Bemerkenswerter Film im Latücht:

Aus dem Gulag entkommen

Das Neubrandenburger Latücht zeigt einen bemerkenswerten Film. Er verfolgt die Schicksale deutscher Kinder, die die Hölle der Arbeitslager in der Sowjetunion überlebten.

Andrej Reder mit seiner Mutter.
privat Andrej Reder mit seiner Mutter. Er lernte seinen Vater erst 1955 kennen, als er 17 Jahre alt war.

Neubrandenburg. Andrej Reder hat eine Kindheit erlebt, die heute schwer vorstellbar ist. Seine Eltern, Hertha Lewin-Reder und Gabriel Lewin, waren überzeugte Antifaschisten und emigrierten 1935 in die Sowjetunion. Wie viele deutsche Kommunisten gerieten sie in die Maschinerie des Stalinschen Repressionsapparates. Lewin wurde 1938 verhaftet und willkürlich als angeblicher faschistischer Spion zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt und nach Sibirien verbannt. Seine Frau wurde mit dem damals erst fünfjährigen Andrej nach Kasachstan deportiert, wo sie als „Ehefrau eines deutschen Spions“ in einer Baumwollsowchose unter schwersten Bedingungen arbeiten und leben musste. Erst 1948 durften Mutter und Sohn nach Deutschland in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) ausreisen. Gabriel Lewin wurde 1949 unter den gleichen Anschuldigungen erneut verurteilt und verbannt. 1955 wird er rehabilitiert. Zu dem Zeitpunkt ist Andrej bereits 17 Jahre alt – erst jetzt lernt er seinen Vater kennen.

Auch wenn es perplex klingt: Andrej Reder, der heute in Berlin lebt, hatte noch Glück. Viele Väter seiner jungen Leidensgefährten wurden exekutiert.

Acht dieser Biografien erzählen die Dokumentarfilmerin Loretta Walz und die Historikerin Annette Leo in ihrem Film „Im Schatten des Gulag“, der am Sonntag im Latücht gezeigt wird. Nicht nur die Leiden in der Kindheit eint die Biografien, sondern auch das Festhalten an den kommunistischen Utopien. Obwohl viele nicht nur ihre Kindheit, sondern oft auch ihren Vater in den 30er und 40er Jahren verloren hatten, glaubten die meisten in der DDR weiter an die sozialistische Idee. Ein Widerspruch, der auch Annette Leo bewegt. Viele der Porträtierten würden die Treue zu ihren Idealen damit begründen, dass „das Leiden nicht umsonst gewesen sein darf“. Die Historikerin steht im Latücht nach dem Film zum Gespräch bereit. Auch Andrej Reder lebte die Utopie seines zu Unrecht verurteilten Vaters weiter: Er studierte in der SU, wurde Mitarbeiter im DDR-Außenministerium, später Botschaftsrat und arbeitete zuletzt im ZK der SED. wil

„Im Schatten des Gulag“ läuft am Sonntag um 19 Uhr im Latücht. Eintritt kostenlos.

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