Premiere von "Wie im Himmel":

Auf der Bühne bloß nicht streiten!

Regisseurin Isolde Wabra wird schon nach drei Minuten überfahren. In ihrem neuen Theater-Stück „Wie im Himmel“ spielt sie nur eine kleine Rolle. Anders als ihre Kinder, die sehr selbstbewusst auf die Premiere am Sonnabend schauen.

Weil Theater zu Hause immer ein Thema ist, nimmt Regisseurin Isolde Wabra ihre Kinder Stella und Jeremias einfach mit. Die beiden spielen Geschwister in „Wie im Himmel“.
Marcel May Weil Theater zu Hause immer ein Thema ist, nimmt Regisseurin Isolde Wabra ihre Kinder Stella und Jeremias einfach mit. Die beiden spielen Geschwister in „Wie im Himmel“.

Auf den Tischen in der Theater-Garderobe liegen keine Döschen mit Wangenrouge oder Puder. Bilderbücher, Traubensaft-Flaschen und Brotzeitbeutel verteilen sich auf der Ablage vor der verspiegelten Wand. Stella und Jeremias, die Kinder von Regisseurin Isolde Wabra, sitzen dort. Sie warten darauf, zur Probe des Stücks „Wie im Himmel“ aufgerufen zu werden. Am Sonnabend leitet ihre Mutter die Premiere im Neustrelitzer Theater. Und die beiden Kinder spielen mit.

„Da kann überhaupt nichts schiefgehen“, sagt die neunjährige Stella abgeklärt. Nervös wirkt sie vor der Aufführung überhaupt nicht. Mutter Isolde lacht. „Stella kennt das alles schon. Die fühlt sich auf der Bühne richtig zu Hause.“ Das Mädchen spielt zum dritten Mal in einem Theaterstück mit. Und auch sonst nimmt Isolde Wabra ihre Kinder gerne mit zur Arbeit. „Sie kennen die Kollegen gut und haben gar keine Scheu.“ Zielsicher klettern die Geschwister auf die hölzernen Kulissen.

Traum vom Theaterpreis

Die Schwester ist gelassen, aber der sechsjährige Jeremias steht morgen zum ersten Mal vor Publikum. Denn erst mit sechs Jahren dürfen Kinder im Theater auftreten. Und nur bis zur Pause. Jeremias ist aufgeregt. Nach der ersten Spielprobe hat er gleich davon geträumt, einen Theaterpreis zu gewinnen, verrät seine Mutter. „Aber“, sagt sie und muss wieder lachen, „so schnell geht das nicht.“

Isolde Wabra (42) ist im österreichischen Linz geboren, lebt seit 2008 mit ihrem Mann und den Kindern in Neustrelitz und arbeitet dort als Regisseurin und Schauspielerin. Ihre aktuelle Inszenierung „Wie im Himmel“ basiert auf dem schwedischen Musikfilm von Kay Pollack (2004). Ein Star-Dirigent zieht sich nach einem Herzinfarkt und chronischer Überarbeitung zurück in das abgelegene Dorf, in dem er aufgewachsen ist. Eigentlich will er sich dort nur erholen – beginnt dann aber, den Dorfchor zu leiten. Er bringt, durch die Musik, wörtlich neuen Schwung in die Gemeinde und rüttelt starre Denkweisen auf.

„Es ist eine Liebeserklärung an die Kunst“, schwärmt die Regisseurin. Die Musik mobilisiert positive Kräfte. Und es wird viel gesungen: Der Neustrelitzer Opernchor spielt mit und die Klangpiloten, eine Band aus Neustrelitz. Ein Argument gegen die umstrittene Theater- und Orchesterfusion, findet Isolde Wabra. Es soll zeigen, wie bereichernd eine Verbindung aus schauspielerischen und musikalischen Elementen ist.

Auf Kinder keinen Druck ausüben

„Ich habe eine Frage! Wann werden wir wieder gefragt?“ Jeremias rutscht vergnügt auf seinem Stuhl hin und her und kichert. Er und seine Schwester spielen auch im Stück Geschwister. Ob das nicht anstrengend ist? „Ja. Das Blöde ist: Wir dürfen uns auf der Bühne gar nicht streiten“, überlegt Stella, die sich gerne mit ihrem Bruder kabbelt. Im Theater ist das verboten. „Geh, Stella. Da darfst des ned, gell?“ Wenn Isolde Wabra mit ihren Kindern redet, verfällt sie gerne in ihren Heimat-Dialekt.

Die Regisseurin wollte die Kinderrollen unbedingt mit „echten“ Kindern besetzen, nicht nur durch erzählte Passagen andeuten. Neben ihren eigenen Kindern sind noch andere dabei; ein Junge spielt sogar live auf der Bühne Geige. Bei der Arbeit mit Kindern, findet Isolde Wabra, darf man keinen Druck ausüben und ihnen auf keinen Fall drohen, wenn sie nicht spielen wollen. „Man muss Geduld haben, sich Zeit nehmen, um Vertrauen aufzubauen.“

Schauspieler wollen die Geschwister übrigens nicht werden, wenn sie groß sind. „Ich werde Geheimagent oder Kameramann“, verkündet Jeremias stolz. Und Stella will als Lehrerin arbeiten. „Dann hätte sie mal mehr Zeit für ihre Kinder“, erklärt ihre Mutter und schmunzelt. Was der Neunjährigen am Theater nämlich gar nicht gefällt: Ihre Mama kann die Abende häufig nicht zu Hause verbringen.

 

Die Aufführungen:

Sonnabend, 11. April, 19.30 Uhr

Freitag, 17. April, 19.30 Uhr

Sonnabend, 25. April, 19.30 Uhr

Sonntag, 3. Mai, 16 Uhr

Freitag, 8. Mai, 19.30 Uhr