Uwe-Johnson-Preis an Lutz Seiler verliehen:

Auf der Suche nach der inneren Freiheit

Lutz Seiler hat ihn bekommen: Den 15 000 Euro wertvollen Uwe-Johnson-Preis. Sein Roman "Kruso" handelt von innerer Freiheit und echter Gemeinschaft - innerhalb einer Gruppe von Außenseitern. Warum man nicht das Land verlassen muss, um Grenzen zu überschreiten.

Uwe-Johnson-Preis für Lutz Seiler (vorn, rechts), überreicht von Marcel Auermann, Leitender Redakteur beim Nordkurier (links), Markus Frank von der Kanzlei Gentz und Partner sowie Professor Carsten Gansel (rechts) von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft.             
Uwe-Johnson-Preis für Lutz Seiler (vorn, rechts), überreicht von Marcel Auermann, Leitender Redakteur beim Nordkurier (links), Markus Frank von der Kanzlei Gentz und Partner sowie Professor Carsten Gansel (rechts) von der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft.  

"Ich möchte Sie beglückwünschen", sagt Literaturwissenschaftler Martin Lüdke und meint damit nicht Lutz Seiler, Empfänger des Uwe-Johnson-Preises. Noch nicht. Lüdkes Glückwünsche richten sich an die Besucher: Er gratuliert ihnen allen dazu, in Mecklenburg zu wohnen - und dadurch eine doppelte Staatsbürgerschaft zu haben; einerseits die amtliche, deutsche, andererseits Bewohner einer mythischen Literaturlandschaft zu sein. In dieser geheimnisvollen Gegend zwischen Ostsee und Seenplatte wurde der bedeutende Autor Uwe Johnson geboren.

Den Preis, der ihm zu Ehren alle zwei Jahre vom Nordkurier, der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft und der Berliner Kanzlei Gentz und Partner verliehen wird, überreichen die Kuratoren an Lutz Seiler für seinen Roman "Kruso". Ein echtes Debüt, denn Seiler hat vorher hauptsächlich Gedichte und Erzählungen geschrieben.

Kruso. Was ist das für ein Roman, dessen Titel sofort an Daniel Defoes berühmten Abenteurer erinnert? An Robinson Crusoe, den Seefahrer und Schiffbrüchigen, auf einer Insel Gestrandeten. Handlungsort in Lutz Seilers Buch ist die Insel Hiddensee, das "Capri des Nordens", die "Insel der Seeligen". Im Sommer 1989 reist Hauptfigur Ed dorthin, heimlich. Eigentlich ist es eher eine Flucht, die den Literaturstudenten an grimmigen Militärstreifen vorbei führt, kritisch das Ausweisheftchen musternd. Schließlich landet Ed im Lokal "Klausner", wo er Teller wäscht.

Seilers Text oszilliert zwischen der fernen Chance zu gehen, dem Land endgültig zu entfliehen. 50 Kilometer trennen Hiddensee von Dänemark und "gute Schwimmer hat es schon immer gegeben..." Oder zu bleiben, wie Ed, in einem Randgebiet - halb versteckt, anfangs wortwörtlich unter Felsspalten und inmitten von Tieren - und trotzdem noch da.

"Kruso" sei auch eine Geschichte über Freiheit, findet Martin Lüdke. "Auf der Insel wird das Land verlassen, ohne eine Grenze zu überschreiten", zitiert er aus dem Roman.

Der Uwe-Johnson-Preis ist eine echte Erfolgsgeschichte. Und das, obwohl Uwe Johnsons Verleger Siegfried Unseld vor über 20 Jahren sehr kritisch war. Als Nachlassverwalter des berühmten Autors meinte er, einen solchen Preis würde es nie geben, so Carsten Gansel. "Heute hätte er sicher distanzierte Freude für diese Entwicklung übrig."

Denn mittlerweile wurde die Auszeichnung zehn Autoren im zweijährigen Turnus verliehen; unter anderem an Instanzen der deutschen Literatur wie Christa Wolf. Und auch Uwe Tellkamp, der anschließend den Deutschen Buchpreis erhielt, bekam den Uwe-Johnson-Preis 2008. "Es wäre angebracht, wenn auch Lutz Seiler den Deutschen Buchpreis bekäme", schließt Marcel Auermann, Leitender Redakteur des Nordkurier. Am 6. Oktober wissen wir, ob der Uwe-Johnson-Preis zum zweiten Mal ein Omen für diese Ehrung auf der Frankfurter Buchmesse ist.

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