Interview mit Hugh Jackman:

"Alle Eltern sind auch Schauspieler"

In "Chappie spielt Hugh Jackman einen von Rachegedanken beseelten Wissenschaftler. Wir haben mit ihm über den Film, Kindererziehung und seine Hautkrebserkrankung gesprochen.

Hugh Jackman
Britta Pedersen Hugh Jackman.

Mr. Jackman, wie war es, zur Abwechslung mal keinen sonderlich ansehnlichen Typen zu spielen?

Das war kein Problem, es hat mir keine Sorgen bereitet. Als Schauspieler verlierst du irgendwann jegliche Beziehung zu Dingen wie Frisur oder Körper, weil sie in konstantem Wandel begriffen sind. Ich war privat bestimmt schon zwanzig Jahre lang nicht mehr beim Friseur. Ich habe keine Ahnung, was für eine Frisur ich eigentlich hätte. Ich trage zur Schau, was immer die aktuelle Rolle erfordert.

Im Film werden Sie als „Böser Mann“ bezeichnet. Ist Ihnen das jemals im Privatleben widerfahren? 

Ja, meine Kinder sagen das häufig. Ich bin zu Hause die strengere Partei. Mein eigener Vater war sehr streng. Deshalb halte ich mich selbst für ziemlich entspannt. Aber sicherlich bin ich ein klein wenig unnachgiebiger als meine Frau. Ich glaube, dass ich ganz anders bin als mein Vater. Aber vielleicht stimmt das ja gar nicht.

Betätigen Sie sich als Erzieher Ihren Kindern gegenüber manchmal als Schauspieler?    

Ja, sicher. Vor allem als jüngere Kinder sagten die beiden manchmal urkomische Dinge und ich musste so tun, als wäre ich darüber verärgert. Dann ging ich ins Nachbarzimmer und schüttete mich aus vor Lachen. Alle Eltern sind auch Schauspieler.

Ihr Sohn ist nun 14. Wird die Arbeit des Vaters schwieriger?  

Die meisten Menschen würden wohl sagen, diese Zeit ist ein Alptraum. Was meinen Sohn anbetrifft, so waren wohl die Jahre von 10 bis 14 die schwierigsten. Das hat nicht unbedingt mit der Pubertät zutun. In dieser Altersgruppe wollen die Kids nicht anders sein, nicht auffallen. Mein Sohn lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Er hat sich schon immer für andere Dinge interessiert, er spielt keine Videospiele. Mit zunehmendem Alter ist das aber einfacher geworden. Es gibt mehr Dinge, die er unternehmen kann und er findet Freunde, mit denen er auf derselben Wellenlinie ist. Das gilt auch für die Mädels. Ich könnte Ihnen jetzt eine schöne Geschichte erzählen, aber mein Sohn hat mich darum gebeten, mit der Presse nicht mehr über solche Dinge zu reden. Und so sehr ich auch eine gute Story schätze, kann ich es nicht riskieren, dass mein Sohn sauer auf mich ist.

Mögen es Ihre Kinder, einen berühmten Vater zu haben?

Meine Tochter hat sich damit arrangiert, es geht für sie in Ordnung. Wenn wir unterwegs auf Paparazzi gestoßen sind und ich mich vorbeischleichen wollte, sagte Sie: „Papa, die Fotografen sind doch dort!“. Das hat mich mehr besorgt als mein Sohn, der das ganze immer gehasst hat. Und es noch immer hasst. Er wünschte sich, dass ich nicht berühmt wäre.

Gefällt Ihren Kindern „Chappie“?

Meinem Sohn wird der Film sehr gefallen. Meine Tochter würde ihn wohl auch mögen. Sie mag Filme wie „Der Gigant aus dem All“ oder „Wall-E“, in denen man sich in einen Roboter verlieben kann. Ein solcher Film ist auch „Chappie“. Der Roboter ist die Figur im Film, mit der man sich wohl am besten identifizieren kann. Leider muss ich meine Tochter vertrösten, denn der Film beinhaltet für sie etwas zu viel Gewalt. Wahrscheinlich werde ich ihr ein paar Ausschnitte zeigen.

Warum haben Sie New York und nicht in L.A. als Ihren Lebensmittelpunkt gewählt?

Als ich meine Frau kennengelernt habe, sagte sie nach zwei Wochen, dass ich darauf vorbereitet sein sollte, in New York zu leben, wenn unsere Beziehung zu etwas führen würde. Das war die Stadt, in der sie leben wollte. Ich antwortete nur: „Cool!“. Ich wusste also von Anfang an, dass wir hier unsere Zeit verbringen würden. Ich bin nicht ortsgebunden, ich könnte auch in L.A. glücklich werden, in London oder in Berlin, solange nur meine Familie bei mir ist. Für meine Frau ist diese Stadt das perfekte Match.   

Gibt es eine neue Technologie, über die Sie gern verfügen würden?

