gezögert, in diesem Film mitzuwirken, erweckt er doch jenes Gespenst auf der Leinwand zum Leben, mit dessen Abenteuern Hans Clarin unzählige Platten und Kassetten besprochen hatte. Nach getaner Arbeit verabredete er sich mit seinen Kollegen noch für die Premiere. Er starb am 28. August 2005 im Alter von 75 Jahren. Auch „Hui Buh“-Erfinder Eberhard Alexander-Burgh erlebt den Filmstart nicht mehr. Am 21. Oktober 2004 schloss er die Augen. Das Geld, das er wenige Tage vorher für die Rechte an seinem Werk bekommen hatte – eine „Summe in Richtung siebenstellig“ – hinterließ er Berliner Waisenhäusern.
Anspruch: 0
Action: 4
Spannung: 3
Humor: 3
Erotik: 0