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Amok – Hansi geht´s gut

Es ist ein leiser Film über einen leisen Mann, den Zoltan Paul inszeniert hat. Tilo Nest ist die perfekte Verkörperung eines Zeitgenossen, den die Nachbarn, die man nach der Tat befragt, als unscheinbar und höflich beschreiben würden. Als einen Mann, dem man so etwas niemals zugetraut hätte.

Charly Hübner in einer Szene des Films "Amok".
Jonas Schmager Charly Hübner in einer Szene des Films "Amok".

Lorenz Fuchs (Tilo Nest) von der Rechnungsabteilung ist ein einsamer, trauriger Mann. Der trockene Alkoholiker ist geschieden und wohnt in der Wohnung seiner Mutter, die im Altersheim lebt und die er nie besucht. Der Firma geht es nicht gut, momentan werden in den Büros die letzten Kartons zusammengepackt. Fuchs verwaltet die Auflösung und hat große Angst, als er als einer der Letzten zum Chef zitiert wird. Der Boss (Charly Hübner) hat schon wieder Großes vor. Er will weg aus Berlin und in Hamburg neu anfangen. Fuchs soll ihn begleiten. Angeblich, weil der Chef in ihm die Härte und den Hass erkennt, die es braucht, um andere Menschen zu zermalmen. Der Angestellte wird nicht entlassen, sondern sogar befördert.

Aber Lorenz Fuchs will nicht nach Hamburg. Eigentlich will er gar nichts mehr. Er kauft sich einen schicken Anzug für einen Neuanfang, von dem sein Unterbewusstsein längst weiß, dass es ihn niemals geben wird. In der Fußgängerzone fühlt sich Fuchs von seiner Umwelt isoliert, es betrachtet das Leben der Anderen als Außenstehender. Zur Feier des Tages gönnt er sich ausnahmsweise ein Bier. Am Telefon macht ihm die Mutter noch einmal deutlich, dass er die Enttäuschung ihres Lebens ist. Das Bier weicht harten Getränken und lange unterdrückte Gefühle bahnen sich ihren Weg an die Oberfläche. Dieses Leben, das ihm all die anderen so schwer machen, will Lorenz Fuchs nicht weiterleben. Aber wenn er schon abtritt, dann mit einem Paukenschlag.

Das eindringliche Psychogramm „Amok – Hansi geht´s gut“ erzählt bar jeder Sensationslust, aber rundum schlüssig vom Werden eines Mörders. Gedreht wurde dort, wo Berlin am wenigsten Charme versprüht, finanziert wurde der Film als Crowdfunding-Projekt. In einer gerechten Welt müssten sich die Geldgeber um ihre Rendite nicht sorgen.

Verleih: daredo media   
Bundesstart: 28. Mai 2015
Genre: Drama
Mehr Infos unter: www.amok-film.de

Wertung

Anspruch: 4
Spannung: 3
Action: 1
Humor: 0
Erotik: 0

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