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Armin Mueller-Stahl schwingt den Pinsel

Er hat sich von der Schauspielerei zurückgezogen und auf die Malerei verlegt. Im Seebad eröffnete er eine Ausstellung mit 75 Werken und widmet sich einem brandaktuellen Thema.

Maler und Akteur: Armin Mueller-Stahl.
Tobias Hase Maler und Akteur: Armin Mueller-Stahl.

Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl verarbeitet die aktuellen Kriege in der Welt und die dadurch ausgelöste Bedrohung in seiner Malerei. „Das ist ein therapeutischer Vorgang“, sagte Mueller-Stahl bei der Eröffnung einer Ausstellung in der Galerie Orangerie Heiligendamm. Dort werden seit Sonntag 75 seiner Werke gezeigt. Er sei tief bewegt von dem Leid und Elend. „Es ist das Widerwärtigste, was Menschen anderen Menschen antun können.“

Mueller-Stahl hat den Zweiten Weltkrieg selbst miterlebt. Er werde diese schlimmen Gefühle beim Malen jedenfalls für Momente los, berichtete er. „Es ist so traurig, dass die Architektur des Friedens nun auf bestialische Weise anfängt, zu bröckeln“, betonte der 83-Jährige. Es sehe es dabei nicht als seine Aufgabe, den Krieg Eins-zu-eins abzubilden – „das macht das Fernsehen“.

Es sei auch nicht immer nur die Trauer auf seinen Bildern zu sehen, sagte Mueller-Stahl. Er verwies dabei auf eines seiner Bilder in der Ausstellung mit dem Titel „Da steh ich nun ich armer Tor“. Dieses Bild sei Ausdruck der Hilflosigkeit und gleichzeitig sei es besonders farbig. „Es war gegen das Graue, die Asche, das Verbrennen, das Töten angemalt.“

Mueller-Stahl gilt als Universalgenie

Am Malen reize ihn besonders die Freiheit, sagte Mueller-Stahl. „Das ist der einzige Moment, wo ich wirklich fliegen kann.“ Er könne dabei völlig das Zeitgefühl verlieren. „Die Zeit ist aus meinem Körper heraus.“ Er hatte sich vor rund fünf Jahren von der Schauspielerei zurückgezogen. „Ich mache die Tür nie ganz zu, sie ist immer ein bisschen offen.“ Aber im Moment sei die Malerei sehr dominierend.

Mueller-Stahl gilt nach Ansicht des Galeristen Franz Kröger als ein künstlerisches Universalgenie. Nach einem Musikstudium wurde Mueller-Stahl in der DDR Schauspieler und gelangte nach seiner Ausreise in den Westen zu Weltruhm, bis er den Zugang zur bildenden Kunst fand. Auf jedem Gebiet habe er seine Handschrift hinterlassen, sagte Kröger. Auch bei der Malerei gehöre er zu den ganz Großen. Mueller-Stahls Werk sei auch durch Porträts von Musikern und Künstlern geprägt, sagte Kröger. Die meisten Arbeiten seien ihm schon bei rascher Betrachtung zuzuordnen, es gebe einen Wiedererkennungseffekt. So erscheinen die Porträts oft im Halblicht, Teile sind Dunkeln verborgen.