Mir gefällt der Roboter, der den jungen Wissenschaftler begrüßt. „Willkommen zu Hause, Mr. Deon! Möchten Sie gern etwas trinken?“. So einen hätte ich auch gern. Es ist ein echter Roboter, der in Japan entwickelt wurde. Ich weiß nicht, was er in Wirklichkeit alles draufhat, aber es gibt ihn tatsächlich. Sicherlich ist das Internet eine großartige Sache, aber ich habe nicht die Zeit und die Geduld, um dort wirklich Recherchen zu betreiben. Es wäre toll, einen internetfähigen Roboter zu haben, der aus der Vielzahl von Informationen zu einem Thema die wirklich relevanten Dinge herausfiltern könnte. Kindererziehung wäre so ein Thema. Der Roboter könnte sämtliche Literatur auswerten und sagen: „Wenn Sie das iPhone für dreieinhalb Stunden einziehen würden, wäre das die optimale Lösung!“. Die meisten von uns sind irgendwann zum ersten Mal Eltern und haben keine Ahnung, was sie da eigentlich tun. Wir wollen uns alle besser schlagen als unsere eigenen Eltern. Aber wer weiß schon, ob uns das gelingt?

Freuen Sie sich darauf, irgendwann nicht mehr den Superhelden spielen zu müssen und sich in punkto Fitness ein wenig gehen lassen zu dürfen? 

Ein Teil von mir tut das, ja. Tatsache ist, dass ich wohl immer ein aktiver Mensch bleiben würde. Erst gestern hatte ich keine Lust auf das Fitnessstudio, weil es so langweilig ist. Also habe ich Neill angerufen, der ein brillanter Squash-Spieler ist, und mich auf ein Match verabredet. Das war sehr aufregend. Ich möchte auch mit meinen Kindern aktiv sein. Bewegung und gesunde Ernährung sind Nebenprodukte des Berufes. Und man fühlt sich dadurch zweifellos besser.

Beruflich wagen Sie mit Rollen wie in „Prisoners“ oder „Chappie“ aber durchaus die Abkehr vom Superhelden-Image.

Ja. Um das Jahr 2006 herum lief ich ein wenig Gefahr, in dieses Rollenklischee gepresst zu werden. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das passieren könnte. Betrachtete man die Welt aus meinen Augen, so stand ich immer auch auf der Theaterbühne, ich habe gesungen und getanzt und die Oscars moderiert. Das waren alles völlig unterschiedliche Dinge, aber die Außenwahrnehmung war begrenzt. Regisseure hatten mich nicht mehr auf dem Schirm, wenn es galt, andere Rollen zu spielen. Deshalb bin ich heute sehr glücklich. Die aktuellen „X-Men“-Filme halte ich für die besten der Reihe und sie bereiten mir viel Freude. Gleichzeitig bietet man mir auch ganz andere Stoffe an. Ich habe das Gefühl, dass sich meine „Superhelden-Ära“ langsam ihrem Ende zuneigt.

Sind die anderen Rollen die befriedigenderen?          

„Wolverine“ zu spielen, finde ich sehr befriedigend und herausfordernd. Sie kennen mich gut genug, um zu wissen, wie sehr sich dieser Charakter von meiner eigenen Persönlichkeit unterscheidet. Und schauen Sie sich nur die Besetzungslisten an! An jedem Tag arbeitet man mit einem anderen, unglaublichen Schauspieler zusammen. Das ist durchaus eine Herausforderung. Aber ich habe immer die Vielfalt geliebt, mich unterschiedlichen Dingen gewidmet. Und ich schätze mich glücklich, diese Vielfalt zu haben.

Sie sind offen mit Ihrer Hautkrebserkrankung umgegangen. Sind Sie heute noch besorgt?

So lange man mich nicht danach fragt, denke ich nicht darüber nach. Ich muss alle drei Monate zur Nachsorge. Meine Art von Krebs ist die am wenigsten aggressive, noch nie ist jemand daran gestorben. Ich kann jedem Menschen nur raten, sich einmal im Jahr durchchecken zu lassen. In Australien ist das Risiko einer solchen Erkrankung besonders hoch. Wir sind aufgewachsen, ohne eine Ahnung von der globalen Erwärmung oder der Ozonschicht zu haben. Wir kannten keine Sonnencreme. Heute habe ich im Urlaub viel mehr Zeit. Ich habe Null Interesse daran, einen braunen Teint zu bekommen, um gesund auszusehen. Ich bleibe der Sonne fern.

Hugh Jackman (46) wurde als Darsteller des Mutanten Wolverine in den „X-Men“-Filmen bekannt. Längst hat sich der Australier als facettenreicher Schauspieler, Entertainer und Musicalstar fest in Hollywood und am Broadway etabliert. Jackman ist mit der Schauspielerin Deborra-Lee Furness („Homo Faber“) verheiratet und hat zwei Kinder.

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