Theater in Neubrandenburg:

Am Ende wird nicht alles gut

Was, wenn aus kleineren Vergehen Kriminalität wird? Die Vorpommersche Landesbühne zeigte es in Neubrandenburger Schauspielhaus mit dem Stück "Roter Hahn im Biberpelz".

Der Amtsvorsteher (Mitte, Rolf Günther) ist dankbar für jeden Hinweis aus der Bevölkerung.
Matthias Diekhoff Der Amtsvorsteher (Mitte, Rolf Günther) ist dankbar für jeden Hinweis aus der Bevölkerung.

Jeder strebt nach etwas Glück. Wie auch immer. „Ma langt ... ma langt nach was“ nennt es Mutter Wolffen im Berliner Dialekt. Es sind die letzten Worte, die die Wäscherin spricht, im Angesicht ihres neuen Hauses. Sie hat es endlich geschafft, nur hat sie es leider nicht geschafft, etwas davon zu haben. Das ist tragisch, aber nicht nur.

„Roter Hahn im Biberpelz“ das sind zwei Stücke, die zu einem zusammengeschrieben wurden. Das eine ist eine Komödie und das andere eine Tragödie. Beide Stücke sind von Gerhart Hauptmann. In beiden Stücken gibt es eine Hauptfigur: Mutter Wolffen. Und die wird dargestellt von Birgit Lenz. Ihrem Können ist es zu verdanken, dass aus der gewitzten Waschfrau mit etwas krimineller Energie eine böse, skrupellose Witwe wird, ohne das es Brüche innerhalb der Figur gibt. Die Frau, mit der man anfangs vielleicht nicht nur Biberpelze stehlen würde, um ihre Familie durchzubringen, möchte man am Ende eigentlich gar nicht mehr kennen.

Das Haus soll brennen, die Versicherung zahlen

Aber der Reihe nach. Zu Beginn des Stücks wuchtet Mutter Wolffen mit einem Rehbock herum, den ihr Mann Julius (Rolf Günther) gewildert hat. Zu viel mehr ist der Mann offenbar nicht zu gebrauchen. Er hat nichts zu sagen und war bei der Premiere im Neubrandenburger Schauspielhaus auch kaum zu verstehen. Ob das nun Absicht war oder an der Akustik lag, egal. Wulkow (Heiko Gülland), ein Schiffer wie aus dem Bilderbuch, jedenfalls zahlt angemessen für den Bock und zeigt bei der Gelegenheit auch Interesse an einem Biberpelz, den der Rentier Krüger (Christian Hirseland) geschenkt bekommen haben soll. Da es bei dem auch noch etwas trockenes Knüppelholz zu holen gibt, ist die Sache für Mutter Wolffen klar. Und schließlich trifft es ja auch keinen Armen.

Rentier Krüger trägt die Sache trotzdem dem Amtsvorsteher (ebenfalls Rolf Günther) vor. Der allerdings hat genug damit zu tun, den zwielichtigen demokratischen Elementen in seinem Zuständigkeitsbereich das Leben schwer zu machen, denn schließlich gibt es ja noch den Kaiser. Da er sich trotz seiner adligen Abstammung ganz gut mit der Wäscherin versteht und die wiederum den Rentier Krüger um den Finger wickeln kann, geht sie am Ende straffrei aus. Kurz vor der Pause im Stück deutet sie jedoch schon an, dass sie mehr will. Ihr Haus soll brennen – und die Versicherung soll zahlen.

Unschuldiger wird als Brandstifter abgestempelt

Im zweiten Teil der Aufführung brennt das Haus dann tatsächlich. Was dank der technischen Umsetzung auf der Bühne auch noch sehr gut aussieht. Mutter Wolffen, die inzwischen einen Schuster geheiratet hat, tut betrübt. Bis hierhin lässt man ihr das noch alles durchgehen. Als dann aber der geistig beeinträchtigte Gustav (Martha Pohla) mehr und mehr zum Brandstifter abgestempelt wird, ohne dass sie etwas dagegen unternimmt, schwindet das Verständnis zusehends. Und als sie dann stirbt, kurz bevor sie in ihr neues Haus einziehen kann, empfindet man noch so was wie Mitleid. Wenn auch nicht mehr viel. 

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