Neu im Kino:

20.000 Days On Earth

Ist das nun inszeniert oder dokumentarisch? Mit dieser Frage spielt das britische Künstlerduo Iain and Jane in einem großartigen Film über ihren langjährigen Wegbegleiter Nick Cave. Der Musiker erlebt gerade seinen 20.000. Tag auf Mutter Erde und lässt das Publikum an seinen alltäglichen Verrichtungen teilhaben.

Nick Cave hämmert ein paar Gedanken in die Tastatur einer alten Schreibmaschine.
Rapid Eye Movies Nick Cave hämmert ein paar Gedanken in die Tastatur einer alten Schreibmaschine.

Ein Mann startet sein Auto und im Radio beginnt Kylie Minogue für den Bruchteil einer Sekunde „La lala…“ anzustimmen. Ein rascher Knopfdruck würgt das Lied rüde ab. Der Fahrer ist Musiker Nick Cave, der einem Mainstreampublikum durch das Duett „Where The Wild Roses Grow“ bekannt wurde, das er 1995 mit eben jener Popsängerin zum Besten gab. Dem Heer seiner Fans ist der begnadete australische Geschichtenerzähler freilich schon seit den frühen 80-ern und bis heute lieb und teuer. 

Nick Caves 20.000. Tag auf dieser Erde beginnt mit einem Wecker, der um 7 Uhr morgens klingelt. Heute lässt der sonst so öffentlichkeitsscheue Künstler den Zuschauer an seinem Leben teilhaben. Er mustert sich im Spiegel und hämmert ein paar Gedanken in die Tastatur einer alten Schreibmaschine. Er entwickelt Songs gemeinsam mit seinen langjährigen musikalischen Weggefährten, die auf jede Geste des Meisters zu reagieren wissen. Das Publikum erlebt einen Nick Cave auf der Bühne und beim Psychoanalytiker, aber auch einen Familienvater, der sich mit seinen Kindern Pizza und Filmklassiker einverleibt. Seine Dialoge mit Weggefährten oder sein Kommentar aus dem Hintergrund offenbaren einen sensiblen Künstler, der sich auf der Bühne gottgleich fühlt und doch vom Gähnen eines Zuhörers völlig aus der Fassung zu bringen ist. Anekdoten, Gedanken und Erinnerungen lassen tief in die Seele des Menschen hinter den Songs blicken.

Dieser Mann ist mit sich im Reinen, soviel steht fest. Schon in jungen Jahren verfasste Cave ein Testament, nach dem sein (damals noch nicht vorhandenes) Geld in eine Stiftung für ein Museum zu seinen Ehren fließen sollte. Nun hat das britische Künstler-Gespann Iain Forsyth und Jane Pollard dem Musiker ein filmisches Denkmal gesetzt, wobei Cave als Drehbuchautor mitwirkte. Das Ergebnis ist ein Stück inszenierte Realität, keine wirklich Dokumentation, aber ein wunderschön anzusehendes Gebilde aus Fantasie und Realität, das dem Künstler gerecht wird, ohne ihn völlig zu entzaubern. Auch wer bisher nur den oben genannten Radio-Hit mitsummen konnte, wird der Faszination der Person Nick Cave unweigerlich erliegen.

Wertung:
Anspruch: 3
Spannung: 3
Action: 1
Humor: 1
Erotik: 0

 

Verleih: Rapid Eye Movies 
Bundesstart: 16. Oktober 2014
Genre: Dokumentation / Musikfilm

Mehr Infos unter: www.20000daysonearth.com

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