Verein schreibt Geschichte:

100 Jahre Templiner Kino

Kaum zu glauben aber wahr: Das Kino in Templin feiert sein 100. Jubiläum. Trotz der Umbrüche der letzten Jahrzehnte im Osten und der hohen Dynamik des Kinogeschäfts ist dort gelungen, was nur wenige Standorte in Brandenburg geschafft haben. Nicht verwunderlich also, dass sich die Chronik des Kinos wie ein Krimi liest.

Aus der alten Gaststätte ist im Laufe der Jahrzehnte ein modernes Kino geworden.
MKC Aus der alten Gaststätte ist im Laufe der Jahrzehnte ein modernes Kino geworden.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts existierte an der Prenzlauer Allee 6 ein Restaurant, dass mit einem Bootsverleih und einer Badeanstalt – nach Damen und Herren getrennt – verbunden war. Um die Jahrhundertwende wurde das Haus zum Hotel-Restaurant Seebad mit Kursaal ausgebaut, in dem zahlreiche Tanz-, Unterhaltungs- aber auch Kulturveranstaltungen stattfanden.

Kurz nach dem Umbau begann am 18. Dezember 1913 der Spielbetrieb der Union-Lichtspiele im Saal des Hauses. Gespielt wurde zweimal die Woche mit einer mobilen Anlage. Dass der Spielbetrieb bis in die Kriegszeit kontinuierlich erfolgte, geht aus zahlreichen Zeitungs-Anzeigen dieser Zeit hervor.

Theodor Rettig erwarb 1940 das Hotel-Restaurant Seebad, um das Haus als privates Kino zu betreiben. Doch daraus wurde vorerst nichts. Ab 1942 waren in dem Gebäude französische Kriegsgefangene interniert. Bei Umbauarbeiten fand man Zeugnisse dieser Zeit, wie ein Care-Packet speziell für französische Kriegsgefangene. Beim einzigen Luftangriff auf Templin 1944 wurde ein Teil des Gebäudes zerstört. Einige Kriegsgefangene kamen dabei ums Leben.

Nach dem Krieg begann Theodor Rettig mit Reparatur- und Umbaumaßnahmen und eröffnete kurze Zeit später die „Seebad Lichtspiele Templin“. Neben Kino gab es wieder Unterhaltungs- sowie Sportveranstaltungen. Im Saal wurden sogar Boxkämpfe ausgetragen.

Arbeitsplatz für bis zu 30 Mitarbeiter

Rettig übergab die Leitung 1952 und verlies 1957 seinen mit Schulden belasteten Besitz. Das Haus wurde verstaatlicht und nach Umbaumaßnahmen 1963 als „VE Filmtheater Templin“ wieder eröffnet. Gleichzeitig war das Haus als Kreisfilmstelle für den Landfilm und später für die Bespielung der Zelt- und Freilichtkinos in der Region zuständig. Bis zu 30 Mitarbeiter waren hier zeitweise tätig.

Mit dem Einigungsvertrag fiel das Haus an die Treuhandgesellschaft und sollte privatisiert werden. Der ehemalige Eigentümer Theodor Rettig stellte einen Rückübertragungsanspruch, der aber abgelehnt wurde. Die Stadt Templin und kulturinteressierte Bürger initiierten unter dem Titel „Rettet unser Kino als kulturelles Zentrum dieser Stadt“ ein Bürgerbegehren – mehr als 2000 Unterschriften wurden abgegeben. Durch das Bürgerbegehren wurde bewirkt, dass das Haus der Stadt Templin übereignet wurde.

1992/93 wurden die provisorisch reparierten Kriegsschäden beseitigt. Der neue Glasanbau des Hauses symbolisiert gleichermaßen die Öffnung und Demokratisierung des Kulturbetriebs an diesem Ort. Der Kinobetrieb ging weiter.

2001 ein kleines Freilichtkino auf dem Hof errichtet

Im Multikulturellen Centrum (MKC), das 1993 feierlich eröffnet wurde, etabliert der erste Geschäftsführer Dr. Eberhard Ugowski, eine Galerie für Bildende Kunst sowie ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit namhaften Künstlern und Persönlichkeiten wie Armin Müller-Stahl, Richard von Weizäcker, Dieter Hildebrandt und Eva-Maria Hagen. Templin macht damit, weit über die Grenzen der Stadt hinaus, von sich reden.

Ende der 90er Jahre setzten dem Haus starke Einbrüche im Kinobereich durch die Neueröffnung von mehreren Multiplexen in der Region zu. Immer neue Projekte wurden entwickelt, um den Filmbetrieb wieder zu stabilisieren. So konnte 2001 ein kleines Freilichtkino auf dem Hof errichtet und 2004 eine motorbetriebene Leinwand eingebaut werden, die den Mehrzweckbetrieb des Hauses deutlich erleichtert. 2006 eröffnete die Kino-Loge Templin mit mehr Sitzkomfort im Mehrzwecksaal. In der Folgezeit konnten die Kinoeinnahmen deutlich stabilisiert werden.

Gleichzeitig wurden die Aktivitäten im Bereich Programmkino immer weiter ausgedehnt. Neben speziellen Sondervorstellungen aktueller Filme vor allem aus dem Dokumentarfilmbereich gab es nun kontinuierlich Arthouse-Filme im Programm. Das MKC kann so eine Marktlücke in der Uckermark besetzten. 2007 erhielt es erstmalig den Kinoprogrammpreis der Landesfilmförderanstalt medienboard für die hervorragende Programmgestaltung.

Auf den neuesten Stand mit einer 3D-Anlage

Das Jahr 2011 wird zum Meilenstein in der Geschichte des Hauses: Im November wurde eine digitale Kinoanlage mit 3D Fähigkeit eingebaut. Im November dieses Jahres feierte das MKC dann sein 20-jähriges Bestehen – eine große Gemeinschaftsleistung der Region.

Am kommenden Dienstag auf den Tag genau vor 100 Jahren wurde das Kino in Templin eröffnet. Anlässlich des Jubiläums gibt es ein Stummfilmprogramm aus dem Gründungsjahr 1913. Mit dabei sein wird auch einer der Filme, der zur Eröffnung gezeigt wurde und heute noch im Bundesfilmarchiv aufzufinden war: „Die Eröffnung des Völkerschlachtdenkmals zu Leipzig“.

Zum Hauptfilm „Der Student von Prag“ (1913) wird die Originalfilmmusik live von Carsten-Stephan von Botmer am Klavier zu hören sein. Eine Einstimmung in das Filmschaffen dieser Zeit gibt Dr. Ralf Forster vom Filmmuseum in Potsdam. Im Vorprogramm werden außerdem Kurz- und Werbefilme gezeigt.

 

100 Jahre Kino in Templin – Stummfilmabend mit Livemusik am Dienstag, 17. Dezember, 19.30 Uhr im Multikulturellen Centrum in Templin. Kartenbestellungen unter Tel. 03987 551063.

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