Neu im Kino:

Alois Nebel

Hervorragende Independent-Produktionen wie „Persepolis“ oder „Waltz With Bashir“ haben gezeigt, dass man mit Hilfe der Animation auf ästhetisch wertvolle Weise auch sehr ernsthafte Themen transportieren kann. In diese Reihe fügt sich nun auch eine bemerkenswerte tschechisch-deutsche Koproduktion ein.

Nach einem kurzen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wird Alois ausrangiert, er verliert seinen Job und die Wohnung.
Neue Visionen Filmverleih Nach einem kurzen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wird Alois ausrangiert, er verliert seinen Job und die Wohnung.

Alois Nebel erfüllt Ende der 1980-er Jahre seine Pflichten als Fahrdienstleiter eines kleinen tschechoslowakischen Bahnhofs ganz in der Nähe der polnischen Grenze. Während draußen die sozialistische Welt in Scherben fällt, liest der einsame, mürrische Mann leidenschaftlich gern auf seiner Toilette in alten Fahrplänen. Es beruhigt ihn. Ob das nicht immer dasselbe wäre, wird er mal gefragt. „Ja, eben!“ lautet seine Antwort. Nach einem kurzen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wird Alois ausrangiert, er verliert seinen Job und die Wohnung. Der ältere Herr fährt nach Prag, um sich zu beschweren, strandet aber auf dem Bahnhof. In dieser bewegten Zeit überkommen Alois immer wieder Erinnerungen an früher, als er noch der kleine Loisel war. Nach dem Krieg wurden die Deutschen aus der ganzen Gegend, dem damaligen Sudetenland, vertrieben. Auch sein Kindermädchen Dorotka wird mit dem Zug ins Ungewisse geschickt…

Regisseur Tomás Lunák bringt in seinem exzellenten Film das beinahe 100 Jahre alte Rotoskopie-Verfahren zur Anwendung, bei dem alle Szenen von echten Darstellern gespielt und abgefilmt werden. Danach werden die einzelnen Bilder auf eine Mattglasscheibe projiziert und abgezeichnet. Das Ergebnis ist faszinierend und zugleich etwas verstörend, bewegen sich die Figuren doch um Einiges flüssiger durch ihre schwarzweiße Welt als in herkömmlichen Trickfilmen. Der Comic-Roman, der dem Film zugrunde liegt, erwacht tatsächlich zum Leben. „Alois Nebel“ ist ein Augenschmaus für Animationsfans, aber auch ein Streifen, der Skeptikern etwaige Berührungsängste gegenüber dem Medium zu nehmen vermag. Großes Kino, in dem sich Inhalt und Form auf ideale Weise ergänzen.

Wertung:
Anspruch: 4
Spannung: 3
Action: 2
Humor: 1
Erotik: 0

Verleih: Neue Visionen  
Bundesstart: 12. Dezember 2013 
Genre: Animationsfilm

Mehr Infos unter: www.aloisnebel.de

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