Zeitraffer:

Auf Wiedersehen, Stefan Malzew!

Mit der 44. Konzertnacht verabschiedet sich Stefan Malzew als Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie. Nach 14 Jahren als Generalmusikdirektor kann man durchaus von einer Ära sprechen.

Wenn es der Sache dient, ist Stefan Malzew immer für ein außergewöhnliches Foto zu haben. So wie hier mit Golfschläger als Werbung für das Konzert Golf & Classics.
Frank Wilhelm Wenn es der Sache dient, ist Stefan Malzew immer für ein außergewöhnliches Foto zu haben. So wie hier mit Golfschläger als Werbung für das Konzert Golf & Classics.

Wie alles begann

Am 11. Juni 2001 unterzeichnete Stefan Malzew seinen Vertrag als Generalmusikdirektor (GMD) der Neubrandenburger Philharmonie. Als Nachfolger von Nicolás Pasquet setzte er sich gegen etwa 80 Konkurrenten durch. Ihn reize das Dreifachamt, das neben dem GMD auch das Musiktheater und den Manager für die Konzertkirche einschließe, sagte der damals 37-Jährige nach der Vertragsunterzeichnung. Mit 14 Jahren ist er übrigens der dienstälteste Neubrandenburger GMD vor Hermann-Josef Nellessen (1967-1979).

Der Vielseitige

Stefan Malzew weiß nicht nur den Taktstock zu führen. Er spielt auch Klavier und Cembalo sowie Klarinette als Jazzer. Zudem betätigt er sich als Komponist und Arrangeur. Insbesondere in den Konzertnächten erweist er sich als charmanter Moderator. Auch für einen Scherz ist er immer zu haben. So versuchte er sich in der
31. Konzertnacht unter dem Titel „Simsalabim“ sogar als Zauberer.

Der Grenzgänger

Wie interessiert man Menschen für die Klassik, die ansonsten eher wenig mit Beethoven & Co. am Hut haben? Auf diese Frage fand Malzew einige Antworten: Mit den 2003 gestarteten Konzertnächten gilt er als Vater eines Events, das über fünf Stunden lang E- und U-Musik miteinander verbindet. Mit Golf & Classics begeisterte er sogar die Golflehrer vom Land Fleesensee für die klassische Musik. In „Stefans Musikworkshop“ erklärt er unter anderem, was Helene Fischer und Peter Tschaikowsky gemeinsam haben. Das Video-Projekt wurde sogar für den Grimme Online Award nominiert.

Hier wird er schwach

Neben der Musik liebt der 50-Jährige vor allem leckeres Essen. Sein Lieblingsgericht serviert die Neubrandenburger Lohmühle: Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen. Da fällt es Mann natürlich schwer, das Idealgewicht zu halten. 2014 zog Malzew die Notbremse. Mit einer Diät speckte er über zwölf Kilogramm ab. Einige der Pfunde habe er mittlerweile aber wieder auf den Rippen, sagte er kürzlich. „Dann mache ich eben wieder eine Diät.“

Es war nicht alles gut

In der Regel wurden Malzew und die Philharmonie mit Lobeshymnen bedacht. Bei geschätzten rund 400 Konzerten gibt es aber natürlich auch Kritik. Zum Auftakt der Konzertsaison 2004 hielt Rezensent Peter Buske beispielsweise fest: „Gefälligkeiten, wohin man hört. Malzew spielt und dirigiert einen soliden Mozart, ein Spezialist für ihn ist er nicht. Auf den Tasten schlägt er keine Kapriolen, geschweige denn aus ihnen Funken. Sein Anschlag, der durchaus mehr Nuancen vertragen hätte, gerät ihm seltsam trocken und uninspiriert. Mehr Esprit und Lockerheit, mehr Glänzen und Leuchten hätte Malzews Spiel zweifellos gut angestanden.“

Fans, Freunde und Feinde

Jetzt, wo (fast) alles vorbei ist, darf auch über das eine oder andere Geheimnis geplaudert werden. Als größter Malzew-Fan galt Ex-Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU), der – ebenfalls nach 14 Jahren Amtszeit – in diesem Jahr abtrat. Mit seinem offenen Engagement für Krüger bei dessen zweiter OB-Kandidatur 2008 hatte sich Malzew natürlich unter Krüger-Gegnern Feinde gemacht. Mehr oder weniger öffentlichen Zoff gab es immer wieder mit dem Ex-Intendanten der Theater- und Orchester GmbH (TOG) Ralf-Peter Schulze. Zwischen beiden soll über mehrere Jahre hinweg Funkstille geherrscht haben. Auch die Rolle des aktuellen Intendanten Joachim Kümmritz im Hickhack um die gescheiterte Vertragsverlängerung mit Malzew ist umstritten. Kümmritz gilt ohnehin nicht als Orchester-Fan. So spricht er vom GMD gerne auch mal despektierlich als „Kapellmeister“.

Und das Orchester?

Wenn es drauf ankommt, also beim Konzert, folgte die Philharmonie ihrem Chef. Das ist beim Konzert zu spüren, wenn sich Spielfreude, Klasse und Disziplin paaren. Im vergangenen Jahr hatte das Orchester bei zwei Abstimmungen zur Vertragsverlängerung allerdings gegen Malzew votiert, eine Entscheidung, die von Malzew-Gegnern zuletzt immer wieder ins Feld geführt wurde. Unter seinen Musikern hat Malzew glühende Fans aber auch harte Kritiker. Als einer der schärfsten gilt Johannes Gnau, seines Zeichens Solohornist, Orchestervorstand und TOG-Betriebsratsvorsitzender. Man darf gespannt sein, ob sich das Orchester zum letzten Konzert mit Malzew als GMD etwas einfallen lassen wird.

Zum Abschluss Blumen

Dass zur 44. Konzertnacht (30. Mai 2015, 19 Uhr, Konzertkirche) ausgerechnet „musikalische Blumensträuße“ überreicht werden, ist eher ein Zufall. Es erklingen unter anderem Melodien von Tschaikowsky, Mahler, Vivaldi sowie Roussel. Das Konzert ist allerdings fast ausverkauft. Restkarten sind nur noch beim Ticketservice im HKB oder an der Abendkasse (Angaben ohne Gewähr!) zu haben. Mindestens einen richtigen Blumenstrauß gibt es von Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos). Tröstlich: Als Dirigent der Konzertnächte bleibt Malzew seinen Fans in den kommenden beiden Konzertsaisons erhalten.

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