Kino-Kritiken:

Actionfilm "13 Hours": Bluttriefende Heldenstory im libyschen Chaos

Diktator Gaddafi ist gestürzt, verfeindete libysche Milizen haben in Bengasi die Macht übernommen. Ein Hollywoodfilm gibt Rückblick auf die chaotische Lage in 2012. Es geht vor allem um Action - und heroische Amerikaner.

Szene aus dem Kinofilm "13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi".
Christian Black/Paramount Pictures Szene aus dem Kinofilm "13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi".

Hollywoodfilme über US-Militäreinsätze sind stets auch eine Annäherung an das reale Kriegsgrauen. Technisch aufwendig rekonstruieren die Filmemacher Szenen im Zweiten Weltkrieg oder aus Einsätzen im Irak. Der Zuschauer wird in das visuelle Gemetzel hineingezogen - teilweise bis jenseits der Schmerzgrenze. Der Krieg, so die Botschaft, ist kein cineastischer Kinosessel-Genuss, sondern unendliches Leiden. Mit „13 Hours“ knüpft nun aber ausgerechnet der Popcorn-Kinoexperte schlechthin an diese realitätsnahe Tradition an: Michael Bay. Triefender US-Pathos ist da garantiert.

Helden gehen 13 Stunden auf Mission

Schon einmal machte sich Bay an die Darstellung einer Kriegsgeschichte auf der Kinoleinwand. Der hoch dosierte US-Patriotismus in „Pearl Harbour“ konnte manch nüchternem Betrachter doch etwas auf den Magen schlagen. Auch in „13 Hours“ geht es um die Verteidigung amerikanischer Tugenden und den Kampf gegen das Böse. Das Motto des Films auf dem Kinoplakat: “Als alles schiefging, hatten sechs Männer den Mut, das Richtige zu tun.“

Protagonisten des Films sind sechs Sicherheitsleute, die zunächst nur eine CIA-Anlage schützen sollen. Als das in der Nähe befindliche Konsulat überrannt wird, machen sie sich auf den Weg, den Botschafter in Sicherheit zu bringen. „Keiner von euch muss mitkommen, aber außer uns kann niemand helfen“, sagt ihr Anführer. Selbstredend kommen alle mit auf ihre Heldenmission, die - titelgebend - 13 Stunden dauert. John Krasinski (The Office) spielt eine der Hauptrollen.

Wilde Ballerei und simple Dialoge dominieren den Film

Regisseur Bay konzentriert sich auf das, was er gut kann: die Inszenierung von Actionszenen. Die Ballerei wird von eher simplen Dialogen zusammengehalten. Wolle er in kurzen Hosen in die Schlacht ziehen, fragt einer der US-Söldner den anderen. „Coole Nummer“, findet der. Herzzerreißende Telefonate mit der Familie daheim in Amerika sollen verdeutlichen, wie groß das Opfer ist, das die Helden bei ihrer gefährlichen Mission bereit wären zu bringen. In das Schwarz-Weiß-Denken der Filmemacher passt zudem, dass der lokale CIA-Chef geballt inkompetent ist und sich dafür am Ende sogar reumütig-weinend entschuldigt. Entweder Held oder Feigling, so die Sicht von Regisseur Bay und seinem Filmteam auf die US-Figuren. Wobei die Helden beim US-Personal doch deutlich in der Überzahl sind.